Heißhunger, Heißhungerattacken und ständiger Hunger

Heißhunger tritt oft ganz plötzlich und heftig auf: als Heißhungerattacke. Die Betroffenen fühlen sich getrieben, sofort irgendetwas zu essen, um damit ihrem Heißhungergefühl ein Ende zu bereiten. Bei anderen ist der Heißhunger chronisch, d. h. sie leiden unter einem ständigen Hungergefühl, das oft durch nichts zu bändigen ist. Bauchbeschwerden Menschen mit Heißhunger schildern oft ein bohrendes, quälendes Gefühl im Oberbauch (zwischen Brustbein und Nabel), d.h. in der Gegend, wo sie ihren Magen vermuten (wo er aber nicht ist, siehe Magenschmerzen). Der Heißhunger wird also genau da empfunden, wo wir alle Hunger spüren. Die Hungerempfindung ist allerdings bei Heißhunger sehr viel stärker und die Art der Hungerempfindung „anders“, „schlimmer“, „quälender“ wie die Betroffenen sagen. Viele von ihnen können zwischen normalem Hungergefühl und Heißhunger-Gefühl genau unterscheiden.

Das äußerst unangenehme, bohrende Heißhunger-Gefühl im Oberbauch ist so stark, dass es die Betroffenen unweigerlich zum Kühlschrank oder zur Schokolade treibt – wider alle Vernunft. Sie bekommen unsinnige Fressanfälle. Manche stopfen sich bei diesen Fressanfällen mit allem Essbaren voll, was sie nur gerade finden können. Bei anderen bezieht sich der Heißhunger nur auf etwas Bestimmtes – z. B. auf Schokolade. Manche ziehen nachts noch los, um sich an der Tankstelle das zu kaufen, wonach es sie so unbändig gelüstet. Sie können nicht gegen ihren „Hunger“ an, das zwanghafte Essenmüssen hat Suchtcharakter: „Es ist stärker als ich“, sagen sie.

Das Tragische ist, dass sich das Hungergefühl durch das Essen oft kurzfristig bessert, zumindest solange man isst, weshalb man diese Erlösung immer wieder sucht. Danach setzt der Heißhunger allerdings oft gleich wieder ein, meist zusammen mit Schuldgefühlen wegen des Essens zuvor. Ein Teufelskreis entsteht, denn miese Gefühle sind oft mit einem Zusammenziehen auf der Vorderseite verbunden (siehe Stoppmuster), was den Heißhunger wieder verstärkt. Dadurch wird auch das sogenannte Frustessen aufrecht erhalten. In Zeiten, in denen es einem sowieso gefühlsmäßig schlecht geht, oder in denen man unter großer Spannung steht, verstärken sich die Hungergefühle und die Heißhungerattacken nehmen an Häufigkeit und Heftigkeit zu. Dadurch entstehen wieder Schuldgefühle usw.

Gewichtszunahme und Bulimie durch Heißhunger oder ständigen Hunger

Gibt man dem Hungergefühl öfter nach, nimmt man natürlich zu, was die Schuldgefühle verstärkt. Es entwickelt sich eine Esssucht mit all ihren negativen psychischen Begleiterscheinungen. Oft ist Dicksein also nicht (nur) dadurch bedingt, dass die Betreffenden das Falsche essen und sich zu wenig bewegen, sondern durch unkontrollierbare, körperlich empfundene Hungergefühle, denen man sich hilflos ausgeliefert fühlt. „Sich zusammenreißen“ und nicht essen, ist bei dieser quälenden Hungerempfindung nahezu unmöglich. Das hat nichts mit Willensschwäche zu tun, denn der Mensch mit normalem Hungergefühl braucht nicht ständig seinen Willen einzusetzen, um seinen Hunger unter Kontrolle zu halten. Er hat einfach keinen grundlosen Heißhunger, wodurch er zwischen Mahlzeiten zum Beispiel gar nicht ans Essen denkt, denn sein Körper schickt ihm keine Hungersignale. Menschen, die nicht unter Heißhungerattacken leiden, tun daher den Dicken bitter Unrecht, wenn sie auf sie herabschauen und meinen, die Dicken bräuchten doch nur weniger zu essen. Die Gesunden sollten lieber ihrem Schöpfer danken, dass er sie von solch üblen Hungerempfindungen verschont hat. Teilt man als Betroffener selbst diese verachtende Einstellung gegenüber dem Essen und dem Dickwerden, können Heißhungerattacken auf dem Weg von Schuld- und Schamgefühlen wegen der durch Heißhunger bedingten übermäßigen Essanfälle auch den Boden für eine Bulimie (Ess-/Brechsucht) bereiten. Dann fängt man nämlich an, aus lauter Reue über die eigenen Fressanfälle und Angst vor dem Dickwerden, das gerade Gegessene wieder heraus zu brechen, sich absichtlich zu übergeben, um das Überessen rückgängig zu machen und geheim zu halten. Meist isoliert man sich dadurch immer mehr.
Die meisten halten das Ganze für rein psychisch bedingt.

Die Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl® bei Heißhunger

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® gehen wir davon aus, dass abnorme Hungergefühle nicht einfach psychisch oder psychosomatisch sind, in dem Sinne, dass sie nur im Kopf, in der Seele der Betroffenen zu finden sind, sondern dass ihnen reale körperliche Veränderungen in Gestalt von Dauerkontraktionen zu Grunde liegen, auch wenn diese sich in Belastungssituationen verstärken.

