Die Ursache von Nackenschmerzen liegt in erster Linie in Verspannungen von Muskulatur und Bindegewebe / Faszien am Nacken, die wir uns meist durch „dumme Angewohnheiten“ und Fehlhaltungen zuziehen. Wichtige Ursache dieser Fehlhaltungen, die zu Nackenschmerzen führen, sind äußere Faktoren am Arbeitsplatz, z.B. zu tiefe, zu hohe oder zu weit entfernte Arbeitsplatten und/oder falsch stehende Monitore. Aber auch, zu tiefe oder zu hohe Sitze, falsche Brillen u.v.a. können Ursache von Nackenverspannungen und Nackenschmerzen sein. Auch längere Zeiten von Stress, Leistungsdruck und ängstlicher Erwartung können zur Nackenverspannung geführt haben, wie man sich umgekehrt gestresster fühlt, wenn der Nacken verspannt ist und sich in einer Fehlhaltung befindet.

Wenn sich bereits massive chronifizierte Dauerkontraktionen in der Nackengegend gebildet haben, ist die Beseitigung der äußeren Faktoren häufig nicht ausreichend. In solchen Fällen behandelt man in der Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl® direkt die Nacken-Fehlhaltung , die sich häufig als Verspannung und Fehlhaltung durch den ganzen Körper zieht (siehe Behandlung). Anschließend ist man nicht nur schmerzfrei, sondern fühlt sich auch insgesamt wohler, weniger unter Druck.

Die „dumme Angewohnheit“, ständig den Kopf nach vorn gestreckt und in den Nacken gelegt zu halten und sich damit Nackenschmerzen zuzuziehen, kann durch folgende äußere Faktoren gefördert werden:

  • Kurzsichtigkeit, die nicht durch Brille oder Kontaktlinsen korrigiert ist. Viele kurzsichtige Menschen, bringen nicht das, was sie sehen möchten, zum Beispiel ein Buch oder eine Handarbeit, näher an sich heran, sondern sie bringen die Augen näher an das Buch oder die Handarbeit und strecken dabei, weil der Kopf mit den Telerezeptoren geht, natürlich wieder den Kopf nach vorn. Halten sie diese Position öfter über längere Zeit, schaffen Sie alle Voraussetzungen für Nackenverspannungen und Nackenschmerzen.
  • Gleitsicht- und Bifokalbrillen. Wenn man durch die untere Abteilung der Gläser schaut, legt man automatisch den Kopf in den Nacken (wieder über die Verbindung Telerezeptoren/ Kopfstellung). Übt man eine Tätigkeit aus, bei der man ständig durch den unteren teil der Blicke schauen muss, programmiert man sich eine Nackenverspannung ein, die irgendwann zu Nackenschmerzen führt.
  • Nackenspezialist sein. Es gibt Menschen, die, was sie auch immer beginnen, erst mal den Kopf vorstrecken und den Nacken aktiv werden lassen, zum Beispiel beim Hinsetzen und Aufstehen, beim Hinlegen und Aufsetzen, beim Gehen, vor allem beim schnellen, gehetzten Gehen. Es wirkt, als würden diese Nackenspezialisten meinen, der Kopf sei immer der Anführer der Bewegung. Tatsächlich eignet er sich hierfür nur sehr schlecht. Ökonomischerweise gehen die eben erwähnten