Die Stimme

Es gibt organisch bedingte Stimmstörungen (z.B. nach einer Kehlkopfoperation) wie auch nicht organisch bedingte, bei denen sich trotz eingehender medizinischer Untersuchungen keine Ursache für die Stimmstörung finden lässt.

Zu den nicht organisch bedingten Stimmstörungen zählen zum Beispiel:

Um nicht organisch bedingte Stimmstörungen zu verstehen, muss man sich ein paar anatomische und physiologische Details vergegenwärtigen:
Die Störung der Stimme kann sowohl auf ein gestörtes Funktionieren der eigentlichen Sprechwerkzeuge zurückzuführen sein, wie auch auf Störungen in der Atemmuskulatur sowie in der Kopf- und Körperhaltung.

Die Stimme funktioniert ungefähr wie ein Blasinstrument: Es gibt eine Reihe einstellbarer "Klappen" und Resonanzräume: Lippen, Nase, Nebenhöhlen, Kiefer, Kehlkopf, Stimmbänder im Kehlkopf, Halsmuskeln. Und es muss ein Luftstrom durch diese Klappen ziehen, um einen Ton zu erzeugen. Bei der Stimme ist das der Ausatem, denn Sprechen und Singen sind Ausatemvorgänge. Der Luftstrom hängt vom richtigen Einsatz der Atemmuskeln und von der Körperhaltung ab. Daher können sowohl Störungen in den "Klappen" und Resonanzräumen wie auch Störungen der Atemmuskulatur und Fehlhaltungen sich als Stimmstörung bemerkbar machen. Die Stimme ist also unmittelbar von der Atmung abhängig. Stimmstörungen sind daher immer auch Atemstörungen und Atemstörungen machen sich daher auch meist als (mehr oder weniger ausgeprägte) Stimmstörungen bemerkbar. Wir sprechen normalerweise vor allem mit dem Unterbauch, denn die Kraft zum Sprechen kommt aus dem Unterbauch Wir sind also alle eigentlich "Bauchredner".

Befinden sich die Bauchmuskeln durch Dauerkontraktion immer in Ausatemposition (der Bauch bleibt immer ganz flach), kann zu wenig eingeatmet werden und es steht infolgedessen zu wenig Luftstrom für das Sprechen zur Verfügung. Die Stimme wird kraftlos. Diese Stimmstörung ist nicht eine Sache zu schwacher, sondern zu verspannter Bauchmuskeln! Durch knallhart auftrainierte Bauchmuskeln kann man eine Stimmstörung nicht etwa heilen sondern direkt erzeugen. Um die Stimmkraft zu verbessern und eine Stimmstörung zu behandeln, muss man die Bauchmuskeln nicht auftrainieren sondern lockern! Der Bauch muss bei der Einatmung wieder herauskommen dürfen! Dass dem so ist, sieht man an folgendem: Ein Baby hat schon gleich nach der Geburt genügend Kraft in seinen Bauchmuskeln, um laut und kräftig zu schreien - ohne alles Training. Im Ruhezustand sind seine Bauchmuskeln butterweich. Es hat keine Stimmstörung.

Später im Leben kann von außen sehen, ob jemand mit dem Unterbauch spricht oder nicht. Und man kann der Stimme auch anhören, ob jemand von unten aus dem Bauch spricht oder nur von oben. Aus dem Bauch hört sich die Stimme voller, kräftiger, wohltönender an und wird besser gehört, besser bemerkt und besser verstanden.

Auch eine Körperhaltung kann man an der Stimme hören. Steht oder sitzt man in vornüber gebeugter Haltung und/ oder mit gesenktem Kopf, (siehe Stoppmuster) drückt man sich selbst an Oberbauch, Brust und Hals den Luftstrom ab. Es kann ein Gefühl von "Kloß im Hals" oder eine chronische Heiserkeit entstehen. Bei der chronischen Heiserkeit und der rauen Stimme herrschen oft außerdem eine Fehlkoordinationen der gesamten Atemmuskulatur vor. Manchmal tragen auch Narben durch Verletzungen und Operationen am Hals zu chronischer Heiserkeit bei, zum Beispiel nach Schilddrüsen-Operationen. Bei diesen Eingriffen kommt es öfters zu Verspannungen der Muskulatur und des Bindegewebes des Halses, wodurch die Fehlorganisation der Atemmuskulatur erst in gang gesetzt wird.

Den zu hohen oder zu tiefen Stimmen, ebenso wie den kraftlosen und monoton depressiven Stimmen liegt im Allgemeinen eine zu große Unbeweglichkeit des vorderen Halses zugrunde. Bei der Piepsstimme ist der Kehlkopf chronisch nach oben gezogen, bei der zu tiefen, brüchigen Stimme chronisch nach unten. Die kraftlose Stimme kommt dadurch zustande, dass die Betroffenen beim sprechen zu wenig die Bauchmuskulatur betätigen, zum Beispiel, weil sie den Bauch ständig eingezogen halten. Fasst man von außen auf den Unterbauch, ist bei diesen Stimmstörungen hart und unbeweglich. Ist der Bauch frei beweglich locker, sollte sich auch der Beckenboden mitbewegen. Selbst der Beckenboden ist am Sprechen beteiligt.

