Schluckstörungen werden meist als ausgesprochen lästig erlebt. Manchmal führen Schluckstörungen dazu, dass man kaum mehr etwas hinunter bringt. Daher nehmen Menschen mit Schluckstörungen häufig stark ab. Manchmal werden Patienten mit Schluckstörungen daher für magersüchtig gehalten, was sie jedoch keineswegs sind. Menschen mit Schluckstörungen würden gerne mehr essen, wenn sie nur besser schlucken könnten. Schluckstörungen machen den Betroffenen häufig Angst. Meist werden Schluckstörungen vorn am bzw. im Hals wahrgenommen.

Normalerweise geschieht das Schlucken der festen oder flüssigen Nahrung völlig unbewusst und ist unserer Aufmerksamkeit entzogen. Zwar können wir auch willkürlich schlucken, aber wir können auch dann kaum sagen, was genau dabei eigentlich geschieht. Das Schlucken geschieht im Normalfall leicht, mühelos und selbstverständlich.

Erst wenn das Schlucken schwierig wird, wenn also eine Schluckstörung entsteht, merken die Betroffenen, dass dabei offensichtlich irgendetwas in ihrem Hals geschehen muss. Was genau aber beim Schlucken bzw. bei ihrer Schluckstörung geschieht oder geschehen sollte, bleibt ihnen weiterhin unklar. Sie merken nur, dass das, was früher selbstverständlich war, sich auf einmal als eine äußerst schwierige Aufgabe darstellt. Sie bringen kaum einen Bissen herunter, müssen sich beim Schlucken konzentrieren und über die Maßen anstrengen. Nicht selten nehmen sie deswegen an Gewicht ab.

Häufig kommt es auch praktisch bei jeder Mahlzeit zum Verschlucken, d.h. ein Teil der Nahrung landet in der Luftröhre. Für Außenstehende ist es äußerst schwierig nachzuvollziehen, was am simplen Schlucken schwierig sein soll, denn für sie vollzieht sich ihr eigenes Schlucken reibungslos und selbstverständlich.

Normales Schlucken

Was tatsächlich beim Schluckakt geschieht, ist folgendes: vorne im Hals befindet sich in der Mitte von unten nach oben hochziehend die Luftröhre. Sie endet oben mit dem Kehlkopf, in dem sich die Stimmbänder befinden. Der Kehlkopf ist oben mit Muskeln mit dem Zungenbein verbunden, einem hufeisenförmigen Knochen, der sich im Hals vorn oben, vor dem Übergang zum Kinn befindet. Luftröhre, Kehlkopf und Zungenbein kann man an sich selbst spüren, wenn man mit der Hand den Hals vorn in der Mitte abtastet. Am Zungenbein befindet sich auch der knorpelige Kehlkopfdeckel, der normalerweise herunterhängt. Außerdem befindet sich hinten im Hals, also hinter der Luftröhre die Speiseröhre. Die Speisen kommen aber natürlich vorne zum Mund herein. Um sie nach hinten in die Speiseröhre zu befördern, zerdrücken Zunge und Gaumenmuskeln die Speisen am Gaumen und formen einzelne Bissen bzw. Schlucke. Dabei müssen die Bissen oder Schlucke aber über die Öffnung der Luftröhre befördert werden. Damit nun nicht das Butterbrot in der Luftröhre und damit in der Lunge landet, zieht man beim Schlucken zunächst die Zunge hoch Richtung Gaumen, und zieht auch die Muskeln am Gaumen oben zusammen, um einen Bissen abzuteilen. Dann zieht man mittels der über dem Zungenbein gelegenen Muskeln den Kehlkopf und das Zungenbein hoch zum Kehlkopfdeckel, um damit die Luftröhre von oben abzuschließen. Daher kann man während des Schluckens nicht atmen.

Beim zweiten Teil des Schluckvorgangs ziehen dann die unteren Zungenbeinmuskeln Zungenbein und Kehlkopf nach unten und befördern so den Speisebrei in der Speiseröhre abwärts, während gleichzeitig die Muskeln der Speiseröhre („Schlundschnürer“) aktiv werden, um den Speisebrei nach unten zu befördern. Dadurch gibt man den Atemweg wieder frei.

