"Chronische Prostatitis", CPPS

Fehldiagnose, Leiden und Beschwerden

Chronische Prostatitis heißt chronische Prostata-Entzündung. Man geht in Urologenkreisen allgemein davon aus, dass es bei Chronischer Prostatitis um eine Erkrankung der Prostata und zwar um eine Entzündung handelt, wobei man sich vorstellt, dass diese Entzündung durch bestimmte Erreger hervorgerufen wird und durch Gabe von Antibiotika zu heilen ist.


Fehldiagnose "Chronische Prostatitis"

Bei der so genannten Chronischen Prostatitis handelt es sich in aller Regel jedoch um eine Fehldiagnose bzw. eine falsche Bezeichnung. Insbesondere wurde mehrfach nachgewiesen, dass sich bei dem so bezeichneten Krankheitsbild keine Erreger in nennenswerter Anzahl finden.

Chronische Prostatitis, CPPS

Zwar gibt es eine akute Prostatitis, bei der tatsächlich die Prostata von Erregern befallen und entzündet ist und bei der Antibiotika helfen. Chronische Beschwerden im Bereich Unterbauch, Beckenboden, Gesäß sind aber fast nie durch eine chronische Prostataentzündung bedingt, wohl aber können sie im Anschluss an eine solche - ohne Erreger, allein durch nachfolgende Verspannungen - entstanden sein. Selbst wenn es bei den Beschwerden der so genannten Chronischen Prostatitis aktuell Entzündungsmarker gibt (so genannte chronische abakterielle Prostatitis), kann die Entzündung doch auch mechanisch und nicht durch Erreger bedingt sein. Die Prostata hat, wenn überhaupt, damit nur marginal und keinesfalls ursächlich zu tun. In den allermeisten Fällen von so genannter "chronischer Prostatitis" ist es jedoch so, dass die Beschwerden mit der Prostata überhaupt nichts zu tun haben, sondern dass sie auf Verspannungen in Unterbauch, Beckenboden und angrenzenden Gebieten zurück zu führen sind.

Wie die Fehldiagnose zustande kommt
die BlaseDie Fehldiagnose kommt dadurch zustande, dass dem Urologen, der eine Diagnose stellen muss, für all diese Störungen, wie unterschiedlich sie auch sein mögen, nur die Diagnose "chronische Prostatitis" zur Verfügung steht. Daher ist es in Deutschland und wohl den meisten westlichen Ländern so, dass bei fast allen länger dauernden Störungen, die bei Männern im Bereich Unterbauch, Gesäß, Beckenboden auftauchen, gewöhnlich die Prostata verantwortlich gemacht und die Diagnose "Chronische Prostatitis" gestellt wird. Verspannungen als Krankheitsursache sind weitgehend unbekannt.


Das Leid der Betroffenen

Die Patienten mit der Diagnose "Chronische Prostatitis" leiden oft unendlich über Jahre und ziehen gewöhnlich von Urologe zu Urologe. Meist werden sie (erfolglos) mit Antibiotika behandelt, manchmal über Monate. Zuweilen werden sie auch (erfolglos) operiert, was durch die Narbenbildung ihr Leiden noch verschlimmern kann.

Bleibt alles ohne befriedigendes Resultat (was im Allgemeinen der Fall ist), werden Patienten mit der Diagnose "Chronische Prostatitis" oft zum Neurologen, Psychiater oder Psychologen überwiesen, wo sie aber im Allgemeinen auch keine Heilung erfahren. Tatsächlich ist nicht die Psyche die Ursache Ihrer Leiden, sondern das Leiden schlägt ihnen allmählich auch auf die Psyche. Kein chronischer Schmerzpatient ohne Depression.

Erschwert wird das Leiden dadurch, dass die Betroffenen über ihre Beschwerden kaum sprechen, weil die betroffene Gegend schambesetzt ist

Der chronischen Prostatitis werden folgende Beschwerden zugeordnet:


Die Beschwerden

Zu den Beschwerden von Männern mit der Diagnose Chronische Prostatitis können folgende Probleme gehören:

Blasenbeschwerden

  • Häufiger, oft auch plötzlicher Harndrang, auch nachts
  • mit oder ohne Dranginkontinenz,
  • Blasenschmerzen
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen (Miktionsstörungen) wie Harnverhalt, Startschwierigkeiten beim Urinieren, zu dünner Harnstrahl, geringer Druck, Nachträufeln
  • Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
  • Restharn (Blase nicht vollständig entleert) oder Gefühl von Restharn
  • Brennen in der Harnröhre
  • Überempfindlichkeit auf Kälte

(nähere Infos dazu finden Sie unter r Blasenbeschwerden)

Schmerzen und Missempfindungen im Unterbauch

  • Schmerzen oft ziehend
  • diffus
  • brennend
  • taubes Gefühl
  • Unterleib aufgebläht
  • Überempfindlichkeit auf Kälte

(Dazu steht mehr unter Bauchbeschwerden)