Bewegungen von den Muskeln aus, die die großen Körpermassen bewegen, z.B. die Rücken- und Bauchmuskeln, die das Becken bewegen. Lässt man in diesen Fällen, die Bewegung vom Kopf ausgehen, bedeutet das eine große Anstrengung für die verhältnismäßig kleinen Nackenmuskeln, die für diese Aufgabe nicht geschaffen sind. Es ist als würde man den Hund mit dem Schwanz wackeln. Irgendwann rächen sich die überstrapazierten Nackenmuskeln mit Schmerz und Spannungsgefühlen.
  • Zu niedrige Sitzmöbel. Sitzmöbel sollten so beschaffen sein, dass sich an allen Gelenken (Sprunggelenke, Knie, Hüftgelenke) rechte Winkel bilden. Sind die Sitzmöbel zu niedrig (von Haus aus, oder weil der betreffende Mensch sehr groß ist), bilden sich in den Gelenken spitze Winkel und das Becken kippt mit dem untersten Teil, den Sitzbeinen nach vorn, mit dem oberen Rand aber nach hinten. Durch diese Beckenkippung entsteht ein Rundrücken und dieser wiederum lässt den Betreffenden den Kopf in den Nacken legen. Sitzt er ständig so, sind auch in diesem Fall Nackenbeschwerden vorprogrammiert.
  • Sitze, die hinten tiefer sind als vorne, z.B. Autositze. Auch diese Art von Sitzen zwingen in den Rundrücken und bewirken auf Dauer eine Nackenverspannung. Viele Autofahrer kann man in total gekrümmter Haltung mit vorgestrecktem und in den Nacken gelegten Kopf in ihrem Wagen sitzen sehen. Häufig haben sie dabei noch die Schultern hochgezogen und halten das Lenkrad umklammert. Kann man die Sitze nicht ändern, hilft häufig ein Keilkissen, das hinten höher als vorn ist.
  • Vermeidung von Doppelkinn. Es gibt Menschen, die so eitel sind, dass sie, sobald sie bei sich den Ansatz eines Doppelkinns bemerken, den Kopf in den Nacken legen, wodurch sich das Doppelkinn flacher zieht und weniger zu sehen ist. Allerdings sieht diese Kopfhaltung von der Seite auch nicht schön aus und sie wird mit einer Nackenverspannung erkauft, die bei Gelegenheit zu Nackenschmerz führen kann.
  • Sportarten wie z. B. Brustschwimmen oder Radfahren. Sport ist zwar gesund, aber leider nicht in jeder Form. Schädlich für den Nacken sind vor allem Sportarten, bei denen man den Kopf in den Nacken gelegt hält. Viele Menschen tun das beim Brustschwimmen. Helfen würde, mit dem Kopf, oder wenigstens mit dem Gesicht, beim Schwimmen immer wieder unterzutauchen, anstatt den Kopf starr nach oben und in den Nacken gelegt zu halten. Auch nach dem Rad fahren klagen manche Menschen über Nackenbeschwerden. Oder sie haben Nackenschmerzen und es stellt sich schließlich heraus, dass sie beim Rad fahren den Nacken immer in die abgeknickte Position. Abhilfe schafft hier, den Lenker so hoch zu stellen, dass keine Gewicht mehr auf den Armen ruht. Dann ruht der Kopf wieder auf der Wirbelsäule und muss nicht mehr von den dauernd angespannten Nackenmuskeln getragen werden.