Daher fragen wir Patienten mit überstarken Hungergefühlen und Heißhungerattacken als erstes, wo denn das abnorme Hungergefühl sitzt, durch das sie sich zum Essen getrieben fühlen. Viele sind über diese Frage sehr erstaunt, denn das hat sie gewöhnlich noch niemand gefragt. Sie können aber die Stelle sofort ganz genau zeigen, meist zeigen sie sie am Oberbauch. Können die Patienten die Stelle nicht gleich angeben, versuchen wir, ihre Wahrnehmung entsprechend zu sensibilisieren, indem wir sie auffordern, genau darauf zu achten, wo sie etwas Unangenehmes spüren, wenn das Hungergefühl sie überfällt. Manche zeigen dann die ganze weiche Gegend zwischen den unteren Rippen vorn, bei anderen ist es nur eine ganz bestimmte, kleinere Stelle, mehr oben oder unten, mehr rechts oder links. Selten werden Stellen am oberen Unterbauch, also unterhalb des Nabels gezeigt.

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® gehen wir davon aus, dass die Heißhunger-Gefühle genau von diesen Stellen kommen, die die Patienten zeigen. Und zwar kommen sie unserer Erkenntnis und Erfahrung nach von außen, hauptsächlich aus dem Bindegewebe der Haut und den Faszien der Bauchmuskulatur, auch wenn die Patienten sie als von innen kommend wahrnehmen. Wenn man genau hinschaut, sieht man da, wo die Patienten ihre Heißhungerstellen zeigen, oft Einziehungen im Bindegewebe. Manchmal befindet sich an der gezeigten Stelle eine Narbe, meist von einer früheren Operation. Oft sieht man – auch bei ganz jungen Leuten - Querfalten auf dem Oberbauch, was darauf schließen lässt, dass die Betreffenden immer vorgebeugt sitzen und sich so die Dauerkontraktionen und Einengungen im Oberbauch zuziehen. Auf jeden Fall kann man sehen, dass sich das Gebiet mit der Hungerempfindung bei der Atmung weniger als normal bewegt, was auch für Dauerkontraktionen im Bindegewebe spricht, so dass die Muskeln sich darunter nicht ausreichend bewegen können. Man kann Heißhunger also von außen sehen. Bei normalen Atembewegungen zieht sich die Bauchdecke beim Ausatmen gleichmäßig zusammen und weitet sich beim Einatmen.

Dass Hungergefühle von außen kommen sollen, und zwar hauptsächlich aus dem Bindegewebe der Haut und Unterhaut, hört sich zunächst verwegen an, da wir alle doch zu spüren meinen, dass alle Hungergefühle Bauchbeschwerden von innen, aus dem Magen kommen. Behandelt aber man den Heißhunger am Oberbauch mit der Bindegewebsbehandlung der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl®, beseitigt man bei diesen Patienten das dringende Verlangen nach Essen. Die Wirkung setzt oft schlagartig ein. Pandiculations, aktive Triggerpunkt-Behandlungen und sensomotorische Übungen zur Beseitigung des ganzen Stoppmusters ergänzen die Behandlung. Ein anschließendes Körperbewusstseintraining hilft den Patienten nicht wieder in ihr altes Muster hinein zu geraten. Sie lernen zum Beispiel, wie sie ihren Arbeitsplatz so umgestalten können, dass sie nicht mehr vorgebeugt, mit einem Knick in der Oberbauchgegend zu sitzen brauchen. Oder dass sie ihren Bauch nicht mehr eingezogen zu halten brauchen, wodurch sie vorher ihren Oberbauch in Dauerspannung gebracht hatten, was ihre Heißhungergefühle verstärkt hatte.

Erfolg

Nach einigen Sitzungen mit all diesen Verfahren der Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® sagen die Patienten oft, dass sie sich wie erlöst fühlen und dass das Essen in ihrer Vorstellung an Attraktivität verliere. Es sei nicht mehr so dringend, sie dächten nicht mehr so oft daran. Der innere Kampf habe aufgehört. Auch spezielle Süchte wie der Schokoladenheißhunger können zurück gehen. Langfristig nehmen die Patienten dadurch natürlich ab, und zwar ohne sonst etwas dafür tun zu müssen. Sogar Bulimie-Patientinnen können wieder ein normales Hungergefühl entwickeln und dadurch wieder normal essen. Vor allem aber sind sie glücklich, der Einengung des Horizonts auf das Essen entronnen zu sein und ihr Interesse wieder vielen anderen Dingen im Leben zu wenden zu können.

Appetitlosigkeit

Interessant ist, dass sich chronische Appetitlosigkeit genauso behandeln lässt wie übersteigerte Hungergefühle. Auch die Appetitlosigkeit geht hauptsächlich vom Oberbauch aus. Wenn die Appetitlosigkeit aufgrund der Behandlung mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® zurück geht, bekommen die Menschen wieder mehr Lust zu essen und fangen von sich aus an, wieder mehr zu sich zu nehmen, ohne sich dazu zwingen zu müssen. Appetit und Hungergefühl pendeln sich bei beiden Extremformen in der normalen Mitte ein.

Therapeuten für quälenden Heißhunger stehen auf der Therapeutenliste.