Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl
Sensomotorische Körpertherapie
nach Dr. Pohl®
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Ursachen von Beschwerden an Schultern, Armen und Händen

Bei den Beschwerden an Schultern, Armen und Händen handelt es sich hauptsächlich um chronische Schmerzen. Die Ursache von Schulterschmerzen, Armschmerzen und Handschmerzen ebenso wie der anderen Beschwerden an Schultern, Armen und Händen liegt in Dauerkontraktionen in Muskulatur und Bindgewebe.

Die chronischen Verspannungen wiederum sind entstanden infolge von

Beschwerden an Schultern, Armen und HändenWie die Beschwerden an anderen Orten können auch Beschwerden an Schultern, Armen und Händen bevorzugt bei aktuellen oder chronischen Belastungen auftreten. Bei den akuten Belastungsbeschwerden kann man jedoch davon ausgehen, dass vorher schon eine Dauerkontraktion bestand, an der unter den Belastungsumständen gezerrt oder noch mehr kontrahiert wurde. Die Belastungen sind also mehr der Anlass als die Ursache, so zum Beispiel wenn Patienten klagen, der Schmerz sei nach ein paar Stunden Gartenarbeit oder nach einem Umzug aufgetreten. Ebenso verhält es sich mit ständig wiederholten Handgriffen, bei denen es schließlich, oft erst nach Jahren zu Schmerzen an Schultern oder Armen kommt. Diese Art der Belastung, die meist beruflicher Natur ist, wird häufig als „repetitive strain“ und die Art der dabei entstandenen Beschwerden als „repetitive strain injury“ bezeichnet. Auch hier ist die Tatsache der ständigen Wiederholung nicht als Ursache sondern als Anlass zu sehen, bei dem ich schließlich die Beschwerden, zum Beispiel Handschmerzen oder Ellbogenschmerzen auftreten. Die Ursache ist hier eher in falscher, das heißt mit Verspannung ausgeführter Bewegung zu sehen.


Verletzungen

Verletzungen in Form von Brüchen entstehen häufig bei Stürzen, da man reflexartig sich mit der Hand abzustützen versucht, um nicht auf den Kopf zu fallen. Auf diese Art passieren die meisten Armbrüche. Durch die Verletzung selbst, die Schonhaltung aber auch durch das Eingipsen entstehen Dauerkontraktionen nicht nur in Muskeln, die das Handgelenk oder den Ellbogen bewegen (meist ist sowohl die Streck- wie die Beugefähigkeit eingeschränkt), sondern auch in den Adduktor-Muskeln des Arms (also derjenigen Muskeln, die den Arm zum Körper hin bringen) sowie in den Innenrotatoren des Arms und den Muskeln der Anteversion (also derjenigen Muskeln, die den Arm nach vorne bringen), die alle zum Schultergelenk gehören. Diese Verspannungen kommen dadurch zustande, dass bei jeder Schutz- und Schonhaltung aber auch beim Eingipsen der Arm an den Körper gedrückt, innenrotiert und nach vorn vor den Körper gebracht wird. Die Dauerkontraktion dieser Muskeln hat zu Folge, dass der Arm anschließend schlecht vom Körper weg oder über den Kopf gehoben, in die Außenrotation oder nach hinten gebracht werden kann. Diese Einschränkungen treten unabhängig von der Art der ursprünglichen Verletzung auf.

Außerdem können nach Verletzungen und Brüchen alle oder ein Teil der Schultergürtelmuskeln verspannt sein, sowie natürlich das Bindegewebe / Faszien an all diesen Stellen. Dadurch kann der Arm dann meist nicht mehr über den Kopf gehoben und die Schulter nicht mehr nach vorn und/oder auf den Rücken gebracht werden. Die Muskeln sind dann für alle diese Bewegungen zu kurz und meistens auch zu schmerzhaft.

Außer Brüchen gibt es an Schultern und Armen an Verletzungen eine Vielzahl von Zerrungen und Prellungen, die Folgeschäden haben können. Wichtig ist, dass tatsächlich auch Zerrungen zu Verspannungen führen. Viele vermuten, dass dabei der Muskel unnötig lang gezogen wird. Das Gegenteil ist der Fall. Dafür folgendes Beispiel: Wir hatten einmal eine Patientin in Behandlung, die ihrem Enkelsohn zuschaute, der auf einem Kinderkarussell fuhr. Sie meinte plötzlich zu sehen, dass ihrem Enkel etwas passiert sei, und klammerte sich an einen Metallstab des Karussells, um es aufzuhalten. Das gelang ihr natürlich nicht, sondern sie flog schließlich in hohem Bogen rückwärts auf den Boden. Da der Körper sich keinen Arm ausreißen lässt, sondern dagegen hält, hatte sie sich bei dem Manöver massive Verspannungen in der gesamten Schultermuskulatur zugezogen.

