Einleitung
Was sind sensomotorische Störungen?
Patienten suchen uns wegen Vorgängen an ihrem Organismus auf, die sie als störend empfinden. Grob unterteilen lassen sich diese Störungen in Missempfindungen und Bewegungsstörungen. Wie noch zu zeigen sein wird, ist – da die Sensomotorik eine Einheit darstellt – stets beides zugleich vorhanden, nur wird eins von beiden, also entweder die Missempfindung oder die Bewegungsstörung, stärker als störend empfunden.
Die Missempfindungen, derentwegen uns die Patienten aufsuchen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie als inadäquat empfunden werden. Kein Mensch wird uns oder sonst einen Arzt, Psychotherapeuten, Heilpraktiker etc. aufsuchen, weil es ihm weh tut, wenn er sich in den Finger schneidet, oder wenn ihm übel wird, so dass er sich schließlich übergeben muss, nachdem er etwas Schlechtes gegessen hat. Diese Missempfindungen werden als adäquat erlebt und ihre Schutzfunktion ist jedem unmittelbar einsichtig.
Wohl aber suchen die Patienten professionelle Hilfe, wenn sie zum Beispiel ständig Schmerzen haben, obwohl gar keine akute Verletzung vorgelegen hat, oder wenn die akute Verletzung längst vorbei ist, die Schmerzen aber fortbestehen, oder wenn ihnen – um bei dem anderen Beispiel zu bleiben – ständig übel ist oder sie Kopfschmerzattacken haben, die mit Übelkeit und Erbrechen einher gehen.
Häufig besteht die Missempfindung in einer Hypersensibilisierung der Rezeptoren, also der winzigen Sinnesorgane an den Enden der Nervenverzweigungen, die in Muskeln und Bindegewebe liegen. Immer sind an den Orten der Missempfindungen druckschmerzhafte Stellen. Das heißt, wenn man auf Muskeln oder Bindegewebe drückt, wo die unangenehme Empfindung lokalisiert wird, tut es weh (was normalerweise in der ausgeübten Druckstärke schmerzfrei wäre). Als Überempfindlichkeit kann man auch die Geräusch- und Lichtempfindlichkeit bei Migräne, die Hyperakusis, die Überempfindlichkeit von schmerzenden Stellen auf physikalische Reize wie Kälte (manchmal auch auf Hitze), Berührung und Zug sehen, sowie das Spüren von Herzschlag und Puls und die Überempfindlichkeit auf chemische Reize wie bei der Allergie oder der Nahrungsunverträglichkeit. Nicht selten werden die Betroffenen zu Prinzessinnen oder Prinzen auf der Erbse, was Gesunden oft unverständlich erscheint.
Auch bei den Bewegungsstörungen gibt es – via gesundem Menschenverstand und Lebenserfahrung – allgemeine Vorstellungen darüber, was noch als normal oder adäquat gilt. Wenn jemand humpelt, solange er eine akute Verletzung am Fuß hat oder solange ein Bein eingegipst ist, wird jeder einschließlich ihm selbst das als adäquat empfinden. Wenn aber jemand hinkt, obwohl er keine Schmerzen am Fuß oder Bein (mehr) hat, so wird er oder seine Umgebung, das als inadäquat empfinden. Ebenso halten wir es für normal, wenn wir uns beim Sprechen ab und zu einmal verhaspeln. Passiert uns das jedoch ständig, ohne dass wir es korrigieren können, werden wir zu dem Schluss kommen, dass wir ein behandlungsbedürftiges Stottern haben.
