Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl
Sensomotorische Körpertherapie
nach Dr. Pohl®
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Die normale Atmung

Die Atmung ist zweifellos die wichtigste, weil lebensnotwendigste Bewegung des Menschen und der Tiere, denn ohne diese Bewegung wären wir binnen kurzem tot. Die Atmung ist wie das Leben selbst, kein Sack, in den wir möglichst viel hineinstopfen, sondern ein Prozess, der aus dem ständigen Wechsel lebt. Ausatmen ist so wichtig wie Einatmen, Abbau so wichtig wie Aufbau, Entspannung so wichtig wie Anspannung.

Die normale AtmungGenauer passiert bei der Atmung folgendes: Die Lunge befindet sich im Brustkorb, sie liegt unten dem Zwerchfell auf. Beim Atmen wird die Lunge von den Atemmuskeln, die sich außer dem Zwerchfell außen am Körper befinden, auseinander gezogen (Einatmung) und zusammen gedrückt (Ausatmung).

Das Zwerchfell ist ein großer Muskel, kein Fell, es ist der Hauptatemmuskel. Dieser Muskel bildet eine schräge Platte, die quer im Körper liegt und den Brustraum vom Bauchraum trennt. Oberhalb des Zwerchfells, mit diesem verbunden, also im Brustraum, der vom Brustkorb umgeben wird, befinden sich Lunge und Herz, die praktisch ein Organ darstellen, da sie mit dem kleinen Blutkreislauf miteinander verbunden sind. Unterhalb des Zwerchfells, also im Bauchraum, befinden sich die übrigen Organe, also Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm, Milz, Blase, Eierstöcke, Uterus. Wenn man mit den Fingern an den Rippen entlang geht und nach innen gegen die unterste Rippe drückt, drückt man gleichzeitig auf die Ansätze des Zwerchfells. Den schrägen Verlauf kann man daran erkennen, dass die Rippen nach hinten immer weiter hinunter reichen.

Wenn man einatmet, zieht sich das Zwerchfell zusammen, wandert dabei ein Stück nach unten und schiebt damit die Baucheingeweide (Leber, Magen, Darm etc.) nach unten und vorn. Dadurch kommt der Bauch beim Einatmen heraus, jedenfalls dann, wenn die Bauchmuskeln locker sind, sich entspannen können. Gleichzeitig spannen sich die externen Zwischenrippenmuskeln (die wie ihr Name sagt, zwischen den Rippen liegen) an und heben damit den Brustkorb an und weiten ihn (nach vorn, zur Seite und nach hinten). Durch diese Bewegung des Zwerchfells und der äußeren Zwischenrippenmuskeln entsteht in der Lunge ein Unterdruck wodurch die Luft hinein gesogen wird.

Wenn man ausatmet, entspannt sich der Zwerchfellmuskel, während die Bauchmuskeln und die internen Zwischenrippenmuskeln sich anspannen. Durch die Anspannung der Bauchmuskeln drückt es die Eingeweide wieder nach innen und nach oben in das Zwerchfell hinein, das in entspannten Zustand eine Kuppel nach oben bildet. Dadurch wird die Lunge von unten zusammen gedrückt. Durch die internen Zwischenrippenmuskeln wird die Lunge auch von vorn, seitlich und hinten zusammen gedrückt und der Brustkorb senkt sich. Durch die Anspannung von Bauch- und internen Zwischenrippenmuskeln entsteht in der Lunge ein Überdruck und die Luft wird herausgedrückt.

Wie man sieht, spannt sich beim Einatmen ein Teil der Atemmuskeln an und der andere entspannt sich. Beim Ausatmen wechseln die Rollen, die vorher entspannten Muskeln spannen sich an, die vorher angespannten Muskeln entspannen sich.

Außer den eben erwähnten Muskeln spielen bei der Atmung noch ein Reihe anderer Rumpf-Muskeln eine Rolle, die sich ebenfalls abwechselnd kontrahieren und entspannen müssen. Daher sieht man, wenn die Atmung o. k. ist, den ganzen Rumpf sich bewegen, ja die Atembewegung geht bis in den Beckenboden hinein.