Bei der näselnden Stimme sind gewöhnlich Nase und Nebenhöhlen, also ein Teil der Resonanzräume, zu und sollten mitbehandelt werden. (siehe Nasen- und Nebenhöhlenbeschwerden


Stimme und Stimmung

Es ist ganz deutlich, dass Stimme und Stimmung unmittelbar miteinander zu tun haben. Meist hören wir schon am Telefon, wie jemand gestimmt ist. Bei den Stimmstörungen im Sinne einer depressiven Stimme ist der Kehlkopf meist in der Mitte fixiert und rührt sich weder beim Atmen noch beim Sprechen (es gibt keine Höhen und Tiefen). Auch der Mund und das gesamte Gesicht bewegen sich beim depressiven Sprechen wenig. Dasselbe gilt für die Atemmuskulatur. Fröhliche Stimmen sind akzentuierter und modulierter, es gibt mehr Unterschiede in der Stimmgebung, d.h. sowohl die "Klappen" wie die Resonanzräume wie die Stärke des Luftstroms werden in ständig variierende Bewegung versetzt. Eine depressive Stimmen entsteht, wenn man sich auf der Vorderseite stark zusammenzieht, was häufig bei lang dauernden Belastungen der Fall ist, in die man selbst aktiv nicht eingreifen kann.

Als Auslöser von Stimmstörungen ist auch an eine antrainierte falsche Sing- und Atemtechnik vor allem bei Sängern zu denken. Zur Verbesserung der Kraft und des Volumens der Stimme bei Sängern wird nach der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl ® die gesamte Atemmuskulatur (bzw. das Bindegewebe / Faszien auf ihr) und zwar einschließlich des Beckenbodens untersucht und gegebenenfalls behandelt. Danach ändert sich die Singstimme beträchtlich: sie klingt meist voller und das Volumen wird größer. Außerdem wir das Singen lustvoll und weniger anstrengend, da alle unnötigen Bremsen durch unwillkürlich festgehaltene Muskulatur wegfallen.

Bei der Stimmstörung Aphonie bringt man keinen Ton mehr heraus, trotz - oder wegen - aller Anstrengung. Die Stimme bleibt zumindest vorübergehend ganz weg. Häufiger ist die Stimme kaum noch hörbar. Es kann passieren, dass man die für die Stimme zuständigen Muskeln so in Dauerspannung hält, dass sie sich verkrampfen und man sie nicht mehr bewegen kann. Dadurch blockiert man sich selbst die Stimme. Etwas Ähnliches passiert beim Stottern, nur geraten beim Stottern eher die Sprechmuskeln vor Überanstrengung in einen Krampf.

Diese Art von Aphonie tritt z. B. häufig bei Menschen in Sprech-Berufen auf, die wie z.B. bei Lehrer. Häufig wird dann eines Kehlkopfentzündung diagnostiziert, die sich aber mit den herkömmlichen Mitteln nicht recht behandeln lässt. Manche werden durch Aphonie und verwandte Stimmstörungen berufsunfähig.. Das Leiden ist in dieser Berufsgruppe deswegen so häufig, weil sie extrem stimmlich gefordert sind, so dass sich fehlerhafte Atem- und Stimmorganisation hier am meisten bemerkbar macht. Bei dieser Art von Aphonie kann man im Allgemeinen beobachten, dass sich die Betreffenden im Hals ungeheuer anstrengen, während sie sich gleichzeitig mit den Bauch- und Brustmuskeln die Luft abdrücken, anstatt diese Muskeln zum Atmen und Sprechen einzusetzen. Oft sieht man eine forcierte Halsatmung, bei der vor allem die Sternocleidomastoideus- ,die Scaleni- und die suprahyoidalen Muskeln angespannt werden, während der Bauch hart und starr bleibt.

Aphonie tritt auch als Schreckreaktion auf: in plötzlichen traumatischen Situationen verschlägt es einem die Sprache, weil alle Muskeln sich plötzlich unwillkürlich zusammenziehen und sich willkürlich nicht mehr bewegen lassen.

Behandlung von Stimmstörungen

Halsbehandlung

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandelt man alle bisher erwähnten Stimmstörungen zunächst mit der Bindegewebs- / Faszienbehandlung des Halses vorn. Sollte das noch nicht ausreichen, kann man mit aktiver Triggerpunktbehandlung bzw. Pandiculations noch die äußeren Zungenbein- und Kehlkopfmuskeln mit bearbeiten. Auffallend ist, dass Patienten mit Stimmstörungen diese Muskeln zunächst willkürlich nicht bewegen können und erst langsam wieder lernen müssen, die bewusste Steuerung dieser Muskeln zurück zu gewinnen. Das geschieht mit den Pandiculation und dem Körperbewusstseinstraining.

Am Kehlkopf selbst vor allem der Cricothyroideus-Muskel (direkt am Kehlkopf vorn unten) und der Thyrohyoideus-Muskel (er stellt die Verbindung zwischen Kehlkopf und Zungenbein her).

Körperbehandlung

Bei allen Stimmstörungen beachtet man in der sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® unbedingt die übrige Körperorganisation, vor allem beim Atmen und Sprechen. In erster Linie geht es dabei um die Bauch- und die übrige Atemmuskulatur, denn Sprechen ist ja ein Ausatemvorgang. Hier ist neben der Halsbehandlung natürlich eine Behandlung der Bauch- und Brustmuskulatur bzw. des Bindegewebes durch Pandiculations, Myogelosen und Bindegewebsbehandlungen nötig, aber auch viel Körperbewusstseinstraining unter Simulation der Berufssituation. Durch die manuellen Behandlungen lösen sich die Verspannungen in Muskulatur und Bindegewebe / Faszien und durch das Körperbewusstseinstraining wird die falsche und die richtige Koordination der Atem- und Stimmmuskeln bewusst und der Patient kann über beide Organisationsformen wieder frei verfügen, anstatt hilflos der falschen Atem- und Stimmführung ausgeliefert zu sein.

Wenn Sie bei Stimmstörungen einen Therapeuten in Ihrer Nähe suchen: bitte schauen Sie auf die Therapeutenliste.