Die „dumme Angewohnheit“, ständig den Kopf mit geradem Nacken nach vorn gestreckt zu halten, entsteht am häufigsten durch folgende Umstände:

  • Computerarbeit. Auch diese Fehlhaltung entsteht heutzutage am häufigsten am Computer. Den vorgestreckten Kopf ohne starken Knick im Nacken und ohne Rundrücken bekommen nämlich diejenigen, die bei der Bildschirmarbeit in ihren Arbeitssessel zurück gelehnt sitzen, den Kopf aber nach vorne gestreckt halten. Auch das ist häufig zu beobachten. Wenn Menschen diese Haltung ihrer Muskulatur und ihrem Nervensystem die meiste Zeit ihrer wach verbrachten Zeit einprogrammiert haben, bleibt sie auch so, wenn sie nicht mehr arbeiten. Übrigens setzen viele das „Training“ dann zu Hause auf der Couch vor dem Fernseher fort.
  • Zu niedrige Arbeitsplatten. Manche Hausfrau hat sich schon einen Buckel und Nackenschmerzen geholt, weil sie beim Stehen in der Küche an einer zu niedrigen Arbeitsplatte gearbeitet hat. In früheren Jahrzehnten waren die Küchen chronisch für alle Leute zu niedrig. Inzwischen sind die Küchen im Allgemeinen höher geworden. Für große Menschen sind sie aber oft immer noch zu tief. Das gilt auch für Restaurantküchen. Bei einem Patienten von uns, der unter chronischen Nackenschmerzen litt, stellte sich heraus, dass er Restaurantbesitzer und Koch war. Da er und alle seine Angestellten in der Küche große junge Männer waren, bescherte letztlich erst das Auswechseln der gesamten Küchenmöbel dem Patienten und seinen Angestellten dauernde Schmerzfreiheit im Nacken. Nur ein kleiner Italiener durfte seine frühere Arbeitsplatzausstattung behalten. Er hätte vermutlich mit den neuen Möbeln Nackenschmerzen bekommen. Natürlich sind nicht nur viele Küchentische, sondern auch viele Schreibtische zu niedrig.
  • Körpergröße. Viele große Menschen haben eine vorgebeugte Haltung und damit eine zugehörige Kopfhaltung. Manche haben diese Haltung dadurch erworben, dass sie sich bewusst kleiner gemacht haben. Das taten vor allem heute ältere, große Frauen in ihrer Jugend, als es für ein Mädchen noch als äußerst unschön galt und - wie die Mütter meinten - die Heiratschancen verringerte, wenn es etwas größer geraten war. Andere haben sich unwillkürlich kleiner gemacht, einfach weil die materielle und menschliche Umgebung ihnen diese Angewohnheit nahe legte. So passen sie oft nicht durch die Türen, die für sie zu kleinen Sitze bringen sie in einen Rundrücken. Viele Gegenstände der Umgebung (wie Tische, Schreibtische und Küchenarbeitsplatten, öffentliche Telefone usw.) sind für sie zu niedrig konzipiert und sie zwingen daher ständig zur gebeugten Haltung. Ja selbst die Konversation mit anderen, nämlich in der Regel kleineren Menschen verlangt ihnen eine gebeugte Haltung ab, da man beim reden den anderen gewöhnlich anschaut (geradeaus schauen würde als Missachtung gelten), was für diese Menschen mit einem Sich-herunter-beugen verbunden ist. Alles das kann zu Nackenverspannungen und damit zu Nackenschmerzen führen.
  • Unsicherer Gang. Wenn Menschen wacklig auf den Beinen sind, ihre Füße nicht spüren oder sonst Schwierigkeiten mit den Füßen beim Gehen haben, versuchen sie automatisch, ihre Füße zu sehen, um sie mit Augen anstatt mit dem Körpergefühl zu steuern. Im Normalfall schauen wir unsere Füße beim gehen nicht an, da es völlig ausreicht, zu spüren, wie wir auftreten, wir brauchen das nicht zu sehen. Wir schauen statt auf unsere Füße auf das Ziel, das wir erreichen wollen. Da, wie wir bereits gesehen haben, der Kopf mit den Telerezeptoren geht, halten wir ihn dabei von alleine aufrecht. Gangunsichere Menschen aber halten aus demselben Grund beim Gehen unweigerlich den Kopf nach vorne gestreckt, da sie zur vermeintlich besseren Steuerung immer ihre Füße im Visier haben möchten. Auch das resultiert nicht selten in Nackenschmerzen, weil die Nackenmuskeln in Dauerspannung geraten, um den Kopf in dieser Position zu halten.

Der ständig zur Seite geneigte Kopf, der viele einseitige Nackenschmerzen bedingt, kann durch folgende „dummen Angewohnheiten“ und äußere Faktoren entstehen:

Am meisten verbreitet ist hier das Einklemmen des Telefonhörers, um beide Hände frei zu haben. Besonders Vieltelefonierer tun das besonders gern. Ihnen ist auf jeden Fall zu einer Freisprechanlage zu raten. Auch Geigenspieler, vor allem solche, die keine Kinnabstützung verwenden, neigen zu berufsbedingten schiefen Köpfen. Ein Ausgleich kann hier meist nur in der Freizeit geschaffen werden.