Die Atmung wird für gewöhnlich unbewusst gesteuert, das heißt sie wird von Gehirnteilen gesteuert, die nicht unserer bewussten Kontrolle unterliegen. Da die Atembewegung aber durch unsere normale Skelettmuskulatur erfolgt, können wir sie wie jede andere Bewegung dieser Muskeln auch bewusst steuern. Wir können also zum Beispiel bewusst tiefer oder schneller atmen oder bewusst nur in den Bauch oder Brustkorb atmen (wenn die Verspannung nicht zu groß ist).

Dadurch, dass wir unsere Atmung auch bewusst steuern können, können wir auch bewusst auf unser Befinden, wie auch unsere Herztätigkeit Einfluss nehmen. Wenn man zum Beispiel bewusst tief und langsam ausatmet, kann man sich selbst beruhigen, so dass man sich tatsächlich innerlich ruhiger fühlt und das Herz auch – messbar – langsamer schlägt. Bitte selbst ausprobieren! Man kann das auch als Einschlaftechnik nutzen.

Abhängigkeit der Atembewegung von inneren und äußeren Reizwahrnehmungen, Erwartungen, Vorstellungen und Bewertungen

Die unwillkürliche Steuerung der Atmung ist von einer ganzen Reihe von inneren und äußeren Reizwahrnehmungen abhängig, die uns zum Teil bewusst werden, zum Teil nicht. Zum einen wird sie – wie wir bereits gesehen haben – durch die Bewegung und den Kraftaufwand, das heißt den Bedarf des ganzen Körpers gesteuert. Dies sind innere Reize, die uns nicht bewusst werden und auch nicht bewusst werden können. Zum andern wirkt auch die Wahrnehmung chemischer und physikalischer Reize, die uns bewusst werden können, auf die Steuerung der Atembewegung. So verändert sich die Atmung zum Beispiel bei Hitze- oder Kälteempfindungen, bei Gerüchen und bei allem, was wir an Angenehmem oder Unangenehmen sehen, spüren, schmecken, riechen oder hören. So stockt sie bei Schreck, zum Beispiel auf plötzliche laute Geräusche hin, vertieft sich bei angenehmen Düften, engt sich ein bei unangenehmem Geschmack usw.. Man kann sagen, sie ist ein Gradmesser, ob wir etwas in uns aufnehmen wollen. Auch gibt es Abfolgen von Drosseln und Lösen der Atemmuskulatur. Wir halten bei spannenden Vorgängen die Atmung an und lösen sie abrupt, wenn die Dinge für uns oder andere, mit denen wir uns gerade identifizieren, eine gute Wendung nehmen. Mit der Rettung des Helden in einem spannenden Film ist oft allseits ein erleichtertes Aufatmen zu hören. Auch beim Atmen gibt es „dumme Angewohnheiten“, z.B. immer die Luft anzuhalten, sobald man sich anstrengt oder auch nur konzentriert.

Unsere Stimmung kann man an unserer Atmung ablesen. So atmen wir z.B. schnell, wenn wir erregt sind (egal, ob freudig, ängstlich, sexuell oder wütend), wir atmen tief und langsam, wenn wir zärtlich sind oder uns das vorstellen. Beim Aufkommen einer negativen Vorstellung stockt uns der Atem. Probieren Sie es aus: denken Sie einmal intensiv ans Finanzamt oder an einen Unfall auf der Autobahn und achten Sie dabei auf Ihre Atmung.

Umgekehrt gilt aber auch: wie wir die Welt und uns selbst erleben und bewerten, ist auch vom Zustand unserer Atemmuskulatur und dem sie umgebenden Bindegewebe / Faszien abhängig. Ist die Atmung via Muskulatur eingeengt, empfinden wir Angst oder Depression und Unlust, weshalb wir dazu neigen, in einem unguten Zustand zu verharren oder uns vor allem und jedem zurück zu ziehen, nichts erscheint uns attraktiv. Ist die Atmung frei, empfinden wir eher Freude, Lust etwas zu tun, uns zu bewegen, auf etwas oder jemanden zuzugehen, etwas zum Positiven hin zu ändern. Wir sagen dann: „Es fällt mir ein Stein vom Herzen.“ „Mir geht das Herz auf.“ „Ich könnte die Welt umarmen!“ Es ist daher ganz erstaunlich zu beobachten, wie Patienten nach einer Lockerung und Befreiung ihrer Atemmuskulatur die Welt verändert erleben, sich anders verhalten und von sich aus oft große Änderungen in ihrem Leben vornehmen, ohne dass man je mit ihnen darüber gesprochen hat.

