Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl
Sensomotorische Körpertherapie
nach Dr. Pohl®
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Sensomotorische Körpertherapie
nach Dr. Pohl®

Ursachen von Kieferbeschwerden

Ursachen von Kieferschmerzen und Kieferbeschwerden, Stressreaktionen, Zahnbehandlungen, Angewohnheiten, Kopf-Fehlhaltung, Körperfehlhaltung, falscher Biss.

Es gibt sehr viele verschiedene Ursachen für verspannte Kiefermuskeln. Eine psychologische Interpretation, wonach es dabei um unterdrückte Aggressionen und Zubeiß-Impulse geht, ist auf jeden Fall zu kurz gegriffen. Hier ein paar Beispiele für die verschiedenen Möglichkeiten.

Reaktion bei Leistungsdruck und emotionale Belastungen

Viele Menschen reagieren auf emotional negative Reize, allgemeine Belastungen, Stress und Leistungsdruck mit einer verstärkten Anspannung der Kiefermuskulatur, meist in Kombination mit Nackenverspannungen. Viele haben den Spruch "Zähne zusammenbeißen und durch!" zu wörtlich genommen und sich die "Verbissenheit" regelrecht eintrainiert.
Stoppmuster: Reagiert man bei Belastungen eher mit Angst, Rückzug, Bedrückung, zieht man den Kopf ein, den Kiefer zurück und beißt die Zähne zusammen. Gleichzeitig macht man alles dicht: man kneift die Augen zusammen, macht die Nase oben zu, zieht die Bauchmuskeln fest, so dass nicht nichts hereinkommen kann. Vor allem die Atmung ist gedrosselt.
Startmuster: man reagiert bei Belastungen eher mit Widerstand, Kampfeswillen und Selbstbehauptung. Dabei lehnt man sich ins Hohlkreuz zurück, macht den Nacken übergerade und beißt die Zähne zusammen (siehe Abbildung weiter unten). Man riskiert dabei Schmerzen im Unteren Rücken (siehe Kreuzschmerzen bei Startmusterhaltung).

Überlange Zahnbehandlungen

Schläfen- und Kieferschmerz kann auch z.B. durch überlange Zahnarztbesuche mit ständig weit geöffnetem Mund entstehen. Die Kiefermuskeln reagieren wie alle anderen Muskeln auf eine Zerrung mit einer bleibenden Verspannung.
Außerdem verspannen sich die meisten Menschen auch aus emotionalen Gründen bei Zahnbehandlungen. Oft reicht schon die Erwartung von Schmerzen, scheußlichen Geräuschen und sonstigen unangenehmen Empfindungen, um solch eine Verspannung hervor zu rufen.

Dumme Angewohnheiten

Es gibt sehr viele unterschiedliche individuelle Gewohnheiten, bei denen man die Kieferspannung mit anderen Tätigkeiten kombiniert. Die Betroffenen kennen ihre Gewohnheiten selbst zunächst nicht, obwohl - oder weil - sie sie ständig ausüben.

Aktives Kieferpressen als Begleittätigkeit

So kann es zur Gewohnheit werden, auch ohne jeden Stress oder Druck die Kiefer zusammen gepresst zu halten. Man macht das als Begleittätigkeit, z. B. beim Lesen (in jeder Position), wenn man sich auf etwas stärker konzentriert usw.

Andere pressen ihre Zähne ständig immer nur kurz zusammen und lockern dann wieder. Man sieht es an den heftig arbeitenden Temporalis-Muskeln an den Schläfen.

Passives Kieferpressen

Manche bekommen ihre Kieferprobleme am Schreibtisch, vor allem am Computer: während sie mit der rechten Hand und dem rechten Arm arbeiten, haben sie den Kopf links aufgestützt. Sie sitzen dabei leicht vornübergebeugt, so dass das Körpergewicht auf den linken Ellbogen drückt und die Zähne links zusammengepresst werden. Irgendwann schmerzen links beide Zahnreihen und Kiefer.

Schiefes Kauen

Die Gewohnheit hat meist bei Zahnschmerzen oder Extraktionsschmerzen ihren Ausgang genommen. Damals hat man sich angewöhnt, nur noch auf der schmerzfreien Seite zu kauen. Das hat man als Gewohnheit über Jahre oder Jahrzehnte bei behalten. Die Kiefermuskeln sind einseitig verspannt.

Es gibt noch sehr viele andere solcher Gewohnheiten. Außer einer körpertherapeutischen Behandlung bedarf es eines geduldigen Körperbewusstseintrainings, um solche Gewohnheiten wieder loszuwerden. (siehe unter Therapie von Kieferbeschwerden).

Kopf-Fehlhaltungen

KopffehlhaltungDa die Kiefermuskeln und Nackenmuskeln unmittelbar zusammenhängen, sind Kieferbeschwerden sehr häufig mit Kopf-/Nacken-Fehlhaltungen verbunden.

Am häufigsten ist die "Schildkröten"-Haltung: der Kopf ist in den Nacken gelegt und nach vorn gestreckt. Kieferbeschwerden mit dieser Fehlhaltung gehen oft mit allen möglichen Kopfbeschwerden einher: Ohrgeräuschen, Schwindel, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen.