Schluckstörungen

Wird das Schlucken schwierig oder kommt es zu häufigem Verschlucken, liegt das daran, dass die oben erwähnten Muskeln nicht richtig funktionieren.
Natürlich gibt es organische Erkrankungen (z.B. Krebs), die solche Schluckstörungen bedingen können. In den allermeisten Fällen aber ergibt die organische Untersuchung nichts, was die Schluckstörung erklären könnte. Mit den bildgebenden Verfahren sieht alles genauso aus wie beim Gesunden. Die Ärzte sagen den Betroffenen dann häufig: „Sie haben nichts“ oder „es ist alles in Ordnung“ „es ist psychosomatisch“. Damit ist der Fall für sie gewöhnlich erledigt, nicht aber für die Betroffenen, die sich weiter mit ihren Beschwerden herumquälen. Auch der Gang zum Psychologen, Psychiater oder Psychotherapeuten hilft bei Schluckstörungen im Allgemeinen nicht weiter, so dass die Betroffenen häufig seit Jahren resigniert mit ihren Beschwerden leben.

Was sie nicht wissen: Niemand hat bis dahin die Verursacher ihrer Beschwerden, nämlich die Schluckmuskulatur und das Bindegewebe auf ihr untersucht. Diese sind bei Schluckstörungen so verspannt, dass sie sich nur unter größter Mühe bewegen lassen. Daher wird es mühsam, auch nur einen Bissen herunter zu bringen, bzw. daher klappt der Verschlussmechanismus der Luftröhre beim Schlucken nicht, so dass zu viel von den Speisen oder Getränken in der Luftröhre landet und durch exzessives Husten wieder nach oben befördert werden muss. Das ist das chronische Verschlucken.

Untersuchung und Behandlung

Bei der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® von Schluckstörungen wird zunächst der Patienten genau befragt, was er bei seinen Schluckbeschwerden empfindet, um heraus zu bekommen, wie seine individuelle Schluckstörung genau funktioniert. Auch lernt der Patient in der Behandlungs-Stunde und Zuhause sich selbst zu beobachten. Kann er zum Beispiel beim Schlucken Zungenbein und Kehlkopf nicht nach oben ziehen (1. Teil des Schluckaktes) oder kann er sie nicht nach unten ziehen (2. Teil des Schluckaktes)? Je nachdem werden die Überzungenbeinmuskeln oder die Unterzungenbeinmuskeln bzw. das Bindegewebe / Faszien auf diesen Muskeln behandelt. Auch die „Schlundschnürer“ werden in die Untersuchung und Behandlung mit einbezogen.

Bei der Behandlung einer Schluckstörung mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandelt man aber nicht nur die Muskeln, die für das Schlucken zuständig sind, und das Bindegewebe / Faszien auf ihnen, sondern beobachtet auch die Kopfhaltung des Patienten / der Patientin und damit seine gesamte Körperhaltung. So erschwert eine extrem nach vorne gebeugte Körperhaltung, wie sie vor allem bei alten Menschen auftritt, das Schlucken insgesamt, weil bei dieser Haltung der Kopf nach vorne hängt. Dadurch entsteht am Hals oben, wo wir schlucken, eine enge Stelle, die ständig zusammen gedrückt wird. Jeder kann das nachprüfen, indem er selbst Körper und Kopf in die entsprechende Position bringt.

Ganz besonders erschwert eine solche Kopfhaltung das Trinken. Um nämlich eine Tasse oder ein Glas austrinken zu können, muss man den Kopf leicht zurücklegen, so dass die Flüssigkeit nicht vorn wieder aus dem Mund heraus laufen kann, sondern gerade den Schlund hinunter läuft. Gewöhnlich berücksichtigen wir dabei die auf die Flüssigkeit einwirkende Schwerkraft ganz automatisch, indem wir beim Trinken den Kopf in den Nacken legen. Wir wissen im Allgemeinen nicht, dass wir das tun – können aber jederzeit feststellen, dass wir das tun, wenn wir einmal bewusst eine Tasse oder ein Glas austrinken. Mit starr nach vorn gestrecktem oder nach unten gebeugtem Kopf ist diese Bewegung des Kopfes, die über die Hals- und Nackenmuskulatur erfolgen müsste, aber kaum mehr möglich. Damit sind Trinken und Schlucken sehr erschwert. Dies ist mit ein Grund, warum alte Menschen, die häufig diese Kopfhaltung haben, oft viel zu wenig trinken.

Stellt sich heraus, dass die Kopfhaltung bei der Schluckstörung eine Rolle spielt, sollte auch diese mit den Verfahren der Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandelt werden.

Siehe auch unter Stoppmuster und Nackenfehlhaltungen.

Professionelle Behandler von funktionellen Schluckstörungen stehen auf der Therapeutenliste der Sensomotorischen Körpertherapie.