Bei Schwächegefühlen und tatsächlicher Schwäche im Arm kann man mit diesem Arm keine normalen Alltagsbewegungen durchführen und schon gar nicht schwer heben. Der Arm rutscht beim Versuch weg, er lässt aus.

Schwache Muskeln sind nicht die Ursache

Entgegen allen üblichen Annahmen kommen Schwäche, Schwächegefühl und Kraftlosigkeit eines Arms nicht von zu schwachen Muskeln, und schon gar nicht von zu schwachen Armmuskeln. Ein Krafttraining für die Armmuskulatur hilft daher überhaupt nicht. Die Kraftlosigkeit eines Arms kommt vielmehr von Dauerkontraktionen in Muskeln und Bindegewebe/Faszien.

Anmerkung: Einen zentnerschweren Zementsack zu heben, zählt nicht als Alltagsbewegung. Kann man ihn nicht heben, rutscht der Arm beim Versuch nicht weg. Ohne Training kann man den Sack einfach nicht heben, so sehr man sich auch anstrengt. Training hilft.

Dauerkontraktionen sind die wahre Ursache!

Bei pathologischer Armschwäche können

  • die Armmuskeln selbst verspannt und damit schwach sein.
  • Häufiger noch sind bei schwachen Armen die Schulter- und Körpermuskeln verspannt

Die Verspannungen kann man von außen erspüren: verspannte Muskeln fühlen sich auch im Ruhezustand hart an (ein gesunder Muskel fühlt sich nur dann hart an, wenn er stark arbeitet). Dauernd harte Muskeln sind schwach!! Bei verspanntem Bindegewebe / Faszien ist die Haut fest und lässt sich kaum von Untergrund abheben.

Anmerkung: ein ständig harter Muskel ist nicht etwa stark, sondern verspannt. Auch wenn er noch so trainiert und dick ist, hat er im verspannten Zustand wenig Kraft. Ein starker Muskel darf nur, wenn er arbeitet hart sein. Im Ruhezustand muss er elastisch-weich sein.
  • Noch häufiger ist das Bindegewebe / Faszien auf den Muskeln auf ihnen verspannt, so dass die Muskeln gar nicht mehr eingesetzt werden können.
Das Bindegewebe / Faszien der Haut und Unterhaut enthält ein Geflecht vieler winziger Fasern, den Fibroblasten, die sich als Geflecht flächig zusammen ziehen können. Das wirkt auf die Muskeln darunter wie eine zu enge Verpackung (wie bei einer Vakuum-Verpackung): sie werden fest und können sich nicht mehr bewegen.

Plötzliche Kraftlosigkeit: Wegsacken des Arms

Eine Kraftlosigkeit des Arms kann im Alltag plötzlich eintreten, dann macht sie sich als Wegsacken des Arms im Ellbogengelenk bemerkbar, oder es besteht eine chronische Kraftlosigkeit.

Beim Wegsacken des Arms handelt es sich meist um eine Bindegewebsverspannung auf den Ellbogenbeuge-Muskeln. Diese Muskeln befinden sich vor allem vorn im Oberarm, der bekannteste ist der Bizeps (brachii). Heben wir etwas Schweres an und führen es hoch, bzw. zum Körper, spannen sich diese Beuge-Muskeln des Arms an. Ist das Bindegewebe / Faszien der haut und Unterhaut auf den Beugemuskeln zu fest, können sie sich nicht mehr bewegen, sich nicht stärker zusammen ziehen oder die Kraft nicht halten.

Fallbeispiel: es suchte uns ein Koch auf, dem beim Heben schwerer Töpfe der rechte Arm ausließ. Es handelte sich um einen großen, kräftigen jungen Mann, von Muskelschwäche keine Spur. Ich konnte aber das Symptom erzeugen, wenn ich mich vor der Behandlung an seinen gebeugten Arm hing. Er konnte die Spannung im Arm nicht halten, der Unterarm gab meinem Zug nach und sackte nach unten. Und das, obwohl er ein halbes Jahr lang intensiv Krafttraining betrieben hatte. Nach der Bindegewebs- / Faszienbehandlung der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® konnte ich am Ende der Stunde den Test wiederholen und der Arm hielt. Anschließend lernte der Patient, seine Arbeit mit dem ganzen Körper zu verrichten.