Wie immer können natürlich auch Operationen zu Dauerkontraktionen in Muskulatur und/oder Bindegewebe / Faszien führen. Dazu zählen zum Beispiel operative Bänderverkürzungen bei Armen, die zum „Auskugeln“ neigen (das Auskugeln selbst führt übrigens auch zu Dauerkontraktionen), Carpaltunnel-, Dupuytren- und Fingeroperationen (siehe weiter unten). Häufig werden Patienten deswegen mehrmals nachoperiert, was die Sache aber nur verschlimmert.


Fehlhaltungen

Alle drei Hauptverspannungsmuster, die sich durch den ganzen Körper ziehen, können den Schultergürtel in irgendeiner Weise feststellen (siehe Fehlhaltungen).

Beim Stoppreflexmuster, also der vorgebeugten Haltung, ist der Schultergürtel beidseitig nach oben und vorn gezogen, erschwert ist vor allem die Bewegung der Arme über den Kopf und nach hinten. Hier finden wir die häufigste Fehlhaltung der Schultern überhaupt, nämlich sie nach vorn und oben gezogen zu halten. Bei vielen passiert dieses Hochziehen bei jeder Art von Tätigkeit mit den Händen. Bevor die Betreffenden auch nur irgendetwas tun, ziehen sie erstmal beide Schulter oder die Schulter der dominanten Arbeitshand hoch. Manchmal ist mit Stoppreflex auch die Neigung verbunden, die Finger und Ellbogen gebeugt und die Arme adduziert zu halten (komplette Zurückhaltung der Intention des Tuns in die Welt hinaus, häufig bei Angst und Depression, siehe Stoppmuster).

Beim Startreflexmuster, also der Hohlkreuzhaltung, sind die Schultern beidseitig vor allem nach hinten, aber auch gleichzeitig nach oben und unten gezogen. Erschwert ist vor allem die Bewegung der Schulter und des ausgestreckten Armes nach vorn oder zur Seite (siehe Startmuster).

Beim Traumareflexmuster, also der Schiefhaltung, ist eine Schulter adduziert (also zum Körper hin gezogen) und oft auch nach oben, unten oder vorn gezogen. Erschwert ist meist die Abduktion und Elevation( also des Hebens zur Seite und über den Kopf) des einen Armes, oft auch die Anteversion und/oder Retroversion (das nach vorn und hinten führen) des Arms und die Streckung des Ellbogens. Außer den Schultermuskeln ist die gesamte Muskulatur auf Seiten der schmerzhaften Schulter verspannt (siehe Traumamuster).

Jede dieser Schulterverspannungen reicht also, um jeweils den gesamten Schultergürtel (zumindest auf einer Seite) lahm zu legen.


Dumme Angewohnheiten

Starr halten von Schulter und Körper
Die allermeisten Beschwerden an Schultern, Arm und Händen rühren daher, dass im Alltag der Schultergürtel, die Wirbelsäule und der übrige Körper bei den Arm-Hand-Bewegungen nicht mitbewegt, sondern unwillkürlich starr gehalten werden. Dadurch werden die großen und damit kräftigsten Muskeln aus der Bewegung ausgeschlossen und in Erstarrung stillgelegt, was die kleineren Muskeln an den Armen und Händen überfordert und Beschwerden in Händen und Armen hervorruft. Die Bewegungen allein aus dem Arm und dem Schultergelenk wirken verhalten, angestrengt, unharmonisch. Man bewegt dabei nur die Armmuskeln, nicht die Schultergürtel und Rumpfmuskeln. Das – meist unbewusste – Körperbild von sich selbst ist dabei einer Zelluloidpuppe vergleichbar: ein starrer Rumpf, an dem oben die Arme angebracht sind. Tatsächlich aber wird der Arm im gesunden Fall von vielen Schultergürtel und Rumpfmuskeln bewegt, die bis zum Kreuzbein hinunter reichen. Sind diese großen Schulter- und Körpermuskeln aber durch Dauerkontraktion stillgelegt, sind sie aus der normalen Alltagsbewegung ausgeschlossen und man stellt dann zum Beispiel hilflose Versuche an, den Arm über 90 Grad zu heben, kommt aber nicht auf die Idee, dabei das Schulterblatt zu bewegen (was die Bewegung aber erst ermöglichen würde).