Jede Emotion hat ihr eigenes Atemmuster. Oder anders herum ausgedrückt: Je nach Atemmuster empfinden wir eine andere Emotion. So findet z. B. bei Wut (dem oft hörbaren Wutschnauben) eine Verstärkung der Aus- und vor allem der Einatmung statt, kräftige Atemzüge folgen schneller aufeinander, die Atempause verschwindet, die Atmung wird etwas unregelmäßiger.

Bei Angst wir die Atmung sehr beschleunigt, die Pausen fehlen, der Ablauf wird chaotisch ungleichmäßig und es wird insgesamt mehr eingeatmet als ausgeatmet.

Bei Zärtlichkeit werden die Atemzüge länger und tiefer, die Pause vergrößert sich.

Der Charakter der übrigen Bewegungen entspricht dabei demjenigen der Atembewegung, z.B. das Aufstampfen oder auf den Tisch hauen bei Wut, oder das langsame Streicheln bei Zärtlichkeit.

Da unsere Stimmung so sehr von unserer Atmung abhängt, können wir auch umgekehrt durch Beeinflussung unserer Atmung auf unsere Stimmung einwirken, uns zum Beispiel durch langsames, gleichmäßiges, ruhiges Atmen mit verlängerter Ausatmung in einen Zustand der Gelassenheit versetzen.

Das ist etwas anderes als das Unterdrücken des Gefühlsausdrucks, z.B. von Wutäußerungen oder von Weinen. Wenn wir „an uns halten“, drosseln wir das zu der Emotion gehörige Atemmuster, indem wir Muskeln dagegen spannen. Die Unterdrückung von Gefühlsausdruck mündet also in Dauerkontraktion von Atem- und sonstigen Muskeln, während Gelassenheit mit gelockerter Atem- und sonstiger Muskulatur einhergeht.

Es gibt offensichtlich auch einen engen Zusammenhang zwischen der Tätigkeit der Atemmuskulatur und damit der Stimmung und der Mimik, also der Tätigkeit der Gesichtsmuskulatur. Daher können wir jemandem die Stimmung an der Stimme beim Sprechen anhören und sie am Gesicht ansehen.

Wir können an uns selbst beobachten, dass der Bauch sich festmacht und damit die Atmung sich einengt, wenn wir die Stirn in senkrechte Falten legen (bitte selbst ausprobieren). Umgekehrt können wir merken, dass ein Lächeln, ein Hochziehen der Mundwinkel die Atemmuskulatur öffnet und das Atmen damit leichter macht (bitte selbst ausprobieren!). Daher fühlen wir uns wohler, wenn wir lächeln. Wenn wir also erleichtert aufatmen, passt ein Lächeln dazu, kein Stirnrunzeln. Wenn wir dagegen die Lippen zusammen pressen anstatt mit ihnen zu lächeln, oder wenn wir die Mundwinkel nach unten ziehen, ergibt sich automatisch eine Spannungserhöhung und damit eine Atemeinschränkung in der Bauchmuskulatur (bitte selbst ausprobieren). Dadurch fühlen wir uns unwohl. Die Mimik hat natürlich wie die Gestik, die Haltung und die Stimme auch einen kommunikativen Wert. Durch die Propriozeption der Veränderungen in der Atemmuskulatur können wir unsere Stimmung selbst wahrnehmen und sie gleichzeitig via mimischer Muskulatur für andere sichtbar und via Stimme, auch hörbar machen.