Dauernde Schwäche, Kraftlosigkeit des Arms

Eine generelle Schwäche des Arms äußert sich oft auch in Zittern und Wackeln bei Armbewegungen. Diese Schwäche kommt gewöhnlich - wie beim Wegsacken des Arms - aus dem verspannten Bindegewebe / Faszien auf den Armmuskeln und ist schwerpunktmäßig zuerst hier zu behandeln. Siehe oben.

Eine dauernde Kraftlosigkeit des Arms kann aber auch auf falschen Krafteinsatz zurück zu führen sein

Falscher Krafteinsatz

Zeigt sich die Schwäche des Arms darin, dass man einfach nicht mit zuwege bringt mit dem Arm, handelt es sich meistens um einen falschen Krafteinsatz. Auch hier hilft Auftrainieren der Armmuskeln nicht, man muss statt dessen lernen, die Muskeln wieder richtig einzusetzen. Hier zwei Beispiele:

Beispiel 1: Heben mit gebeugtem Handgelenk
Wenn man einen schweren Krug oder etwas Ähnliches heben will und dabei das Handgelenk gebeugt hält (der Winkel zwischen Handinnenfläche und Unterarm verkleinert sich), entsteht aus anatomischen Gründen eine so genannte Insuffizienz der Flexoren und der Henkel des Kruges gleitet aus der Hand. Die Kraft, um mit der Hand den Krug (oder was auch immer) zu halten, erhält man nur bei gestreckten Handgelenk (der Winkel zwischen Handrücken und Unterarm verkleinert sich).
(bitte selbst ausprobieren).

Beispiel 2: Marmeladenglas öffnen
Viele ältere Menschen meinen, sie haben nicht mehr genug Kraft in den Armen, um zum Beispiel ein Marmeladenglas o. ä. zu öffnen. Meist liegt es nur an ihrer falschen Technik: Wenn man nur die Finger und das Handgelenk bewegt, um den Deckel des Glases zu drehen, hat man wenig Kraft. Schlimmer wird es noch, wenn man dabei die Schulter hochgezogen und das Handgelenk gebeugt hält.

Viele mehr Kraft hat man, wenn man die Handmuskeln nur zum Halten von Glas bzw. Deckel einsetzt (und wieder nicht bei gebeugten Handgelenken), zum Drehen aber die Schultermuskeln und den ganzen Körper verwendet, sodass beim Öffnen des Glases die Schulter nach hinten gleitet und beim Zudrehen nach vorn.

Probieren Sie bitte selbst beide Versionen. Unter Selbsttest auf richtige Armbewegung können Sie feststellen, ob Sie bei Ihren Armbewegungen Ihre Schulter- und Körpermuskeln adäquat einsetzen.

Generell gilt:
Die Kraft der Arme kommt aus dem Körper!!

Setzt man zum Heben, Schieben, Ziehen nur die Armmuskeln ein, ist man immer sehr viel schwächer, als wenn man bei diesen Aktivitäten die großen Körpermuskeln einsetzt. Unter Ursachen von Schulter- Arm- und Handbeschwerden finden Sie viele Beispiele dafür. Hier sind auch viele weitere Faktoren aufgeführt, die zu Schwäche und Kraftlosigkeit der Arme führen können, wie z. B. Verletzungen, Narben und Dumme Angewohnheiten.

Unter Selbsttest auf richtige Armbewegung können Sie feststellen, ob Sie bei Ihren Armbewegungen Ihre Schulter- und Körpermuskeln adäquat einsetzen.

Behandlung

All diesen Arten von vermeintlicher Muskelschwäche lässt sich überhaupt nicht mit Muskelaufbautraining begegnen. In de Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandelt man vielmehr zunächst die inaktiven, bzw. in Dauerkontraktion gehaltenen Schulter- und Rumpfmuskeln und führt dann ein Körperbewusstseinstraining durch. Was die Therapeuten der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® genau für Sie tun können, erfahren Sie unter Behandlung von Armschmerzen und Armbeschwerden.

Namen und Adressen dieser Therapeuten finden Sie auf der Therapeutenliste.