Chronisch gedrehte Köpfe

Chronisch gedrehte Köpfe findet man oft bei einseitigen Nackenschmerzen. Sie kommen vor allem bei einseitig schlechtem Sehen oder Hören vor. Man streckt dabei automatisch das „gute“ Auge oder Ohr nach vorn, d. h. man richtet das intakte Sinnesorgan in Richtung der Reizquelle aus. Es gibt aber auch Leute, die sich ihre berufliche Umgebung (unabsichtlich) so arrangiert haben, dass sie immer mit gedrehtem Kopf (und Oberkörper) da sitzen, z.B. Psychoanalytiker hinter der Couch oder Menschen, die ihren Monitor im Büro schräg vor sich stehen haben. Auch hier gilt die Regel: Der Kopf geht mit den Telerezeptoren. Wenn ich ständig jemandem zuhöre, der schräg rechts unten vor mir liegt, oder auf etwas blicke, was schräg vor mir ist, wird mein Kopf irgendwann auch im Alltagsleben leicht nach rechts gedreht und nach vorn gebeugt sein. Behandlungsbedürftig sind im Allgemeinen vor allem der Sternocleidomastoideus-Muskel der Gegenseite und große Teile der Nackenmuskulatur sowie die schrägen Körpermuskeln. Daher werden diese Muskeln in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® mit Myogelosen- und Bindegewebs- / Faszienbehandlung sowie mit Pandiculations behandelt und außerdem werden Übungen und ein Körperbewusstseintraining durchgeführt, damit der Betreffende wieder gewohnheitsmäßig gerade ausgerichtet ist.

Verbreitung

Leider gibt es in unserem Kulturkreis viele Menschen, die viele dieser „dummen Angewohnheiten“, die zu Nackenproblemen führen, gleichzeitig haben. Wenn man sich in der Stadt unterwegs einmal umschaut, kann man nach der gesunden, normalen Kopfstellung lange suchen. Allerdings sind die meisten Menschen sich ihrer Fehlhaltung und ihrer Gewohnheiten gewöhnlich überhaupt nicht bewusst und meinen stattdessen, sie seien eben mit einer schlimmen oder fragilen Halswirbelsäule geschlagen. In anderen Kulturen, vor allem solchen, bei denen viel auf dem Kopf transportiert wird, und bei Naturvölkern ist die aufrechte Kopfhaltung dagegen die Regel und Nackenschmerzen so gut wie unbekannt. Mit einem nach vorn gestreckten oder in den Nacken gelegten Kopf kann man nichts auf dem Kopf transportieren, es fällt sofort herunter. Umgekehrt richtet das Tragen und Balancieren auf dem Kopf automatisch den ganzen Körper auf.

Was fast nie die Ursache ist

  • Kissen und Matratzen
    Da viele Menschen, die mit Nackenschmerzen geplagt sind, morgens mit einem besonders steifen und schmerzhaften Genick aufwachen, meinen viele, es läge an ihrer Schlafposition, die durch Matratze und Kopfkissen bedingt sei. Die meisten fangen dann an, Kissen und Matratze zu wechseln, leider mit wenig Erfolg, obwohl es sich um Spezialkissen und -matratzen handelte, die meist nicht wenig Geld gekostet haben. In Wirklichkeit liegt die morgendliche Verschlimmerung der Beschwerden nämlich an folgendem Umstand: bei uns allen ziehen sich Muskulatur und Bindegewebe / Faszien in der Nacht um etwa 7% zusammen, und zwar am ganzen Körper. Das kommt wahrscheinlich durch die relative Bewegungsarmut in der Nacht. Deswegen streckt sich jede Katze, wenn sie aufwacht. Auch Menschenkinder räkeln sich nach dem Wachwerden. Das alles ist ein ganz normaler, natürlicher Vorgang. Hat jemand aber eine oder mehrere Stellen am Körper, wo sich die Muskeln in Dauerkontraktion befinden, zum Beispiel im Nacken, wirken sich die 7% Zunahme der Verkürzung in der Nacht fatal aus. Die betreffenden Muskeln sind dann so verspannt, dass sie bei der geringsten Bewegung gegen die Anspannung schmerzen. Erst, wenn man wieder etwas einbewegt ist und möglichst noch unter der warmen Dusche war, verringert sich der Schmerz wieder.
  • Zugluft und Verkühlung
    Auch die Verkühlung tags oder nachts oder die Zugluft sind meist nur Auslöser, nicht aber die Ursache der Nackenschmerzen. Ursache ist wieder die verspannte Muskulatur, die auf alle möglichen Reize (wie zum Beispiel Kälte oder Stress) überempfindlich, d. h. mit noch stärkerer Kontraktion reagiert.

Siehe auch Artikel

Nackenschmerzen

Welche Ursachen Ihren Nackenschmerzen zugrunde liegen, erfahren Sie von Ihrem Therapeuten der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl®, den Sie auf der Therapeutenliste finden.