Wie wir in dem Kinobeispiel oben gesehen haben, neigen wir alle dazu, unsere Atembewegungen und damit unsere Emotionen zu synchronisieren. Daher wirken Gefühle ansteckend. Schenkt uns jemand ein Lächeln, schenkt er uns in Wirklichkeit die Gelegenheit, zurück zu lächeln und damit unsere Atemmuskeln so zu bewegen, dass wir uns wohler fühlen. Ist umgekehrt jemand in unserer Nähe depressiv, müssen wir acht geben, nicht ebenfalls die Atmung zu drosseln und in Erstarrung zu verfallen, auch wenn es uns nahezu unanständig vorkommt, in Gegenwart eines Depressiven zu lachen und zu scherzen und wir uns innerlich nahezu verpflichtet fühlen, unser Mitgefühl dadurch zu zeigen, dass wir alles tun, um uns auch schlecht zu fühlen.

Siehe auch

Fehlatmung
Atemstörung

Noch ausführlicher und individueller können Sie sich die Vorgänge bei der Atmung von den Therapeuten der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® erklären lassen, die auf der Therapeutenliste stehen.

Formen der Fehlatmung

Regelmäßig kann man bei Atemstörungen eine Fehlatmung feststellen, die durch Verspannungen bedingt ist. Im Unterschied zu den Atemstörungen, die direkt als unangenehm erlebt werden, fällt einem selbst die eigene Fehlatmung meistens gar nicht auf. Die Hauptatembewegung findet normalerweise vorne statt, aber es gibt durchaus auch eine Rückenatmung.

Immer sollte sich bei der normalen Atmung der ganze Rumpf bewegen, auch wenn das Ausmaß der Atembewegung je nach Tätigkeit und Körperstellung schwankt. Immer sollte der ganze Rumpf in die Atembewegung einbezogen sein, wenn nicht, liegt eine Fehlatmung vor. Bei einigen Fehlatmungsformen wirken sich die Verspannungen der einzelnen Atemmuskeln unterschiedlich aus, immer aber schränken sie die Atmung ein. Häufig sind Fehlatmungen mit Fehlhaltungen verbunden.


Brustatmung oder Bauchatmung?

Formen der FehlatmungViele Menschen atmen, ohne es zu wissen, nur mit dem Brustkorb, während sie die Bauchmuskeln ständig unwillkürlich angespannt halten. Mit dieser Fehlatmung atmen sie ihr ganzes Leben lang auf Sparflamme. Das ständige Anspannen der Bauchmuskeln geschieht außer durch "dumme Angewohnheiten" aufgrund von Eitelkeit oder falsch verstandenem Sportideal hauptsächlich unwillkürlich bei Stress und anderen Belastungen.

Andere Menschen sind stolz auf ihre Bauchatmung. Schaut man jedoch genauer hin, sieht man, dass sich der Bauch zwar tatsächlich mit der Atmung bewegt, der Brustkorb aber nicht. Auch diese Menschen bekommen zu wenig Luft. Die normale Atmung ist eine Vollatmung. Wer also nur mit dem Bauch atmet, ist im Atemvolumen ebenso eingeschränkt wie jemand, der nur mit dem Brustkorb atmet.


Die Hochatmung

Sehr verbreitet ist die Hochatmung. Bei der Hochatmung geht die Atembewegung nicht nach unten in den Bauch und in den unteren Brustkorb, sondern der Brustkorb wird mit den Halsmuskeln bei jeder Einatmung nach oben gezogen. Man sieht das bei Menschen an den verspannten Halsmuskeln, sowie daran, dass die Schultern sich mit jeder Einatmung heben. Die Halsmuskeln werden eingesetzt, weil die anderen Wege bei dieser Art von Fehlatmung nicht gangbar sind.

Wenn also die Lunge sich nicht im Brustkorb, Bauch, Rücken und Beckenboden ausdehnen kann, bleibt nur noch, ihr nach oben Raum zu schaffen. Das geschieht durch das Hochziehen (anstatt des Weitens) des Brustkorbs. Oft kann man bei Menschen mit dieser Art von Atemstörung eine Seufzeratmung beobachten und häufige zwischengeschaltete "tiefe" Atemzüge. Hier betreiben sie aber nur forcierte Hochatmung.


