Magersucht und Bulimie (Ess-Brechsucht) sind hauptsächlich bei jungen Mädchen auftretende Erkrankungen, die in den letzten Jahren immer mehr in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit geraten sind. Beide sind nicht ungefährlich. Magersucht kann durch Verhungern zum Tode führen, Bulimie durch die hoch gewürgte Magensäure zu Verätzungen von Rachen, Mund und Zähnen. Die Grenzen zwischen Magersucht und Bulimie sind fließend, sie können ineinander übergehen oder sich abwechseln. Oft leiden sowohl Magersüchtige wie Bulimiker/innen anfallsweise unter Heißhunger.

Viel ist über die seelische Verursachung von Magersucht und Bulimie schon geschrieben worden. Die Betroffenen akzeptieren diese Deutungen aber gewöhnlich nicht, halten sich nicht für krank und wirken auf Außenstehende „uneinsichtig“. Vor allem Magersüchtige gehen kaum freiwillig in psychotherapeutische Behandlung. Und Bulimiker/innen verheimlichen ihren Zustand meist, solange es nur irgend geht (was möglich ist, denn vielen sieht man ihre Störung nicht an).

Anders verhält es sich mit der Akzeptanz der Körpertherapie. Spricht man die Essgestörten auf Verspannungen und unangenehme Körpergefühle an, findet man bei ihnen meist ein offenes Ohr.

Fragt man sie nach dem Ort Ihrer Missempfindungen, ihrer Appetitlosigkeit, ihres Widerwillens gegen das Essen, ihres Heißhungers zeigen die meisten Magersüchtigen und Ess-Brech-Süchtigen den Oberbauch, die Magengegend (siehe auch Oberbauch und Magengegend und Oberbauchschmerzen). An dieser Stelle empfinden und lokalisieren sie eine quälende Missempfindung, die nur schwer beschreibbar ist. An der gezeigten Stelle kann man von außen meist Triggerpunkte, verspannte Muskelstränge und Bindegewebsverhärtungen finden – und behandeln. Ist die Behandlung von Muskeln und Bindegewebe / Faszien erfolgreich, normalisiert sich die körperliche Empfindung und damit auch das Essverhalten (ohne Kampf). Magersüchtige und bulimische Patient/innen sind aber gewöhnlich auch insgesamt sehr verspannt.

Die Empfindung, zu dick zu sein, sowie die Fremdheitsgefühle am eigenen Körper sind oft auf festes, verspanntes Unterhautbindegewebe (meist am ganzen Körper zurück zu führen (siehe Andere Missempfindungen). Behandelt man dieses feste, zu enge Bindegewebe / Faszien verschwindet gewöhnlich auch die (andere Mensch wahnhaft anmutende) Empfindung der Magersüchtigen, zu dick zu sein. Ist das Bindegewebe / Faszien wieder locker, kommt von der Peripherie eine andere, normalere Meldung an das Gehirn. Das Gefühl, zu dick zu sein, schwindet, die Fremdheitsgefühle hören auf.

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® wird bei Magersucht und Bulimie auf jeden Fall die ganze Vorderseite untersucht und gegebenenfalls behandelt. Eventuell sind auch Rücken, Nacken und Kopf von den Verspannungen betroffen und werden dann in die Behandlung einbezogen(siehe auch unter Stoppmuster).

Wenn Magersucht oder Bulimie mit Depression oder Angst einhergehen, so hilft eine zusätzliche körpertherapeutische Behandlung der Kopf- und Atemmuskulatur.

Körpertherapeuten, die qualifiziert Magersucht und Bulimie behandeln, stehen auf der Therapeutenliste.