Stimmstörungen
Stimmstörungen verlaufen zum Teil unbemerkt. Andere Stimmstörungen werden nur von den Zuhörern wahrgenommen. Wieder andere Stimmstörungen werden von den Betroffenen als äußerst lästig erlebt.
Bei Stimmstörungen meint man, dass sie von innen kommen, z.B. von den Stimmbändern. Andere meinen, Stimmstörungen seien nur der Ausdruck einer bestimmten (negativen) Befindlichkeit. Hier dagegen wird bezüglich Stimmstörungen die Meinung vertreten, dass sie von außen, durch Dauerkontraktionen in Muskulatur und/oder Bindegewebe ausgelöst werden.
Zu den Stimmstörungen zählen zum Beispiel:
- Piepsstimme
- zu tiefe, brüchige Stimme
- kraftlose Stimme
- näselnde Stimme
- unmodulierte, depressive Stimme
- rauer Hals
- chronische Heiserkeit
- „Kehlkopfentzündung“
- Aphonie und Dysphonie
- Einschränkungen der Singstimme bei Sängern
Die Stimme
Die Erzeugung der menschlichen Stimme ist ein Ausatemvorgang und funktioniert ungefähr wie ein Blasinstrument: Zur Lauterzeugung braucht man am Instrument Körper erstens bestimmte verstellbare Klappen (Kehlkopf, Stimmbänder, Lippen, Zunge), zweitens Resonanzräume (Nase, Nasennebenhöhlen, Rachen, Brust- und Bauchraum) und drittens einen mehr oder weniger starken Luftstrom (von den Ausatemmuskeln erzeugt).
Die Stimme ist also unmittelbar von der Atmung abhängig. Stimmstörungen sind daher immer auch Atemstörungen und Atemstörungen machen sich daher auch meist stimmlich bemerkbar.
Den zu hohen oder zu tiefen Stimmen, ebenso wie den kraftlosen und monoton depressiven Stimmen liegt im Allgemeinen eine zu große Unbeweglichkeit des vorderen Halses zugrunde. Bei der Piepsstimme ist der Kehlkopf chronisch nach oben gezogen, bei der zu tiefen, brüchigen Stimme chronisch nach unten. Die kraftlose Stimme kommt dadurch zustande, dass die Betroffenen beim sprechen zu wenig die Bauchmuskulatur betätigen, denn die Kraft zum Sprechen kommt aus dem Unterbauch. Ist der Bauch frei beweglich, sollte sich auch der Beckenboden mitbewegen.
Es ist ganz deutlich, dass Stimme und Stimmung unmittelbar miteinander zu tun haben. Meist hören wir schon am Telefon, wie jemand gestimmt ist. Bei den depressiven und kraftlosen Stimmen ist der Kehlkopf meist in der Mitte fixiert und rührt sich weder beim Atmen noch beim Sprechen (es gibt keine Höhen und Tiefen). Auch der Mund und das gesamte Gesicht bewegt sich beim Sprechen wenig. Dasselbe gilt für die Atemmuskulatur. Fröhliche Stimmen sind akzentuierter und modulierter, es gibt mehr Unterschiede in der Stimmgebung, d.h. sowohl die „Klappen“ wie die Resonanzräume wie die Stärke des Luftstroms werden in ständig variierende Bewegung versetzt.
Halsbehandlung
In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandelt man alle bisher erwähnten Stimmstörungen zunächst mit der Bindegewebsbehandlung des Halses vorn. Sollte das noch nicht ausreichen, kann man mit Myogelosenbehandlung bzw. Pandiculations noch die äußeren Zungenbein- und Kehlkopfmuskeln mit bearbeiten.
Am Kehlkopf selbst vor allem der Cricothyroideus-Muskel (direkt am Kehlkopf vorn unten) und der Thyrohyoideus-Muskel (er stellt die Verbindung zwischen Kehlkopf und Zungenbein her).
Bei der näselnden Stimme sind gewöhnlich Nase und Nebenhöhlen, also ein Teil der Resonanzräume, zu und sollten mitbehandelt werden (siehe »Nasen- und Nebenhöhlenbeschwerden«).