Die paradoxe Atmung

Andere Patienten mit Atemstörungen haben eine paradoxe Atmung, d.h. sie ziehen den Bauch bei der Einatmung ein anstatt ihn heraus zu lassen. Sie atmen sozusagen umgekehrt. Logischerweise bekommt man mit dieser Atemform nur wenig Luft, denn die Lunge kann sich beim Einatmen ja nicht nach unten in den Bauch ausdehnen, wo sie die größte Ausdehnungsmöglichkeit hätte. Auch diese Fehlatemform ist den Patienten überhaupt nicht bewusst. Oft sieht man die Fehlatmung am liegenden Patienten nicht, wohl aber im Stehen und Sitzen.


Fixierte Ausatmung

Zu dieser Form von Fehlatmung kommt es, wenn ein Teil der Ausatemmuskeln verspannt ist, sich also in Dauerkontraktion befindet und sich nicht voll entspannen kann, wenn er an der Reihe ist.

Meist sind hauptsächlich die Bauchmuskeln bzw. das Bindegewebe / Faszien auf ihnen verspannt (am allerhäufigsten der große, gerade Bauchmuskel). Bei solchen Menschen befinden sich die Atemmuskeln also ständig im Zustand der Ausatmung, so dass kaum Einatmung stattfinden kann. Das ist zum Beispiel bei allen Menschen mit vorgebeugter Haltung der Fall. Sie bekommen definitiv zu wenig Luft. Diese Form der Fehlatmung ist in den westlichen Industriegesellschaften ungeheuer weit verbreitet. Sie tritt vor allem bei chronischem Stress auf (auf Stress reagieren alle Muskeln mit Anspannung, am meisten aber die Bauchmuskeln). Aber auch das gängige Schönheitsideal des flachen Bauchs kann bewirken, dass sich die Ausatmungsstellung der Muskulatur als chronische Fehlatmung fixiert. Diese Fehlatmungsform schlägt häufig auf die Stimmung und ist nicht selten mit Depression verbunden.


Fixierte Einatmung

Es gibt aber auch Menschen, bei denen hauptsächlich die Einatemmuskulatur verspannt ist. Diese Menschen können vor allem schlecht ausatmen (z.B. viele Asthmatiker). Man erkennt Menschen mit fixierter Einatmung daran, dass der Brustkorb wie aufgebläht wirkt, sich aber gleichzeitig bei der Einatmung nur wenig bewegt. Auch diese Menschen bekommen zu wenig Luft, denn um voll einatmen zu können, muss man vor allem zuerst ausatmen können.

Manchmal ist auch ein Teil der Einatemmuskeln verspannt und ein Teil der Ausatemmuskeln. Immer aber gilt natürlich: Egal ob Ein- oder Ausatemmuskeln verspannt sind, die jeweiligen Antagonisten (Gegenspieler) können sich auch wenig rühren, die gesamte Atmung ist also eingeschränkt. Das kann man selbst probieren: Atmet man forciert aus und hält die Muskeln in dieser Position, ist sowohl Ein- wie Ausatmung nur noch sehr reduziert möglich. Atmet man forciert ein, indem man zum Beispiel den Brustkorb aufbläst und ihn dann so lässt, ist das Atemvolumen wiederum sehr eingeschränkt. Das heißt: auch wenn der Brustkorb ständig in Einatemstellung fixiert ist, also aufgebläht ist, bekommt man zu wenig Luft.


Behandlung der Fehlatmung

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® stellen wir durch Beobachtung und Berührung zunächst fest, unter welcher Art von Fehlatmung der Patient genau leidet, d. h. welche Atemmuskeln bei ihm besonders verspannt sind. Entsprechend dem Ergebnis behandeln wir dann die verschiedenen Fehlatmungsformen. Zuerst pandiculieren wir die betroffenen Atemmuskeln, um sie dann von Triggerpunkten und Bindegewebsverhärtungen zu befreien (siehe Die einzelnen Verfahren). Häufig ist zusätzlich eine Behandlung der Fehlhaltung erforderlich. Ist jemand zum Beispiel ständig vornüber gebeugt, kann er zu wenig in Bauch und Brustkorb atmen. Daher muss zunächst diese Fehlhaltung aufgelöst werden.