Da die Störungen an den Fingern, Händen, Unterarmen oder Oberarmen nahezu immer mit festgestellter Schulter und festgehaltenem Oberkörper verbunden sind, untersucht und gegebenenfalls behandelt man in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® bei solchen Beschwerden die Schulterbeweglichkeit und die Fortsetzung der Bewegung in den ganzen Körper immer mit. Bestehen dagegen nur an der Schulter Beschwerden, ist es nicht nötig, Hände und Arme zu behandeln. Häufig sind natürlich auch kombinierte Beschwerden, d.h. es tun zum Beispiel der Ellbogen und die Schulter weh.


Umklammern von Gegenständen

Eine weitere dumme Angewohnheit und damit eine Hauptquelle von Beschwerden vor allem an den Fingern und Unterarmen bis zu den Ellbogen ist die Gewohnheit, immer zu fest zuzudrücken, was oft bereits am allzu markigen Händedruck spürbar wird. Wie wir oben gesehen haben, spannt man automatisch auch die Daumenstrecker und den langen Fingerstrecker sowie alle Handgelenksflexoren und –extensoren, ja sogar die Ellbogenflexoren und -extensoren mit an und fixiert Hand, Handgelenk und Ellbogen in einer bestimmten Position.

Besonders fatal wirkt sich das zu starke Drücken mit den Fingern aus, wenn man gleichzeitig die Angewohnheit hat, die vordersten Fingerglieder gebeugt zu halten und mit diesen zu drücken, denn damit versteift man erst recht das Handgelenk und bringt alle Beuger und Strecker im Unterarm in Dauerkontraktion. Die Beugung der vordersten Fingergelenke brauchen wir bei solchen Aufgaben, wo besonders viel Kraft in den Händen selbst nötig ist. Das betrifft insbesondere solche Aufgaben, bei denen es um Ziehen und Hängen geht. Beim Klettern im Berg kann zum Beispiel das ganze Körpergewicht an den gekrümmten Fingern einer Hand hängen.

Bei den meisten Alltagsbewegungen von Händen und Armen geht es aber nicht um Hängen und Ziehen, sondern um Bewegungen wie Drücken, Halten, Schieben, Schlagen, Schleudern. Hierfür ist wenig Kraft in den Händen selbst, sondern vielmehr in der Arm-, Schulter- und Rumpfmuskulatur erforderlich. So dient die Fingermuskulatur beim Hantieren mit einem schweren Werkzeug, zum Beispiel mit einem Hammer oder ein Beil, nur dazu, das Werkzeug fest zu halten. Dazu brauchen wir aber keinen Extradruck der proximalen Fingerglieder. Die Kraft zum Ausführen der Bewegung kommt hier (anders als beim Bergklettern) nicht aus den Händen, sondern aus dem gesamten Arm, sowie aus den Muskeln des Schultergürtels und aus dem gesamten Körper.

Bei Aufgaben, wo es um Präzision und Geschwindigkeit der Bewegung geht, sollten die Endgelenke und oft auch die Mittelgelenke sich in der Neutral-Nullstellung befinden, also nur ganz leicht gebeugt sein. So sollte das Klavierspiel hauptsächlich aus den Fingergrundgelenken (und aus dem ganzen Körper) heraus erfolgen. Wenn dabei Kraft ausgeübt werden soll, so aus dem ganzen Körper, nicht aus den Endgelenken heraus. Auch beim Spielen von Streichinstrumenten sollten die Endgelenke nicht gebeugt sein. Denn die Kraft, die beim Beugen der Endgelenke entsteht und sich via Kokontraktion aller Armmuskeln in den ganzen Arm fortsetzt, ist bei diesem Einsatz kontraproduktiv, das heißt sie setzt sich nicht in Bewegung um, sondern führt allenfalls zum Quetschen des Bogens. Das gilt sinngemäß auch für das Schreiben oder das Umfassen und Bewegen der Computermaus. Es gibt heutzutage viele Menschen mit einem so genannten „Maus-Arm“, der sich daraus erklärt, dass sie die Computermaus fest umklammert halten und sie dann nur aus dem Handgelenk bewegen, oder aber aus dem Schultergelenk, nicht aber aus dem Schultergürtel oder dem ganzen Körper.

Erlernt haben wir die selbstzerstörerische Grifftechnik gewöhnlich bereits in der Kindheit durch die Aufforderung: „streng dich an!“ und wir wenden sie insbesondere dann an, wenn uns etwas schwierig zu tun erscheint. Bei den Kindern fängt es häufig schon beim Schreiben lernen an. Der Stift wird fest gedrückt und das ganze Kind erstarrt. Tatsächlich wird es durch diese Art des Tuns das Schreiben und jedwede andere Tätigkeit dann auch schwierig und anstrengend. Wie ich hörte, wird an deutschen Schulen das Beugen der Endgelenke beim Schreiben den Kindern sogar ausdrücklich beigebracht.


