Funktionelle Magenschmerzen sind Magenschmerzen, bei denen man medizinisch zunächst keine Ursache findet. Solche Magenschmerzen sind heutzutage weit verbreitet. Es gibt chronische, ständige Magenschmerzen und passagere Magenschmerzen, die bei der geringsten Belastung, bei immer wieder auftauchen. Die Magenschmerzen sind häufig mit unangenehmen Empfindungen wie Magendrücken, Unwohlsein in der Magengegend, Völlegefühlen und anderen Magenempfindungen verbunden, z. B.:

  • „Wie ein Stein im Magen“
  • „Es sticht wie ein Messer“
  • Ich fühl mich ständig unwohl in der Magengegend“
  • „So ein Magendrücken, ein ganz unangenehmer Druck im Oberbauch“
  • „Es bohrt und bohrt da drinnen“

Häufig sind diese Magenbeschwerden auch mit allgemeinen Missempfindungen verbunden, z. B.

  • „Ich fühl mich dann insgesamt hundeelend, es geht aber vom Magen aus“,
  • “Ich kann nur noch zusammen gekrümmt da sitzen, mich auf nichts mehr konzentrieren“
  • „Wenn ich das mit dem Magen habe, bin ich total deprimiert und antriebslos – oder getrieben und unruhig“

In stärkerer Form können Magenschmerzen und Magenbeschwerden dieser Art einem das ganze Leben vergällen und bis zur Berufsunfähigkeit führen.

Die Magenbeschwerden werden häufig als „nervöser Magen“ bezeichnet, da viele beobachten, dass Stress und negativen Erwartungen zur Verstärkung der Magenschmerzen und Magenbeschwerden führen. Manchmal führt aber auch jede Nahrungsaufnahme oder nur das Essen bestimmter Lebensmittel zu dieser Art von Magenbeschwerden. Manchmal lässt sich auch kein Zusammenhang zu herstellen. Funktionelle Magenschmerzen gelten meist als rein „psychosomatisch“ oder psychisch, da man bei einer medizinisch- organischen Abklärung im Allgemeinen keine Ursache für diese Beschwerden findet. Die Betroffenen empfinden ihre Magenschmerzen aber ganz deutlich als körperliche Vorgänge, obwohl sie häufig spüren, dass diese sich unter psychischen Belastungen verstärken.

Äußere Verursachung

In der Praxis der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® haben wir heraus gefunden, dass es bei den funktionellen Magenbeschwerden sehr wohl körperliche Ursachen gibt, dass diese aber außen in Muskulatur und Bindegewebe / Faszien der Haut und Unterhaut liegen. Genau an den Stellen, wo die Patienten ihre innen wahrgenommenen Beschwerden mit dem Finger von außen zeigen, lassen sich nämlich bei der körpertherapeutischen Untersuchung, Verhärtungen, Verspannungen, druckempfindliche Punkte in Muskulatur und/oder Bindegewebe / Faszien finden. Eine solche äußere Verursachung klingt zunächst unwahrscheinlich, da jeder Betroffene ja von Anfang an ganz deutlich innen den Magen zu spüren meint. Viele Patienten kennen den Ausdruck Oberbauch gar nicht, sondern meinen, die ganze Gegend heiße „der Magen“. Praktisch alle Patienten (und die meisten Menschen unseres Kulturkreises überhaupt) glauben, dass ihr Magen in der Mitte des Oberbauchs liegt, so dass das Essen von der Speiseröhre von oben in einen runden Ballon plumpst. Daher nehmen sie ganz selbstverständlich an, dass alle Missempfindungen, die sie in dieser Gegend wahrnehmen, von ihrem Magen ausgingen. Tatsächlich ist der Magen aber länglich und geht von der Mitte aus nach links, der Hauptteil des Magens liegt links in der Zwerchfellkuppel unter den Rippen und bewegt sich bei der Einatmung nach unten in den linken Oberbauch. Was man bei den funktionellen Magenschmerzen (gewöhnlich in der Mitte des Oberbauchs) spürt, sind die Empfindungen die von Dauerkontraktionen in Muskulatur und Bindegewebe / Faszien ausgehen. Man empfindet die Beschwerden zwar innen, aber sie kommen zunächst von außen. Behandelt man die Dauerkontraktionen außen, verschwinden die Magenbeschwerden innen.