Bei der Behandlung aller Atemstörungen ist anschließend ein Körperbewusstseintraining unbedingt erforderlich. Der Patient lernt dabei, bewusst auf seine Atmung zu achten und sich so hinzusetzen, dass er frei durchatmen kann. Auch spezielle Atemübungen können ihm helfen, sofern vorher mit den manuellen Methoden die Atemmuskulatur befreit wurde.

Welche Form der Fehlatmung bei Ihnen speziell vorliegt, kann einer der Therapeuten der Sensomotorischen Körpertherapie feststellen, die auf der Therapeutenliste aufgeführt sind.

Hyperventilation

HyperventilationHyperventilation ist eine der Atemstörungen, die sowohl chronisch wie akut auftreten kann. Die chronische Hyperventilation ist weit verbreitet, wenn sie auch den meisten Betroffenen selbst nicht bewusst ist. Sie ist weniger ausgeprägt als die akute Hyperventilation und verläuft vielfach unbemerkt, d.h. die Betroffenen wissen nicht, dass sie hyperventilieren und dass darauf viele ihrer Beschwerden zurückzuführen sind (z.B. ständige Aufgeregtheit und Erschöpfung).

Bei Hyperventilation im Verhältnis zur ausgeübten muskulären Tätigkeit zu schnell geatmet und dadurch zu viel Kohlensäure abgeatmet. Das ist relativ zu sehen. Wenn jemand sich ungeheuer anstrengt und dabei schnell und viel atmet, ist das natürlich keine Hyperventilation, sondern eine adäquate Anpassung der Atembewegung. Bei echter Hyperventilation entsteht eine Alkalose, d. h. das Blut wird zu alkalisch, wodurch eine Reihe von quälenden und alarmierenden Symptomen entsteht (siehe unten).

Häufig ist Hyperventilation mit Mundatmung verbunden, denn durch den offenen Mund kann man schneller nach Luft schnappen als durch die Nase. Das Signal für eine akute Hyperventilation erfolgt gewöhnlich dadurch, dass die Betroffenen - meist ohne dass ihnen das recht bewusst wird - an bestimmten Stellen eine Einengung der Atembewegung spüren (zum Beispiel durch eine Hochatmung, siehe Atemstörungen). Das gibt ihnen das Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen, was gewöhnlich mit einem Angstgefühl verbunden ist. Diese mehr oder weniger unbewussten Empfindungen veranlassen sie mehr (im Sinne von schneller) zu atmen. Es kann zu regelrechten Hyperventilationsanfällen kommen.

Die Folgen akuter, anfallsweiser Hyperventilation bei den Betroffenen sind mannigfach:

  • sie spüren ein Kribbeln in den Händen, oft auch in den Füßen (das ist oft das erste Symptom, das bemerkt wird)
  • sie haben das Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen, was als sehr bedrohlich erlebt wird (in Wirklichkeit haben sie sich so voll gepumpt mit Luft, dass aus diesem Grunde kaum mehr etwas hinein geht)
  • Die Menschen fühlen sich aufgeregt, unruhig bis hin zu panischer Angst, ja Todesangst.
  • Sie leiden unter Herzklopfen und -rasen, weil das Herz ja den zu viel eingeatmeten Sauerstoff verarbeiten muss.
  • Sie haben im Kopf eine "Mattscheibe", d.h. Im Extremfall erinnern sie plötzlich die einfachsten Dinge nicht mehr: normale Wörter des täglichen Gebrauchs, die eigene Telefonnummer, ja manchmal sogar den eigenen Namen. Sie wirken verwirrt und fühlen sich auch so.
  • Es wird ihnen schwarz vor Augen. Es kann bis zur Ohnmacht kommen
  • Sie fühlen sich schwach und schwindlig, müssen sich hinlegen, weil sie meinen, sich nicht mehr auf den Beinen halten oder sitzen zu können
  • Die Muskeln krampfen, es kann zur "Pfötchenstellung" der Hände kommen (Hyperventilations-Tetanie).