Verwechseln von Kraft und Anstrengung

Die meisten Menschen verwechseln bei der starken Anspannung der langen Fingerbeuger und -strecker Kraft und Anstrengung. Da sie mit dem festen Griff und Druck besonders viel Anspannung in den Armen spüren, meinen sie, besonders viel Kraft auszuüben. In Wirklichkeit verpufft die angewandte Anstrengung, da sie sich nicht in Bewegung umsetzen kann. Klassisches Beispiel dafür ist das Bügeln: viele Menschen führen diese Tätigkeit so aus, dass sie den Griff des Bügeleisens umklammern und mit den vordersten Fingergliedern darauf drücken und dann mit starrem Handgelenk und Ellbogen Druck auf das Bügeleisen ausüben und den Arm nur im Schultergelenk bewegen. Das resultiert in gewaltiger Anstrengung aber wenig Kraft. Mit dem gleichen Verfahren werden viele andere Alltagsgriffe ausgeführt. Bei manchen Menschen ist die Anspannung so stark, dass sie Gläser beim Halten in der Hand zerbrechen. Unser westlicher Leistungsdruck manifestiert sich viel in der Art, wie wir Werkzeuge und Gerätschaften bedienen. Feldenkrais hat einmal gesagt: Alles, was der Mensch gut kann, kann er leicht. Das meiste, was der Mensch kann, kann er mit den Händen. Setzt man zu viel und falsch Kraft ein, hindert man in Wirklichkeit sein Tun, auch und gerade, wenn man sich noch so sehr anstrengt.


Abduzierte Arme

Eine weitere üble Angewohnheit, die hauptsächlich zu Armbeschwerden führt, besteht darin, dass man beim Greifen und Hantieren mit den Händen die Bewegung nicht körpernah ausführt, sondern zuerst immer die Arme abduziert, d.h. seitlich vom Körper wegführt und sie beim Ausführen der Tätigkeit abduziert hält. Auch diese Bewegung und Haltung führt zu einem Feststellen von Schultergürtel und Körper und geschieht gewöhnlich unbewusst. Sie macht Beschwerden hauptsächlich an den Oberseiten der Oberarme und auf den Schultern oben, also da, wo die Muskeln sitzen, die man beim Abduzierthalten in Dauerkontraktion bringt.


Körperfernes Heben und Tragen

Auch wiederholtes körperfernes Heben und Tragen, bei dem die Arme zwar adduziert aber nach vorn ausgestreckt sind, führt wegen der ungünstigen Hebelverhältnisse (der Lastarm wird zu lang) zu Überlastungen in den Arm- und Schultermuskeln, die beim Tragen in dieser Position festgestellt werden.
Daher hebt man schwere Lasten am besten so nah am Körper wie nur irgend möglich (was auch für die Bauch- und Rückenmuskeln leichter ist) und trägt sie mit an den Körper gelegten (adduzierten) Oberarmen und hält sie vorn an den Körper gedrückt. Die Oberarme gehen dabei – je nach Art der Last – auch in Retroversion. Beim Heben atmet man am besten aus.

Bedingt durch die vielen Bewegungsmöglichkeiten von Schultern, Armen und Händen, gibt es natürlich noch viele weitere Störmöglichkeiten. Das heißt wir finden viele Bewegungseinschränkungen, die als sehr störend erlebt werden, selbst wenn sie nicht wehtun, da sie ein Handicap für viele Tätigkeiten darstellen. Das steif gehaltene Becken fällt dem Betreffenden viel weniger auf als eine steife Schulter, ein steifer Zeh weniger als ein steifer Daumen.

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandeln wir Schulter-, Arm- und Handbeschwerden je nach ihrem Zusammenhang. Dabei kann ein Umlernen von Haltungen und Angewohnheiten notwendig werden, das durch ein Körperbewusstseinstraining eingeleitet wird.

Näheres zu Schulter-, Arm- und Handbeschwerden siehe

Auf der Therapeutenliste finden Sie professionelle Therapeuten, die mit ihnen zusammen die individuellen Ursachen Ihrer Beschwerden an Schultern, Armen und Händen herausfinden.

Schulterschmerzen und Schulterbeschwerden

Schmerzen oben auf der Schulter

Schmerzen oben auf der SchulterSchmerzen oben auf der Schulter sind die am weitesten verbreiteten Schulterschmerzen. Fast jeder kennt sie.

Schmerz auf der Schulter oben und andere Schulterbeschwerden kommen aus Verspannungen in Muskeln und Bindegewebe, die man von außen tasten kann. Bestimmte Muskeln sind bei Schmerzen auf der Schulter oben in Dauerkontraktion, sie halten die Schultern hochgezogen. Das kann man sehen und spüren.