Körper-Fehlhaltungen

Jede Fehlhaltung, in der der Körper von der Lotrechten abweicht, wirkt sich auf die Kopfstellung und damit auch auf die Kieferstellung aus. Das ist eine aufsteigende Fehlhaltung.

Beugen Sie Ihren Körper mitsamt den Kopf zu einer Seite, nach vorn, nach hinten und beobachten Sie, welche Auswirkung das auf Ihren Kiefer hat (das geht allerdings nur, wenn Ihr Kiefer nicht schon allzu sehr in einer Fehlhaltung festsitzt).

Vorgebeugte Haltung

Vorgebeugte HaltungAm häufigsten führt die vornüber gebeugte Haltung mit dem Kopf im Nacken zu einer Kieferfehlstellung. Der Nacken ist dabei in Schildkröten-Haltung und extrem verkürzt.

Oft sieht es aus, als würde der Kopf aus dem Körper wachsen (wie in nebenstehender Abbildung von Käthe Kollwitz). Diese Haltung finden Sie unter Stoppmuster näher beschrieben. Sie schiebt den Unterkiefer eher zurück. Da das Stoppmuster häufiger bei Frauen auftritt, sind die Kieferbeschwerden bei Frauen auch bedeutend häufiger. Sie treten dann oft mit anderen Körpersymptomen auf (Magenschmerzen, Herzbeschwerden, Blasenbeschwerden, Angst und Depression).

Überaufrechte Haltung

Überaufrechte HaltungAm zweithäufigsten ist eine Fehlhaltung mit Hohlkreuz, zurück gebeugtem Oberkörper und übergeradem Nacken (siehe nebenstehende Zeichnung von Gulbransson).

Näheres zu dieser Haltung finden Sie unter Startmuster. In dieser Haltung schiebt man den Unterkiefer nach vorn und beißt dann zusammen.

Das Startmuster findet sich eher bei Männern und ist gern mit Durchsetzungswillen, Selbstbehauptung und Standhalten verbunden. Die Kieferbeschwerden treten bei diesem Muster eher zusammen mit Schmerzen im unteren Rücken auf (siehe Kreuzschmerzen bei Startreflexhaltung).

Schiefhaltung

SchiefhaltungEine schiefe Körperausrichtung kann durch frühere Unfälle oder Verletzungen zustande gekommen sein (Näheres dazu finden Sie unter Traumamuster). Sie führt zu einseitigen Kieferbeschwerden. Diese treten am häufigsten auf, wenn man auf den Kopf gefallen ist oder wenn bei einem Schleudertrauma der Kopf verdreht erfasst wurde. Hier treten Kieferbeschwerden oft mit Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schwindel oder Ohrbeschwerden auf.

Wegen dieser Zusammenhänge mit der Körperhaltung behandelt man in der sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® die Kieferbeschwerden nie isoliert (Näheres unter Die Behandlung von Kieferbeschwerden).

Falscher Biss

Meist durch falsche zahnärztliche Behandlungen kann es zu einem Zwangs-Fehlbiss kommen. Das heißt der Patient kann seine Zähne nur noch schief oder verschoben aufeinander bringen. Der Erstkontakt beim Zubeißen ist dann nicht an den Eckzähnen (wo er sein sollte), sondern irgendwo anders. Von da aus verschiebt sich der ganze Biss. Ein verschobener Biss zieht die Kopfhaltung schief und bewirkt eine Fehlhaltung des Körpers von oben her. Das ist eine absteigende Fehlhaltung. Ein falscher Biss kann auf diese Weise fatale Auswirkungen haben. Er kann zu Kopfschmerzen, Ohrgeräuschen, ja bis zur Depression führen.

Fallbeispiel: Es suchte mich (H.P.) ein junger Mann auf, der wegen Depressionen plötzlich berufsunfähig geworden war und kurz vor der stationären Unterbringung in der Psychiatrie stand. Folgendes war geschehen: Er hatte sich in gut gemeinter Vorsorge alle Amalgam-Füllungen und Metallkronen entfernen lassen. Leider hatte der behandelnde Zahnarzt die ursprüngliche Höhe der Zähne nicht mehr gefunden, so dass nun der ganze Biss nicht mehr stimmte. Darauf hin kam es ausgehend von der Kiefer- und Nackenmuskulatur zu einer Verspannung des gesamten Körpers, insbesondere auch der Atemmuskulatur. Das führte schließlich dazu, dass der bis dahin vollends gesunde junge Mann so depressiv wurde, dass er nur noch antriebslos vor dem Fernseher saß, jede Bewegung mied und schließlich berufsunfähig wurde. Durch Behandlung mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® bei gleichzeitiger Restitution des Gebisses durch einen neuen, spezialisierten Zahnarzt konnte ihm sehr schnell geholfen werden.

Fälle wie diesen kann weder eine Körpertherapeut noch ein Zahnarzt alleine lösen. Daher arbeiten wir in der Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® immer mit spezialisierten Zahnärzten zusammen, wenn es um einen Fehlbiss und die Folgen geht. Auf der Therapeutenliste finden Sie Therapeuten, die zu solch einer Kooperation bereit sind.

Zur fraglichen Psychosomatik von Kieferbeschwerden siehe auch die ausführlichen Artikel

Das Buch von Dr. Pohl

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