All diese Symptome einer akuten Hyperventilation können sehr dramatische Ausmaße annehmen. Manche Hyperventilations-Patienten werden mit dem Notarztwagen in die nächste Klinik gebracht. Sie leiden extrem und glauben meist, irgendeine furchtbare akute Krankheit zu haben und gleich sterben zu müssen. Leider erkennen auch manche Ärzte, Psychotherapeuten und Heilpraktiker die Symptome einer akuten Hyperventilation nicht sofort, so dass sie nicht gleich die richtigen Gegenmaßnahmen ergreifen können.

Natürlich gibt es auch harmlosere Versionen der Hyperventilation, bei denen die Betroffenen sich zum Beispiel nur kurz schwindlig fühlen, überwach und aufgeregt sind und sich wie getrieben fühlen. Auch ist aber sehr unangenehm und entgeht leicht der Aufmerksamkeit der Untersucher.

Behandlung

So dramatisch das Ganze sein kann, so ist die Lösung doch meist recht einfach: Bei Hyperventilation muss man dafür sorgen, dass der Betreffende weniger Sauerstoff bekommt relativ zu dem, was er tut, d. h. nicht so viel Kohlensäure abatmet. Eine uralte Lösung ist die Tütenmethode: man lässt den Hyperventilierer eine Tüte vor den Mund halten und in die Tüte atmen. Damit atmet er seine verbrauchte Luft, die zu viel abgeatmete Kohlensäure wieder ein. Eine elegantere Lösung ist: langsames Ausatmen mit einer Pause am Ende der Ausatmung, was aber häufig nicht gleich ausgeführt werden kann.

Am allerbesten ist es, mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® diejenigen Muskeln bzw. das Bindegewebe / Faszien auf ihnen zu bearbeiten, durch die die Atmung eingeengt ist, was sonst den Reiz zur Hyperventilation liefert. Das kann auch die Nase betreffen, die häufig einen "verstopften" Eindruck macht, so dass durch den Mund geatmet werden muss (siehe Nasen- und Nebenhöhlenbeschwerden). Anschließend zeigt man den Patienten Übungen zum tiefen, gelassenen Atmen und führt ein Körperbewusstseinstraining mit ihnen durch. Dadurch werden Sie in die Lage versetzt, allmählich die geringsten Anzeichen zu merken, wenn sie wieder in Hyperventilation zu fallen drohen und können gleich gegensteuern. Das ganze Vorgehen hat einen sehr beruhigenden und entängstigenden Effekt.

Die Therapeuten, die auf der Therapeutenliste des Körpertherapie-Zentrums stehen, beherrschen mehrere Verfahren zur Behandlung von Hyperventilation.

Atemstörungen, gestörte Atmung

Anders als bei den verschiedenen Formen der Fehlatmung, die weitgehend unbemerkt ablaufen, merkt man Atemstörungen sehr wohl, denn es sind Missempfindungen bei der Atmung, die sich irgendwann sehr unangenehm bemerkbar machen. Atemstörungen basieren allerdings fast immer auf irgendeiner Art der Fehlatmung. Sie sind auf Einschränkungen der Atembewegung zurück zu führen.

Viele Menschen (sogar manche Ärzte und Heilpraktiker!) denken bei Atemstörungen zunächst an die Lunge. Sie nehmen an, die Atembewegung komme dadurch zustande, dass innen die Lunge sich ausdehnt und zusammen zieht und dass man das an der Bewegung außen sieht. Diese Vorstellung ist aber erwiesenermaßen falsch. Die Lunge wird geatmet. Das heißt, sie wird von den außen befindlichen Muskeln auseinander gezogen und zusammen gedrückt. Da jedoch die "Lungenvorstellung" führend ist, wird bei Atemstörungen meist nur die Lunge untersucht. Findet man an dieser nichts, wird oft diagnostiziert, dass die Beschwerden rein psychisch verursacht sein müssen.

Siehe auch

Natürlich gibt es tatsächlich Atemstörungen, die auf Lungenerkrankungen zurückgehen (zum Beispiel Lungenkrebs, Wasser in den Lungen, Lungenemphysem usw.), aber die Tatsache, dass man häufig keine Lungenerkrankung bei Atemstörungen findet, heißt noch lange nicht, dass kein körperlicher Befund vorliegt. Vielmehr lassen sich Verspannungen in der Atemmuskulatur (meist Bauch- und Brustmuskulatur) bzw. im Bindegewebe / Faszien auf diesen Muskeln finden. Diese sind zwar bisher mit keinem Gerät feststellbar, aber mit geschulter Hand leicht ertastbar. Diese Dauerkontraktionen verhindern die normale Atmung und das normale Atmungsempfinden.

