Normalerweise ist unser Kopf im Alltag ständig in Bewegung: immer, was wir allerdings weder bei uns noch bei anderen kaum je registrieren. Nur wenn jemand den Kopf ganz steif hält, merken wir, dass da etwas nicht stimmt, dass der Betreffende wohl einen steifen Hals hat. Die ständige leichte Bewegung des Kopfes hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Die obersten zwei Wirbelkörper (Atlas und Axis) zeichnen sich durch eine besondere Leichtgängigkeit aus. Der Kopf wird (wenn alle Muskeln frei sind) auf dem Stift des Atlas locker balanciert.
  • Es gibt eine reflektorische Verbindung von Kopf und Telerezeptoren. Telerezeptoren sind diejenigen Sinnesorgane, die wir für weiter entfernte Reize brauchen, d.h. die Augen, die Nase und die Ohren. Wir richten unwillkürlich unseren Kopf immer so aus, dass das jeweilige Sinnesorgan in Richtung auf die Reizquelle schaut. Das heißt, man bewegt automatisch den Kopf immer in die Richtung, wo man etwas zu sehen, zu hören oder zu riechen meint. Das ist unsere allgegenwärtige Orientierungsreaktion, die wir den ganzen Tag über ausführen, ohne es kaum je zu registrieren.

    Da wir Menschen hauptsächlich unsere Augen (und weniger unsere Ohren oder unsere Nase) zur Orientierung gebrauchen, gibt es eine starke Abhängigkeit der Kopfbewegung von der Augenbewegung.
  • Alle unsere Intentionen und Gefühle teilen wir über Gesichts- und Kopfbewegungen mit. So bewegen wir zum Beispiel unwillkürlich in einem fort den Kopf, wenn wir mit jemandem sprechen, wir weichen mit dem Kopf zurück, wenn uns etwas anwidert, legen ihn bei Erstaunen in den Nacken, strecken ihn bei Wut nach vorn, neigen ihn bei Zweifel zur Seite, nicken zustimmend, usw.

Da wir in all diesen Fällen den Kopf mit den Hals/Nackenmuskeln bewegen, hängen diese Bewegungen und Funktionen von der Beweglichkeit dieser Muskeln ab. Kopfbewegungen werden in der Hauptsache von den Muskeln ausgeführt, die sich hinten am Nacken befinden (es gibt dort fünf Schichten Muskeln übereinander), sowie von zwei Muskeln, die vom Schlüsselbein vorn bis zum Hinterkopf hinter den Ohren unten ziehen. Die Muskeln direkt am Hals vorn dienen dagegen der Kehlkopfbewegung, dem Atmen, Sprechen und Schlucken.

Die Nackenmuskeln verlaufen zum Teil gerade, zum Teil aber auch schräg. Mit Hilfe der geraden Hals- und Nackenmuskeln können wir den Kopf und die Halswirbelsäule nach vorn und hinten biegen, mit Hilfe der schrägen Muskeln können wir ihn drehen und zur Seite neigen. Befinden sich die jeweiligen Muskeln in Dauerkontraktion, bleiben Kopf und Nacken immer in eine bestimmte Richtung gezogen: nach vorn, nach hinten, zur Seite oder gedreht. So entstehen Nackenfehlhaltungen, die mit schmerzhaften Bewegungseinschränkungen verbunden sind.

Die Nackenmuskeln haben unterschiedliche Längen. Manche reichen nur vom Hinterkopf bis zu den ersten Halswirbeln, andere erstrecken sich über den ganzen Nacken, bis in die Brustwirbelsäle, ja sogar bis in die Lendenwirbelsäule. Das heißt, dass Kopf und Nacken mit dem ganzen Rücken verbunden sind. Indirekt sind Nacken und Kopf auch mit der ganzen Vorderpartie und mit den seitlichen Körpermuskeln verbunden. Neigt man nämlich mithilfe der Bauchmuskeln den Oberkörper nach vorn oder zur Seite, bewegt man dadurch indirekt auch Kopf und Nacken. Das heißt aber auch, dass Fehlhaltungen, die vom Rücken oder Bauch ausgehen, sich bis in den Nacken fortsetzen.

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Nackenschmerzen

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