Körperbehandlung
Bei allen Stimmstörungen beachtet man in der sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® unbedingt die übrige Körperorganisation, vor allem beim Atmen und Sprechen. In erster Linie geht es dabei um die Bauch- und die übrige Atemmuskulatur, denn Sprechen ist ja ein Ausatemvorgang. Befinden sich zum Beispiel die Bauch- oder Brustmuskeln durch Dauerkontraktion sowieso schon immer in Ausatemposition, kann zu wenig eingeatmet werden und es steht infolgedessen zu wenig Luftstrom für das Sprechen zur Verfügung.
Das ist zum Beispiel häufig bei der Aphonie der Fall. Aphonie heißt, dass die Stimme plötzlich vorübergehend ganz weg bleibt. Häufiger ist die Stimme kaum noch hörbar. Das bezeichnet man als Dysphonie. Hier kommt es beim Sprechen zur schnellen Stimmermüdung. Das Sprechen wird sehr anstrengend, die Stimme ist schwach trotz größter Anstrengung. Häufig gibt es dabei Schmerzen im Bereich des Mundbodens und in der Zungen-, Schluck- und Kehlkopfmuskulatur. Dieses Leiden tritt besonders häufig bei Lehrern auf und wird meist als Kehlkopfentzündung diagnostiziert. Dysphonien sind in dieser Berufsgruppe deswegen so häufig, weil Lehrer stimmlich extrem gefordert sind, so dass sich eine fehlerhafte Atem- und Stimmorganisation hier am meisten bemerkbar macht. Jeder andere Sprechberuf ist auch gefährdet. Bei diesem Leiden kann man im Allgemeinen beobachten, dass sich die Betreffenden im Hals ungeheuer anstrengen, während sie sich gleichzeitig mit den Bauch- und Brustmuskeln die Luft abdrücken, anstatt diese Muskeln zum Atmen und Sprechen einzusetzen. Oft sieht man eine forcierte Halsatmung, bei der vor allem die Sternocleidomastoideus- ,die Scaleni- und die suprahyoidalen Muskeln angespannt werden. Hier ist neben der Halsbehandlung natürlich eine Behandlung der Bauch- und Brustmuskulatur bzw. des Bindegewebes durch Pandiculations, Myogelosen und Bindegewebsbehandlungen nötig, aber auch viel Körperbewusstseinstraining des Sprechvorgangs und des Atmens unter Simulation der Berufssituation. Durch die manuellen Behandlungen lösen sich die Verspannungen in Muskulatur und Bindegewebe und durch das Körperbewusstseinstraining wird die falsche und die richtige Koordination der Atem- und Stimmmuskeln bewusst und der Patient kann über beide Organisationsformen wieder frei verfügen, anstatt hilflos der falschen Atem- und Stimmführung ausgeliefert zu sein.
Auch bei der chronischen Heiserkeit und der rauen Stimme herrschen oft Fehlkoordinationen der gesamten Atemmuskulatur vor. Allerdings tragen zu chronischer Heiserkeit oft auch Verletzungen und Operationen am Hals, zum Beispiel Schilddrüsen-Operationen bei. Bei diesen Operationen kommt es manchmal zu Verspannungen der Muskulatur und des Bindegewebes des Halses, wodurch die Fehlorganisation der Atemmuskulatur erst in gang gesetzt wird.
Als Auslöser von Stimmstörungen ist auch an eine antrainierte falsche Sing- und Atemtechnik vor allem bei Sängern zu denken. Zur Verbesserung der Kraft und des Volumens der Stimme bei Sängern wird nach der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® die gesamte Atemmuskulatur (bzw. das Bindegewebe auf ihr) und zwar einschließlich des Beckenbodens untersucht und gegebenenfalls behandelt. Danach ändert sich die Singstimme beträchtlich: sie klingt meist voller und das Volumen wird größer. Außerdem wir das Singen lustvoll und weniger anstrengend, da alle unnötigen Bremsen durch unwillkürlich festgehaltene Muskulatur wegfallen.
Siehe auch »Fehlatmung« und »Atemstörungen«
Therapeuten, die mit »Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl®« behandeln, finden Sie auf der Therapeutenliste.