Wie es sich anfühlt

Häufig sind Schulterschmerzen oben auf der Schulter mit anderen Schulterbeschwerden verbunden, am häufigsten mit einem Spannungsgefühl oder auch mit einem Gefühl einer schweren Last auf den Schultern. Das kommt daher, dass man bei hochgezogenen Schultern das Gewicht der Schultern immer gegen die Schwerkraft halten muss. Lastet tatsächlich auch nur ein geringes Gewicht auf den Schultern (der Wintermantel) spüren die Betroffenen das oft als sehr unangenehm, schwer und drückend. Das ist die für Verspannungen in Muskeln und Bindegewebe / Faszien typische Überempfindlichkeit auf Druck. Häufig besteht auch eine Überempfindlichkeit auf Kälte: d.h. ein geringer Luftzug (z.B. im offenen Auto) reicht, um den Schulterschmerz zu verstärken.

Was schmerzt, sind die verspannten oberen Trapezmuskeln (siehe Abbildung oben) und die Schulterblattheber, bzw. das Bindegewebe / Faszien auf diesen Schultermuskeln. Beide halten, wenn sie verspannt sind, die Schultern hochgezogen Richtung Ohren. Der Hauptquälgeist ist der obere Trapez-Muskel, der auf beiden Seiten zu finden ist.

Empfindet man ein Brennen oder einen brennenden Schmerz auf den Schultern, ist vor allem das Bindegewebe / Faszien auf den Schultern oben verspannt (die Fibroblasten darin sind zusammengezogen).

Was man von außen sehen kann

normale Schultern hochgezogene SchulternAuf den Fotos sieht man links normale Schultern und rechts hochgezogene Schultern.

Hochgezogene Schultern bilden zu Hals und Arm hin rechte Winkel, d.h. sie fallen nicht nach außen ab, sondern verlaufen nahezu waagrecht. Der Abstand zwischen Schultern und Ohren ist sehr klein, der Hals wirkt wie verkürzt. Die Schultern selbst wirken schmal und eng. Normalerweise hängen Schultern einfach entspannt, was ihnen eine schräge Kontur verleiht.

Wenn man genauer hinschaut, kann man sehen, dass hochgezogene Schultern immer unbeweglich sind, d.h. sie bewegen sich im Alltag nicht mit. Das wird vor allem bei den Tätigkeiten der Hand - z.B. beim Greifen - sichtbar. Man bewegt nur noch aus den Armen. Die Armbewegung kommt nicht mehr aus dem ganzen Körper. Auch beim Gehen bleiben hochgezogene Schultern unbewegt. Man kann die Schultern insgesamt nicht mehr entspannt hängen lassen.

Von all dem hat man selbst gewöhnlich keine Ahnung. Man kann die Spannungen und Unbeweglichkeiten nicht mehr richtig wahrnehmen. Und man merkt auch nicht, dass man bei vielen Gelegenheiten die Schultern noch höher zieht.

Was man von außen spüren kann

Wenn man oben auf die Schulter drückt und sie abtastet, spürt man lauter Verhärtungen. Meist ist ganze Schulter oben hart, an bestimmten Stellen fühlt man mehr oder weniger große Knubbel, die besonders hart sind. Das sind Myogelosen oder Triggerpunkte. Drückt man stärker auf sie, schmerzen sie intensiv. Das heißt, hier ist die Überempfindlichkeit auf Druck besonders ausgeprägt - normalerweise wäre ein solcher Druck nicht schmerzhaft. Ist das Bindegewebe der Haut und Unterhaut betroffen, lässt sich die Haut auf der Schulter oben nicht oder kaum abheben. Was man schließlich als greifen kann, ist ein dicker Wulst mit der Konsistenz von Hartgummi.

Was sonst noch wehtut

Meist schmerzt die ganze Verbindung von Schulter und Nacken. Es gibt einen Schulter-Nackenschmerz. Das liegt nicht nur an der räumlichen Nähe von Nacken und Schultern, sondern kommt auch daher, dass wir alle bei Stress, Angst, Bedrohung die Schultern hoch und den Kopf in den Nacken ziehen. Das ist eine biologisch vorgegebene Schutzreaktion, die wahrscheinlich dem Genick gilt. Dazu finden Sie Näheres auch unter Nackenschmerzen.
Steht man ständig unter Druck, verfestigt sich diese Reaktion als Dauerkontraktion in Muskeln und Bindegewebe/Faszien. Mit der Zeit entsteht an diesen Stellen ein Schmerz. Häufig kommt es dann infolge der Schulter-Nackenverspannungen auch zu Kopfschmerzen.

Woher die Schulterschmerzen kommen

Die verschiedenen Ursachen von Schmerzen auf der Schulter oben finden Sie unter Ursachen von Schulterschmerzen beschrieben.

Ursachen von Schulterschmerzen

hochgezogene Schultern

Schmerzen auf der Schulter oben kommen fast immer von gewohnheitsmäßig hochgezogenen Schultern. Verletzungen an der Schulter oben sind ausgesprochen selten und schalten als Ursache praktisch aus.

Woher die hochgezogenen Schultern kommen

Schmerzen oben auf der SchulterVor allem die oberen Trapezmuskeln sind starke Stressindikatoren, d. h. bei jeder Art von Stress, Belastung oder ängstlicher Erwartung zieht man unwillkürlich die Schultern hoch, bzw. noch höher als sie gewohnheitsmäßig schon sind. Die oberen Trapezmuskeln sind die am stärksten stressanfälligen Muskeln überhaupt. Oft braucht man nur an etwas Unangenehmes zu denken (z.B. ans Finanzamt), um dabei unwillkürlich die Schultern hochzuziehen. Bei manchen reicht schon hohe Konzentration oder heftiges Nachdenken als Anlass, um die Schultern noch höher zu ziehen.

Auch bei Angst oder Depression zieht man unwillkürlich die Schultern hoch. Der Kopf geht nach vorn und in den Nacken. Gleichzeitig zieht sich der Bauch fest und man hält die Luft an. Dabei zieht man die Schultern nicht nur nach oben, sondern auch nach vorn.

Tut man das ständig oder oft genug, entsteht eine bleibende Fehlhaltung. Sichtbar wird sie oft an einer vorne zusammen gezogenen, vorgebeugten Haltung. Näheres dazu finden Sie unter Stoppmuster, sowie unter Angst und Depression.

Äußere Faktoren

Auch Arbeitsplatzsituationen können Schuld an schmerzhaften hochgezogenen Schultern sein - vor allem , wenn die Arbeitsplatte für den Betreffenden zu hoch ist. Dann muss man mit hochgezogenen Schultern arbeiten und wird auch bald auch in seiner Freizeit seine Schultern ständig hochgezogen halten. Kleine Menschen sind hier besonders gefährdet, vor allem wenn Möbel, die von ungleich großen Personen benutzt werden, nicht verstellbar sind. In der Schule wird oft schon der Grundstein für diese Art von Schulterschmerzen gelegt.

Dumme Angewohnheiten

Schulter der dominanten HandManche haben nur die Schulter der dominanten Hand hochgezogen (das ist bei Rechtshändern die rechte, bei Linkshändern die linke). Bevor sie irgendetwas mit der Hand tun, ziehen sie erst einmal die Schulter hoch. Häufig haben Musiker, vor allem Streicher, diese Angewohnheit. So gibt es Cellisten, die ungewollt und unbemerkt immer die rechte Schulter hochziehen, sobald sie nach dem Bogen greifen. Während ihres ganzen Spiels bleibt ihre linke Schulter oben. Aber auch Schreibtischarbeit wird oft mit hochgezogener rechter Schulter ausgeführt. Sobald man die Maus auch nur anfasst, ist die Schulter schon oben.

Schulter der haltenden HandDie linke Hand benutzen Rechtshänder meist zum Halten (von Telefonhörer, Geige, Werkstück, Kartoffel) und die rechte zum Bearbeiten.

Nicht wenige Menschen ziehen die Schulter der haltenden Hand hoch und halten sie dort während der ganzen Tätigkeit, z.B. bei stundenlangem Telefonieren. Oft wird gleichzeitig der Kopf zur Schulter geneigt, manchmal auch der ganze Körper schief gezogen. Die Schulter wird davon steif und bleibt irgendwann oben hängen, sie lässt sich nicht mehr ganz absenken und entspannen. Dann beginnt sie zu schmerzen, was wiederum Arm- und Handbeschwerden nach sich ziehen kann.

Wie die Gewohnheit sich ausbreitet

Hat sich die Gewohnheit des Schulternhochgezogen-Haltens erstmal etabliert (wodurch auch immer), breitet sie sich bald auf alle Tätigkeiten in Beruf und Freizeit aus. Es gibt dann praktisch nichts mehr, was man nicht mit hochgezogenen Schultern tut - ohne es zu merken. Irgendwann nur merkt man erst ein Spannungsgefühl, etwas wie eine Last auf der Schulter, dann schließlich einen Schmerz, der erst bald wieder vergeht, dann chronisch wird. Manche stellen irgendwann fest, dass sie sogar im Schlaf die Schultern hochgezogen halten.

Dann wird es höchste Zeit etwas zu tun!

Leider kann man sich die Gewohnheit des Schulterhochziehens nicht einfach abgewöhnen. Das ist keine Sache des Willens, die Gewohnheiten sind zu "eingefleischt". Muskeln und Bindegewebe / Faszien sind so verändert, dass man sie mit dem Willen nicht mehr erreichen kann.

Was Sie selbst tun können, erfahren Sie unter Selbsthilfe bei Schulterschmerzen.
Wie Ihnen professionell geholfen werden kann, finden Sie unter Wie die sensomotorische Körpertherapie hilft beschrieben.

Was bei Schulterschmerzen nicht oder nur kurzfristig hilft

Was nicht hilft - was aber jeder probiert

Die Gewohnheit, die Schultern hochgezogen zu halten, ist in tiefen, unwillkürlich Hirnteilen fest verankert. Entgegen allem Alltagsverständnis hilft es daher überhaupt nicht, zu selbsterzieherischen Maßnahmen zu greifen und die Schultern willkürlich ständig nach unten zu ziehen. Das entspannt die unwillkürlich verspannten Muskeln oben auf der Schulter überhaupt nicht. Man setzt der Dauerspannung in den oberen Schultermuskeln nur eine neue entgegen, nämlich diejenige der Muskeln, die die Schultern nach unten ziehen. Dann ist man nach einer Weile doppelt verspannt, die Schultern sind noch unbeweglicher und werden bald noch mehr weh tun.

Der Körper lässt sich nicht erziehen!

Besser ist es, das Konzept der Selbsterziehung über Bord zu werden und sich neurobiologisch fundierten Übungen und Selbstbehandlungen zu zuwenden. Das Prinzip dabei ist immer: nicht mehr oder weniger gewaltsam gegen die unwillkürliche Verspannung anzugehen, sondern sie willkürlich zunächst noch zu verstärken, um dann langsam, gezielt, allmählich aus der Spannung heraus zugehen, bis der Muskel sich entspannter anfühlt. Eine kleine Auswahl solcher Übungen und Selbstbehandlungen finden Sie unter Übungen und Selbstbehandlungen bei Schulterschmerzen.

Was ein bisschen hilft

Die wohltuende Wirkung einfacher Massagen der schmerzenden Schulterregion hat wohl jeder schon erfahren. Man kann sie sich auch als Partnermassage gegenseitig angedeihen lassen. Leider ist die erlösende Wirkung fast nie anhaltend. Die Schultern schmerzen bald wieder genauso wie vorher. Gründe für die kurze Halbwertszeit von Massagen sind

  • Körper und Gehirn sind nicht aktiv beteiligt - kein aktives Lernen.
  • Es gibt kein Mittel der Umsetzung in den eigenen Alltag: Sie wissen nicht, as Sie tun sollen, damit die Schulterschmerzen nicht wieder auftreten.
  • Bei jeder Stressbelastung ziehen Sie im Alltag die Schultern wieder genauso hoch
  • Sie ändern weder Ihre "dummen Angewohnheiten" und noch einen der äußeren Faktoren, die zu den Schmerzen auf der Schulter oben geführt haben.

Der Schmerz ist bald wieder da!

Wenn Sie sich aktiv und nachhaltig von Ihren Schulterschmerzen befreien wollen, schauen Sie unter Übungen und Selbstbehandlungen bei Schulterschmerzen bzw. unter Wie die Sensomotorische Körpertherapie bei Schulterschmerzen hilft.

Übungen und Selbstbehandlungen bei Schulterschmerzen

Was bei Schmerzen oben auf der Schulter langfristig hilft

Hier finden Sie ein paar neurobiologisch fundierte Übungen, Selbstbehandlungen und Körperbewusstseinstrainings. Im Prinzip geht es immer darum, die unwillkürliche Spannung zunächst bewusst zu verstärken und dann bewusst und sehr allmählich wieder aus der Spannung heraus zu gehen. Führen Sie die folgenden Übungen mit Hilfe der Videos zunächst nur auf einer Seite aus, damit Sie anschließend die Wirkung vergleichen können.

Übungen für die Schultern

Die Schultern bewegen

Setzen Sie sich bequem auf eine Stuhl, die Arme hängen an der Seite.
Beginnen Sie mit einer Schulter, am besten mit der, die stärker schmerzt.

Ziehen Sie Ihre Schulter langsam und ohne Anstrengung nach oben Richtung Ohr und bringen Sie sie ebenso langsam wieder zurück. Spüren Sie dabei Ihre Muskeln oben auf der Schulter. Wiederholen Sie das ein paar Mal.

Ziehen Sie Ihre Schulter ganz langsam und ohne Anstrengung nach unten Richtung Hüfte und bringen Sie sie ebenso langsam wieder zurück etc. Spüren Sie dabei Ihre Muskeln seitlich unter der Achsel. Wiederholen Sie das ein paar Mal.

Ziehen Sie Ihre Schulter abwechselnd ganz langsam und ohne Anstrengung in einer fließenden, durchgehenden Bewegung nach oben und unten Wiederholen Sie das ein paar Mal. Spüren Sie, wie Ihr Brustkorb sich dabei allmählich mitbewegt: immer wenn Sie die Schulter hochziehen, gehen die Rippen auf dieser Seite etwas auseinander. Wenn Sie die Schulter nach unten bewegen, gehen die Rippen auf dieser Seite zusammen.

Sitzen Sie wieder ruhig da und spüren Sie den Unterschied: Welche Schulter hängt tiefer? Welche ist breiter, wärmer, fühlt sich entspannter an? Führen Sie die gleiche Übung auf der anderen Seite durch.


Übung zur Auflösung des Stoppmusters

Legen Sie sich auf den Rücken, halten Sie die Hände verschränkt hinter dem Kopf, und stellen Sie die Beine auf. Heben Sie mit der Ausatmung Kopf und Oberkörper an und spüren Sie dabei die Anspannung in Ihrem geraden Bauchmuskel. Nähern Sie beim Hochgehen auch Ihre Ellbogen einander an und spüren Sie dabei Ihre Brustmuskeln. Senken Sie dann ganz langsam Kopf und Oberkörper wieder und legen Sie auch die Ellbogen ab (so weit, wie es Ihnen leicht möglich ist). Atmen Sie dabei normal weiter.

Führen Sie diese Übung ein paarmal durch. Anschließend können Sie wahrscheinlich spüren, dass Sie leichter in den Bauch atmen und dass Ihre Schultern, Ihr Nacken und Ihr Kopf jetzt besser aufliegen und sich entspannter anfühlen.


Selbstbehandlung der oberen Schultermuskeln

Selbstpandiculation oberer Trapezius und Schulterblattheber
Für die rechte Seite: Führen Sie im Stehen die Arme auf den Rücken. Die linke Hand umfasst das rechte Handgelenk und zieht es nach unten, die rechte Schulter zieht nach oben. Reduzieren Sie den Zug langsam und stufenweise. Wiederholen Sie das ein paarmal.

Sehen Sie danach in den Spiegel: Welche Schulter ist tiefer? Welche Hand ist tiefer, wenn die Arme neben dem Körper hängen? Wie fühlt sich die rechte Schulter an? Wie im Vergleich dazu die linke? Behandeln Sie die linke Seite genauso.

Selbstbehandlung oberer Trapezius und Schulterblattheber

Setzen Sie sich auf einem Stuhl und lassen Sie den rechten Arm hängen. Mit der linken Hand greifen Sie den Wulst, den Sie oben auf der rechten Schulter spüren. Nehmen Sie ihn in den Zangengriff zwischen Daumen und Ring- und Mittelfinger. Bewegen Sie die rechte Schulter nach oben und langsam wieder nach unten. Wechseln Sie die Griffstelle am Trapezius öfter. Besonders lohnend sind solche Stellen, wo dieser Griff weh tut. Nach einigen Auf- und Abbewegungen verliert sich dieser Schmerz.

Sehen Sie danach wieder in den Spiegel: Welche Schulter ist tiefer? Welche Hand ist tiefer, wenn die Arme neben dem Körper hängen? Wie fühlt sich die rechte Schulter an? Wie im Vergleich dazu die unbehandelte linke?
Behandeln Sie die linke Schulter genauso.


Körperbewusstseinstraining

Erst, wenn Sie diese Übungen und Selbstbehandlungen eine Weile durchgeführt haben, wenn Sie Ihre Schultern also schon wieder bewegen können, können Sie daran gehen, die eigenen Alltagsgewohnheiten zu ändern. Wann immer Sie sich dabei ertappen, dass sie gerade wieder die Schultern hoch ziehen, ziehen Sie sie willkürlich noch höher und lassen Sie sie dann ganz sacht und langsam wieder herunter (aber nur in die Ausgangsposition, nicht herunterziehen, nicht zerren, keine unnötige Kraft aufwenden!).


Was man noch tun kann

Die Erste Hilfe-Maßnahmen zur Selbsthilfe bei Schulterschmerzen sind leider nicht ausreichend

  • in schweren Fällen
  • bei langer Chronifizierung
  • bei vielfältiger Begleitsymptomatik (es schmerzt noch viel mehr als nur die Schulter).

In diesen Fällen suchen Sie am besten die Praxis eines Therapeuten der sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® auf und lassen sich von ihm/ihr individuell behandeln. Was Sie da erwartet, finden Sie beschrieben unter: Wie die Sensomotorische Körpertherapie bei Schulterschmerzen hilft.

Oder Sie gehen gleich zur Therapeutenliste.

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Das Buch von Dr. Pohl

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