Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl
Sensomotorische Körpertherapie
nach Dr. Pohl®
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Auswirkungen von Narben auf den ganzen Körper

Wie Narben sich auswirken können

Bei Narbenschmerzen, Narbenveränderungen und Narbenbeschwerden ist es völlig gleichgültig, ob die Narbe durch Unfälle, körperliche Attacken, Verbrennungen, Verbrühungen oder Operationen entstanden ist. Alle Narben können Auswirkungen auf den ganzen Körper haben.

Lymphrückstau

Durch die Verhärtung kann es in der Narbenumgebung zu einem Lymphrückstau kommen. Was nach Brustoperationen oft den Arm auf der operierten Seite anschwellen lässt, ist meist auf eine Verhärtung im Bindegewebe / Faszien um die Operationsnarbe zurück zu führen. Die Bindegewebskontraktion um die Narbe kann hier wie eine Schlauchklemme wirken.

Bewegungseinschränkungen

Narben und Narbenumgebung sind oft so stark zusammen gezogen, dass es nicht nur zu Narbenschmerzen und/oder anderen Narbenbeschwerden kommt, sondern auch zu merklichen Bewegungseinschränkungen im Gebiet der Narbe. Es scheint, als habe hier der Körper des Guten zu viel getan, denn das Zusammenziehen nach Verletzungen gehört bei Wunden zum normalen Heilungsvorgang. Das Zusammenziehen wird von kontraktilen Bindegewebszellen, den Fibroblasten, in der Haut und Unterhaut ausgeführt wird, um die Wunde so schnell wie möglich zu schließen. Bleibt dieses Zusammengezogensein auf Dauer erhalten, entsteht eine Dauerkontraktion im Bindegewebe der Haut und Unterhaut (Cutis und Subcutis) und es kommt zur chronischen Bewegungseinschränkung.

So ist zum Beispiel nach Brustoperationen der Arm der betroffenen Seite oft nicht mehr ganz nach hinten oder oben zu bewegen. Hier hat sich beim Heilungsvorgang das Bindegewebe / Faszien von Haut und Unterhaut in der Umgebung der Narbe so stark zusammen gezogen, dass die Beweglichkeit des darunter liegenden Brust-Muskels eingeschränkt ist. Er sich nicht mehr voll ausdehnen, was für die Bewegung des Arms nach hinten oder oben notwendig wäre.

Bei Kaiserschnittnarben kann man oft sehen, wie der untere Unterbauch der Patientinnen sich beim Atmen und Sprechen nicht mehr mitbewegt. Sie können die untere Bauchmuskulatur und den Beckenboden oft nicht mehr willkürlich bewegen, was zu Inkontinenz und ständigem Harndrang führen kann.

Manchmal ist bei großen Narben eine ganze Körperseite von Missempfindung und Bewegungseinschränkung betroffen.

Ganz besonders häufig und stark kommt es bei Brandnarben zu Einschränkungen der Bewegung im Narbengebiet. So lassen sich zum Beispiel nach Brandverletzungen Ellbogen oder Knie nicht mehr ganz strecken oder beugen. Oft kann an den Brandnarben und/oder im Gebiet der Brandnarben harte Stränge in Haut und Unterhaut-Bindegewebe / Faszien ertasten. Dieses Narbengewebe lässt sich nicht dehnen. Es gibt bei der Bewegung nicht nach, sondern fängt an zu spannen, sobald man den betroffenen Körperteil aktiv oder passiv zu bewegen versucht.

Entstehung von Fehlhaltungen

Die Bewegungseinschränkungen durch Brandnarben aber auch durch andere Narben können so groß sein, dass Fehlhaltungen entstehen und Schmerzen an ganz anderen, entfernteren Körperteilen auftreten, die man zunächst nicht mit der Narbe in Zusammenhang bringt.

Fallbeispiel: Ein Patient Ende 40 kam mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen am linken Bein und der linken Leiste in Behandlung. Er humpelte stark und konnte kaum mehr gehen, was ihn als Gärtner berufsunfähig zu machen drohte. Auffallend war, dass er den Körper rechts nach vorn gedreht und die linke Leiste gebeugt hatte, so dass das ganze Gewicht auf dem linken Bein lastete. Im Laufe der Behandlung stellte sich heraus, dass das Ganze von einer Narbe am rechten Oberbauch ausgegangen war, die er seit einer Magenpförtner-Operation als Säugling hatte (und die mitgewachsen war). Infolge der Zusammenziehungen im Bindegewebe / Faszien rings um die Narbe war im Laufe der Zeit eine Schiefhaltung entstanden, die den ganzen Körper in Mitleidenschaft zog. Näheres zu dieser Schiefhaltung können Sie unter Fehlhaltungen und unter Traumamuster nachlesen.

Auswirkungen auf die inneren Organe

Manche Betroffenen spüren nur den Schmerz oder die Missempfindung, ohne sie mit ihrer alten Narbe in Verbindung zu bringen, da sich die Narbenschmerzen und die anderen Narbenmissempfindungen oft anfühlen, als kämen sie von tief innen, zum Beispiel vom Knochen oder von den inneren Organen. Ein Gefühl von "Kloß im Hals" kann z. B. durch die Narbe einer Schilddrüsenoperation ausgelöst sein. Durch manuelles Lösen des Narbengewebes und des Bindegewebes der Umgebung geben sich die "inneren" Beschwerden jedoch, was zeigt, dass sie tatsächlich von außen kamen.

Manchmal ist sogar die Arbeit der inneren Organe durch die Verspannungen im Bindegewebe / Faszien der Narbenumgebung tatsächlich beeinträchtigt. Dies kann schon dadurch geschehen, dass bei Narben am Rumpf durch das Zusammenziehen der Narbe und ihrer Umgebung die Atembewegung von Brustkorb, Bauch oder Rücken eingeschränkt sein kann. Dadurch entsteht nicht nur eine Atemreduktion mit all ihren negativen - auch biochemischen - Konsequenzen für den ganzen Körper. Vielmehr wird zusätzlich auch die Motilität der inneren Organe eingeschränkt. Normalerweise werden die inneren Organe mit der Atembewegung ständig hin- und herbewegt und leicht massiert.

Diese passive Bewegung der inneren Organe, die zum Beispiel deren bessere Durchblutung bewirkt, kann durch Narben am Rumpf eingeschränkt sein. Daher gibt es funktionelle Beschwerden, wie zum Beispiel Atemstörungen, Blasenbeschwerden, Magenschmerzen und beschwerden - oder Reizdarm, Darmkrämpfe und Blähbauch, die durch Narben in der Bauchdecke ausgelöst werden. Solche Beschwerden wirken oft rätselhaft und gelten oft lange als rein "psychosomatisch", solange man nicht auf den Verursacher, nämlich die Narbe kommt.

Was über die Ursachen solcher Narbenpathologien bekannt ist, erfahren sie unter Die Ursachen von Narbenbeschwerden und Narbenpathologien

Wie man sie behandelt, steht unter Professionelle Behandlung von Narbenschmerzen

Das Buch von Dr. Pohl

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