Ein Teil der organischen Lungenerkrankungen wie das Lungenemphysem sind durch solche lang dauernde funktionelle Störung der Atemfunktion entstanden. Sie lassen sich durch Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl® zwar nicht mehr vollständig beseitigen, aber doch noch wesentlich bessern.

Bei allen Atemmissempfindungen werden die Patienten genau befragt, wo sie die Beschwerden wahrnehmen.

Zu beachten ist, dass viele Atemstörungen mit Beeinträchtigungen der Stimmung und des Allgemeinbefindens einhergehen, bzw. dass Angst und Depression immer und allgemeine Schwächegefühle und chronische Müdigkeit oft mit eingeschränkter Atmung verbunden sind. Diese Atemeinschränkung wird meist nicht bemerkt, ist aber auch ohne Geräte leicht feststellbar.

Zu beachten ist ferner, dass auf reflektorischem Wege auch verspannte Gesichtsmuskulatur Atemeinschränkungen bewirken kann. Daher werden bei Atemstörungen oft auch diese Gesichtsmuskeln mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandelt.

Siehe auch unter

Zu den Atemstörungen gehören:

Welche Form der Atemstörung bei Ihnen vorliegt, klären Sie am besten mit einem Therapeuten der Therapeutenliste.

Schmerzen beim Atmen

Schmerzen beim Atmentreten hauptsächlich am Brustkorb auf, und zwar gleich oft vorn, seitlich oder hinten.  Atemschmerzen sind meist auf Verspannungen in Muskeln und Bindegewebe / Faszien zurück zu führen. Hinten schmerzen beim Atmen vor allem die Muskeln Serratus posterior inferior und Serratus posterior superior, aber auch alle anderen verspannten Stellen des Rückens kommen als Schmerzquelle beim Atmen in Betracht. Seitlich und vorn kommen vor allem die Interkostal- (also die Zwischenrippen-) muskeln in Betracht. Auch die schrägen Bauchmuskeln können beim Atmen schmerzen.

Oft gehen die Schmerzen beim Atmen von früheren Verletzungen aus, z.B. von Rippenbrüchen. Das Atmen tut so weh, dass man sich nicht mehr traut, tief durchzuatmen. Sehr schnell schränkt man infolge der Schmerzen die Atmung ein, sodass die Atmung immer flacher und das Atemvolumen immer geringer wird.

Die Stellen der eingeschränkten Atmung kann man von außen sehen. Es sind diejenigen, die sich beim Atmen nicht oder nur eingeschränkt bewegen. Außerdem kann natürlich auch der Patient zeigen, wo es ihm beim Atmen weh tut.

Behandlung der Schmerzen beim Atmen

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® bearbeiten wir bei Atemschmerzen zunächst meist das Bindegewebe / Faszien der Haut und Unterhaut auf den betroffenen Muskeln, was oft schon in einer befreiten, schmerzlosen Atembewegung resultiert, weil sich die Muskeln darunter dann freier bewegen können. Danach befreien wir die schmerzenden Atemmuskeln von Triggerpunkten und andren Verspannungen. Die Bearbeitung der entsprechenden Muskeln reicht oft zur Beseitigung der Schmerzen beim Atmen aus. Manchmal muss man noch die gesamte Körperhaltung und eine Fehlatmung behandeln.

Auf jeden Fall empfiehlt es sich, anschließend ein Körperbewusstseinstraining durchzuführen, damit der Patient nicht gewohnheitsmäßig in sein altes Schema der (vermeintlichen) Schmerzvermeidung durch Atemeinschränkung verfällt.

Die Therapeutenliste zeigt Ihnen, wo in Ihrer Nähe Therapeuten zur Behandlung von Schmerzen beim Atmen zu finden sind.

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Das Buch von Dr. Pohl

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