Bei den Bewegungsstörungen sind die individuellen Grenzen, was als normal oder als noch tolerabel oder überhaupt bemerkt wird, noch aus geprägter als bei den sensorischen Beschwerden. Manche klagen zum Beispiel zwar über Nackenschmerzen, meinen aber die Bewegung des Nackens bzw. Halses, zum Beispiel beim Kopf drehen, sei völlig uneingeschränkt. Erst wenn man sie direkt darauf anspricht, wie sie denn mit dem Rückwärtseinparken klar kommen, fällt ihnen ein, dass sie das schon seit geraumer Zeit nur noch mit Hilfe der Spiegel können (siehe »Nacken«). Andere Menschen leiden unter Angstzuständen oder Depressionen (siehe »Angst und Depression«), während ihnen die Einschränkung der Atembewegung, die damit einhergeht, kaum bewusst wird, sie spüren sie vielleicht nur als »Stein auf der Brust«.
Wie in diesen Beispielen treten Missempfindungen (einschließlich der Überempfindlichkeiten) und Bewegungsstörungen also immer zusammen auf, da das sensomotorische System eine Einheit ist. Nur ist der eine Teil – meist der motorische – oft eher im Hintergrund des Bewusstseins, da er als weniger störend empfunden wird.
Es gibt auch – wenn auch seltener – den Fall, dass der motorische Anteil der Störung stärker im Vordergrund der Wahrnehmung steht: so zum Beispiel beim Stottern, beim Schreibkrampf oder manchmal bei Restless legs. Erst wenn die Patienten beginnen, bewusst darauf zu achten, bemerken sie, dass auch mit diesen Bewegungsstörungen unangenehme Empfindungen an bestimmten Stellen des Körpers verbunden sind.
Bewusst wird hier nicht unterschieden zwischen „körperlichen“ und „seelischen“ Missempfindungen, da es diesen Unterschied unserer Meinung nach nicht gibt. Es handelt sich immer um sensomotorische Störungen, wobei der sensorische Anteil unterschiedliche Erlebensqualitäten an unterschiedlichen Körperpartien beinhalten kann. Die Unterscheidung in körperliche und seelische Missempfindungen – Schmerz gilt zum Beispiel als körperlich, Angst dagegen als seelisch – ist lediglich eine Konvention unseres Kulturkreises, sie wird in anderen Kulturen nicht getroffen.
Für die Aufhebung dieser Trennung spricht, dass alle Missempfindungen sich körperlich lokalisieren lassen, auch wenn wir eine solche Lokalisationsangabe in unserer Kultur nur für Schmerzen gewöhnt sind. „Wo tut’s denn weh?“ scheint uns die normalere Frage zu sein als: „Wo, an welcher Stelle Ihres Körpers, spüren Sie Angst?“ oder: „Wo empfinden Sie denn die Übelkeit?“ oder „Wo spüren Sie den Heißhunger?“, „Wo sitzt denn bei Ihnen die Müdigkeit?“. Dennoch können die Patienten nach der ersten Verblüffung alle diese Fragen ohne weiteres beantworten. Denn irgendeine unangenehme Empfindung muss sie ja zu ihrer Aussage veranlasst haben, dass sie Angst, Übelkeit, Heißhunger oder Müdigkeit spüren. Da sie diese Missempfindungen mit ihrem sensorischen System wahrnehmen, die registrierenden Sensoren aber an bestimmten Stellen lokalisiert sind, können sie Angaben über den Ort dieser Empfindung machen.
Wenn wir den Lokalisationsangaben der Patienten für Ihre Missempfindungen nachgehen, können wir durch Anschauen, Spüren, aktives oder passives Bewegen immer auch die Bewegungseinschränkung oder -störung an eben diesen Stellen finden.
Die Behandlung der Beschwerden mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® dient daher immer gleichzeitig der Beseitigung Missempfindung wie der Bewegungsstörung.
Zu den sensomotorischen Störungen allgemein und deren Ursachen siehe Artikel
Die sensomotorischen Störungen – und damit das Behandlungsspektrum der sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® – sind sehr vielfältig. Sie finden Sie hier geordnet nach den
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- Bewegungsstörungen
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Und nach der
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- Angst und Depression
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- Fehlhaltungen
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