Psychosomatisch sind funktionelle Magenschmerzen und Magenbeschwerden nur insofern, als Muskulatur und Bindegewebe / Faszien des Oberbauchs emotional sehr stark reagieren. Schon bei Schreck oder unangenehmen Vorstellungen reagieren wir alle mit einer Erhöhung der Spannung in Muskeln und Bindegewebe / Faszien des Oberbauchs, der „Magengegend“. Das ist Teil des Stoppmusters. Wenn daher jemand sagt, ein unangenehmes Erlebnis habe ihm auf den Magen geschlagen, so meint er damit im allgemeinen den Druck, den er in der Oberbauchgegend spürt, und der entstand, als sich während eines negativen Erlebnisses (z.B. drohende finanzielle Verluste u.v.a.m.) der obere Teil des Rectus-abdominis-Muskels oder das Bindegewebe / Faszien darauf zusammenzog. Dadurch wird gleichzeitig die Atmung beeinträchtigt: man hält vor Schreck oder Spannung mit der Oberbauchmuskulatur die Luft an. Der Druck ist also ganz real, auch wenn man am Magen selbst nichts findet.

Der Unterschied zwischen Gesunden, die nur gelegentlich spüren, wie sie unter Belastungen leicht mit der Oberbauchgegend reagieren, und denen, die von Schmerzen in dieser Gegend gequält werden, liegt nur darin, dass bei letzteren Dauerkontraktionen in Muskulatur und Bindegewebe / Faszien entstanden sind. Diese Dauerkontraktionen lassen sich willkürlich nicht mehr lockern und verursachen Schmerz und Druckgefühle. Auf die Dauerkontraktionen, den anhaltenden Druck im Oberbauch und das Eingezwängtsein kann der Magen dann allerdings auch selbst reagieren: mit Aufstoßen, Verzögerung der Verdauung etc. und mit der Zeit können dann tatsächlich eine Gastritis und schließlich sogar Magengeschwüre entstehen (siehe Artikel: Alles psychosomatisch? PDF und Psychosomatik – eine neue Sichtweise PDF).

Dann werden die äußerlich bedingten funktionellen Oberbauchbeschwerden zu organisch feststellbaren Veränderungen im Magen. Durch die Dauerkontraktion des Oberbauchs, das Stoppmuster und die dadurch bedingte Atemeinschränkung kommt es relativ oft zu Depressionen, Bedrückungs- und Angstgefühlen (siehe Angst und Depression).

Bei der Behandlung dieser Art von Magenschmerzen, Oberbauchschmerzen und Magendrücken richten wir uns in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® in erster Linie danach, wie und wo der Patient seine Beschwerden empfindet, beschreibt und von außen zeigt. Das sind bei jedem Patienten ganz bestimmte individuell unterschiedliche Punkte, Streifen, Stellen, Regionen (zum Beispiel rechts in der Mitte des Oberbauchs, oder auf der links von der Mitte oder auf der rechten Seite außen). Da wir davon ausgehen, dass die als Magenschmerz bezeichneten Missempfindungen nicht von innen kommen, auch wenn sie da gespürt werden, sondern von außen, behandeln wir in erster Linie das Bindegewebe, z. T. auch die Muskulatur des Oberbauchs und zwar zunächst da, wo der Patient seine Beschwerden gezeigt hat. Manchmal finden sich an den gezeigten Stellen auch Narben, die Auslöser für die Bildung der Dauerkontraktionen waren, und die vordringlich behandelt werden müssen. Meist behandeln wir mittels Pandiculations und aktiver Triggerpunktbehandlung außerdem auch die gesamt Vorderseite des Körpers, da die meisten Patienten sich unwillkürlich nicht nur in der Oberbauchgegend, sondern insgesamt vorn zusammen gezogen haben (siehe Stoppmuster). Das bewirkt eine Haltungskorrektur insgesamt und bewahrt den Patienten vor Rückfällen.

Nach den manuellen und übenden Behandlungen der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® ist meist ein Körperbewusstseintraining nötig, damit der Patient merkt, wie und unter welchen Umständen er im Alltag sich noch in der Oberbauchgegend zusammen zieht. Im Laufe eines solchen Körperbewusstseinstrainings erkennt er, auf was er mit Spannungserhöhung in der Magengegend reagiert (z.B. auf eine bevorstehende, konfliktreiche Unterredung mit dem Chef) und wie er in solchen Situationen entspannt bleiben kann. Außerdem lernt er, welche äußeren Umstände bei ihm dazu führen, dass er zusammen gekrümmt sitzt (z.B. ein zu niedriger Monitor oder stundenlanges Sitzen vor einem Laptop, Sitzen an einem zu niedrigen Tisch, vorgebeugtes Stehen etc.), was ebenfalls seine Dauerkontraktion der Vorderseite bedingt. Mit geschultem Körperbewusstsein kann der Patient diese äußeren Quellen selbst in seinem Alltag erkennen, vermeiden oder beseitigen.

Mit dieser Kombination von Behandlungen der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® haben wir bei den funktionellen Magenbeschwerden insgesamt sehr gut Erfahrungen gemacht. Selbst wenn es bereits zu organischen Veränderungen gekommen ist, lassen sich meist noch Veränderungen zum Positiven erreichen.

Therapeuten, die Magenschmerzen und andere funktionelle Magenbeschwerden behandeln, finden sie auf der Therapeutenliste der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl®.