Schmerz und Missempfindungen im Beckenboden

  • Schmerzen oft ziehend, diffus, brennend, am Damm oder am gesamten Beckenboden
  • Schmerzen bei oder nach dem Urinieren
  • Schmerzen, die tief innen (oft "an der Prostata") empfunden werden, obgleich sie von außen kommen
  • Missempfindungen, die schwer beschreibbar, nicht direkt schmerzhaft, aber äußerst unangenehm, "nervend", ziehend, manchmal auch pulsierend sind
  • Taubheitsgefühle und / oder Kribbeln
  • Überempfindlichkeit auf Kälte, manchmal auch auf Hitze, Berührungsreize, Reibung oder Vibration
  • ausstrahlenden Beschwerden
    - in den Penis bzw.
    - in die Harnröhre (z.B. Brennen an der Penisspitze)
  • Sitzbeschwerden

(Diese Störungen werden unter Beckenbodenbeschwerden näher beschrieben)

Schmerz und Missempfindungen im unteren Gesäß

  • Schmerz oft brennend und "nervend"
  • Taubheitsgefühle und/oder Kribbeln
  • Sitzbeschwerden
  • Sitzbein- und/oder Steißbeinschmerz
  • Überempfindlichkeit auf Kälte und/oder Berührungsreize

(unter Gesäßschmerzen und Steißbeinschmerzen finden Sie mehr zu diesen Beschwerden)

Schmerz und Missempfindungen am After und / oder Enddarm

  • Afterschmerzen
  • Afterkrämpfe
  • Fremdkörpergefühl im After oder im Enddarm (wie ein Golfball, eine Nuss o.ä.)
  • Schmerzhafte Defäkation (Stuhlentleerung)
  • Taubheitsgefühle und/oder Kribbeln um den After
  • Jucken des Afters
  • Afterekzem

(Ergänzende Infos unter Beckenbodenbeschwerden und Andere Missempfindungen)

Schmerz und Missempfindungen am Hoden

  • Hodenschmerzen, oft brennend oder bohrend
  • manchmal mit Zuckungen verbunden (Cremasterreflex)
  • Taubheitsgefühle an den Hoden
  • Kribbeln der Hoden
  • Überempfindlichkeit auf Kälte, Wärme, Berührungsreize, Reibung oder Vibration

(über die Art der Beschwerden und die Missempfindungen steht einiges unter Sexuelle Störungen und Andere Missempfindungen)

Sexuelle Funktionsstörungen

  • Erektionsstörungen
  • Libidoverlust, sexuelle Inappetenz bei jungen Männern

(siehe »Sexuelle Störungen«

Leistenschmerzen

  • Zur Beinseite
  • oder zur Bauchseite hin

(ausführlichere Informationen unter »Leistenschmerzen«)

Adduktorenschmerzen

  • Schmerzen auf der Innenseite der Oberschenkel, zuweilen auch an anderen Stellen der Oberschenkel

(siehe Ischias und Beinschmerzen, Oberschenkelschmerzen)

 

Hinzu kommen oft noch:

Rückenschmerzen

  • meist im unteren Rücken
  • Kreuzschmerzen
  • Kreuzbeinschmerzen
  • Schmerzen an den Iliosakralgelenken

(Unter der großen Rubrik »Rücken« finden Sie viele Kapitel über die unterschiedlichen Schmerzen im unteren Rücken, am Kreuzbein, an den Iliosakralgelenken).

Schlafstörungen

  • meist durch den nächtlichen Harndrang

(das wird unter »Schlafstörungen« näher beschrieben)

Depressionen und / oder Ängste

  • Depressionen wie bei allen chronischen Schmerzzuständen, (siehe »Depressionen«).
  • Ängste durch das unerklärliche des Zustands, das Zusammengezogensein auf der Vorderseite, das Ausgeliefertsein bei ständigem Harndrang und das oft Peinliche der Beschwerden insgesamt (siehe »Angst«).
  • Auch wenn keine manifeste Depression oder Angst vorliegt, so ist auf jeden Fall nach einer gewissen Zeit die Stimmung eher schlecht und der Antrieb reduziert.

Konzentrationsstörungen

Soziale Folgeschäden

  • Rückzugsreaktionen, Isolation
  • Minderung der beruflichen Leistungsfähigkeit bis zur
  • Berufsunfähigkeit
  • Partnerschaftsprobleme
  • Sucht (Alkohol oder Tabletten, meist als Selbstmedikation begonnen)

Wie man sieht, handelt es sich um ein breites Spektrum von Beschwerden, wobei die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Es handelt sich bei dieser Liste nicht um eine Aufzählung der Beschwerden bei chronischer Prostatitis, sondern um eine Sammlung der Beschwerden von denjenigen Männern, denen allen - bei unterschiedlichsten Beschwerden - die Diagnose "Chronische Prostatitis" gestellt wurde. Bei ein und demselben Patienten ist gewöhnlich nur ein Teil der Beschwerden vorhanden, d.h. Männer mit der gleichen Diagnose können unter ganz unterschiedlichen Beschwerden leiden. Fast keiner hat alles. Natürlich können die einzelnen Beschwerden auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein.