Schmerzen auf der Schulter oben kommen fast immer von gewohnheitsmäßig hochgezogenen Schultern. Verletzungen an der Schulter oben sind ausgesprochen selten und schalten als Ursache praktisch aus.

Woher die hochgezogenen Schultern kommen

Vor allem die oberen Trapezmuskeln sind starke Stressindikatoren, d. h. bei jeder Art von Stress, Belastung oder ängstlicher Erwartung zieht man unwillkürlich die Schultern hoch, bzw. noch höher als sie gewohnheitsmäßig schon sind. Die oberen Trapezmuskeln sind die am stärksten stressanfälligen Muskeln überhaupt. Oft braucht man nur an etwas Unangenehmes zu denken (z.B. ans Finanzamt), um dabei unwillkürlich die Schultern hochzuziehen. Bei manchen reicht schon hohe Konzentration oder heftiges Nachdenken als Anlass, um die Schultern noch höher zu ziehen.

Auch bei Angst oder Depression zieht man unwillkürlich die Schultern hoch. Der Kopf geht nach vorn und in den Nacken. Gleichzeitig zieht sich der Bauch fest und man hält die Luft an. Dabei zieht man die Schultern nicht nur nach oben, sondern auch nach vorn.

Tut man das ständig oder oft genug, entsteht eine bleibende Fehlhaltung. Sichtbar wird sie oft an einer vorne zusammen gezogenen, vorgebeugten Haltung. Näheres dazu finden Sie unter Stoppmuster, sowie unter Angst und Depression.

Äußere Faktoren

Auch Arbeitsplatzsituationen können Schuld an schmerzhaften hochgezogenen Schultern sein - vor allem , wenn die Arbeitsplatte für den Betreffenden zu hoch ist. Dann muss man mit hochgezogenen Schultern arbeiten und wird auch bald auch in seiner Freizeit seine Schultern ständig hochgezogen halten. Kleine Menschen sind hier besonders gefährdet, vor allem wenn Möbel, die von ungleich großen Personen benutzt werden, nicht verstellbar sind. In der Schule wird oft schon der Grundstein für diese Art von Schulterschmerzen gelegt.

Dumme Angewohnheiten

Manche haben nur die Schulter der dominanten Hand hochgezogen (das ist bei Rechtshändern die rechte, bei Linkshändern die linke). Bevor sie irgendetwas mit der Hand tun, ziehen sie erst einmal die Schulter hoch. Häufig haben Musiker, vor allem Streicher, diese Angewohnheit. So gibt es Cellisten, die ungewollt und unbemerkt immer die rechte Schulter hochziehen, sobald sie nach dem Bogen greifen. Während ihres ganzen Spiels bleibt ihre linke Schulter oben. Aber auch Schreibtischarbeit wird oft mit hochgezogener rechter Schulter ausgeführt. Sobald man die Maus auch nur anfasst, ist die Schulter schon oben.

Die linke Hand benutzen Rechtshänder meist zum Halten (von Telefonhörer, Geige, Werkstück, Kartoffel) und die rechte zum Bearbeiten.

Nicht wenige Menschen ziehen die Schulter der haltenden Hand hoch und halten sie dort während der ganzen Tätigkeit, z.B. bei stundenlangem Telefonieren. Oft wird gleichzeitig der Kopf zur Schulter geneigt, manchmal auch der ganze Körper schief gezogen. Die Schulter wird davon steif und bleibt irgendwann oben hängen, sie lässt sich nicht mehr ganz absenken und entspannen. Dann beginnt sie zu schmerzen, was wiederum Arm- und Handbeschwerden nach sich ziehen kann.

Wie die Gewohnheit sich ausbreitet

Hat sich die Gewohnheit des Schulternhochgezogen-Haltens erstmal etabliert (wodurch auch immer), breitet sie sich bald auf alle Tätigkeiten in Beruf und Freizeit aus. Es gibt dann praktisch nichts mehr, was man nicht mit hochgezogenen Schultern tut - ohne es zu merken. Irgendwann nur merkt man erst ein Spannungsgefühl, etwas wie eine Last auf der Schulter, dann schließlich einen Schmerz, der erst bald wieder vergeht, dann chronisch wird. Manche stellen irgendwann fest, dass sie sogar im Schlaf die Schultern hochgezogen halten.

Dann wird es höchste Zeit etwas zu tun!

Leider kann man sich die Gewohnheit des Schulterhochziehens nicht einfach abgewöhnen. Das ist keine Sache des Willens, die Gewohnheiten sind zu "eingefleischt". Muskeln und Bindegewebe / Faszien sind so verändert, dass man sie mit dem Willen nicht mehr erreichen kann.

Was Sie selbst tun können, erfahren Sie unter Selbsthilfe bei Schulterschmerzen.
Wie Ihnen professionell geholfen werden kann, finden Sie unter Wie die sensomotorische Körpertherapie hilft beschrieben.