Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl - Häufige Fehlhaltung: Hohlkreuz oder Startmuster


Das Startmuster

Mit Startmuster ist eine Hohlkreuzhaltung gemeint, die durch eine Verspannung der Rückenmuskeln bedingt ist. Diese muskulär bedingte Hohlkreuzhaltung ist die Hauptursache von Rückenschmerzen, insbesondere Kreuzschmerzen, also Schmerzen im unteren Rücken, die hierzulande so verbreitet sind.

Man erkennt das Startmuster an folgenden Kriterien:Das Startmuster oder Hohlkreuzhaltung

Auch bei dieser Haltung kann man genau bestimmen, welche Muskeln was bewirken. So führt eine Daueranspannung der großen, langen Rückenmuskeln sowie der großen Gesäßmuskeln zum Hohlkreuz, Dauerkontraktion des mittleren Teils des Trapezius-Muskels und der Rhomboideus-Muskeln führt zu zurück gezogenen Schultern usw.

Akut finden wir die Rückwärtsbewegung des Oberkörpers mit der Anspannung der entsprechenden Muskeln bei

Die Kontraktion der Rückenstrecker geschieht als Bereitstellungsaktion für bestimmte Handlungen (z.B. auch biologisch für eine Kampfhandlung). Sie verschwindet aber wieder, wenn diese Reaktion auch tatsächlich ausgeführt wird (wenn z.B. beim Kampf die Faust auf dem Gegner landet). In unserer zivilisierten Welt werden Kämpfe aber kaum mehr körperlich ausgetragen, so dass die körperliche Bereitstellungsreaktion zwar noch stattfindet, die Bewegung aber, die diese Rückenanspannung wieder lösen würde, für gewöhnlich ausbleibt.

Chronisch, als unwillkürliche Dauerkontraktion der entsprechenden Muskeln, die sich von allein nicht mehr löst, tritt das Muster auf

An Traumen, die eine solche Haltung auslösen können, kommen Unfälle in Betracht, bei denen es einen nach hinten reißt, z.B. wenn man sich den Kopf hart anrennt.

An dummen Angewohnheiten, die zum Startmuster führen können, kommen in Betracht: konstante Versuche, sich besonders gerade hinzustellen, bzw. Drill dazu schon in Kinderjahren, lang andauerndes Training, um die vorgebeugte Haltung zu überwinden (dann ist gleichzeitig ein Stoppmuster vorhanden), Stehen oder Sitzen am Arbeitsplatz mit einer Arbeit dicht vor sich, sowie unkorrigierte Weitsichtigkeit.

Außerdem sind kleine Menschen besonders gefährdet, da sie sich in ihren Versuchen größer zu wirken, oft „aufmandeln“ und in eine Napoleonshaltung gehen. Auch eine Umgebung von lauter großen Menschen reicht, um einen kleinen Menschen in das Startmuster zu bringen, da er beim Sprechen und Blickkontakt sich immer zurück legen muss.

Bei einer chronischen Überanspannung der Streckmuskeln unseres Körpers entsteht ein Gefühl der Anstrengung, das unbemerkt zum Bestandteil der Handlung selbst wird, ohne dass man sie nicht mehr ausführen zu können glaubt: Je größer der Wille, desto schlechter der Rücken, denn die eiserne Willenskraft schafft einen starren Rücken. Leider haben wir in unserer Sozialisation fast alle gelernt, Probleme mit Anstrengung zu lösen, anstatt zu lernen, wie das Problem am leichtesten zu lösen ist. „Streng Dich an!“, „Reiß Dich zusammen!“ waren und sind für viele die Leitlinien. Manche Leute daher „müssen“ wirklich alles: sie „müssen“ arbeiten, „müssen“ endlich mal was essen, „müssen“ zu einer Einladung gehen und vor allem “müssen“ sie unendlich viel erledigen und dann „müssen“ sie endlich schlafen gehen. Das ganze Leben kann zum Leistungsstress werden. Man verhält sich dabei wie ein Antreiber und ein störrischer Esel in einer Person. Je mehr man sich selbst antreibt, desto mehr widersetzt man sich auch. Das freut den Rücken nicht.

Auch das Startmuster ist also wie das Stoppmuster eine Stressreaktion, nur ist die individuelle Antwort und gewöhnlich auch die Art der Belastung eine andere.

Die Hohlkreuzhaltung ist sehr häufig beobachten. Insgesamt kommt sie häufiger bei Männern vor, im Unterschied zum Stopp-Muster, das bei Frauen häufiger ist.
Der Start-Reflex fällt in unserer Gesellschaft weniger auf als der Stopp-Reflex. Er ist mehr kulturkonform und gilt häufig als besonders „gute“ Haltung, wohl weil die meisten meinen, eine „gute“ Haltung habe etwas mit „halten“ und Festigkeit bis Starre zu tun. Leute mit Start-Reflex gelten bei uns als „tüchtig“.
Häufig besteht beim Startmuster insgesamt ein Überantrieb. Das heißt: alles wird mit zu viel muskulärer Anspannung getan (mehr Spannung als für die Bewegung nötig ist). Das ist zum Beispiel am allzu markigen Händedruck erkennbar. Wenn sie Sport treiben, bevorzugen Menschen mit Startmuster im Allgemeinen Kraftsportarten, was das Startmuster eher verfestigt als beseitigt.

Beschwerden

Im Einzelnen kommt es bei Startmuster zu folgenden Beschwerden:

Die Kreuzschmerzen treten vor allem bei längerem Stehen auf. Auch langsames, häufig unterbrochenes Gehen wie beim Einkaufsbummel oder im Museum führt meist zu stärkeren Beschwerden Im Röntgenbild sieht man eine verstärkte Lordose, das heißt eine Einwärtswölbung der Lendenwirbelsäule. Die Wirbel. sind hier hinten stark zusammengedrückt, vorn klaffen sie auseinander.

Die ärztlichen Diagnosen heißen bei Startmuster-Patienten vor allem: „Lumbalgie“, „LWS-Syndrom“, „Iliosakralgelenks-Entzündung“, „Wirbelkanalsthenose im LWS-Bereich“, „Arthose der LWS“ „Bandscheibenvorfall oder -protrusion“, „Gonarthrose“ (=Kniearthose), „Innen-Meniskusschaden“, “starrer Altersthorax“.

Unserer Erfahrung nach sind jedoch diese hier konstatierten Schäden alle Folgen der muskulären Verspannungen beim Startmuster. Sie rühren daher, dass die jeweiligen Muskeln und das verkürzte Bindegewebe die Wirbel bzw, Knochen des Knies zu stark zusammen drücken, so dass Arthrosen der LWS, Bandscheibenvorfälle in diesem Gebiet, Kniearthosen und Meniskusschäden als sekundäre Folgen auftreten. Diese sind jedoch nicht die Ursache der Schmerzen. Die Schmerzen kommen vielmehr aus Muskulatur und Bindegewebe, die sich in Dauerkontraktion befinden. Auch wenn sich im Röntgenbild noch keine solchen „Abnutzungserscheinungen“ finden lassen, handelt es sich um den gleichen Schmerz, der aus Muskeln und/oder Unterhaut-Bindegewebe kommt. Der Schmerz ist in diesem Fall nicht rein psychisch, sondern hat eine organische Grundlage in Muskeln und Bindegewebe (auch wenn diese sich in psychischen Belastungssituationen besonders verspannen).

Ist die Startmuster-Haltung einmal chronisch geworden, kann man die ständig kontrahierten Rücken-, Gesäß- und Beinmuskeln leider willkürlich nicht mehr einfach locker lassen, denn es ist eine „Sensomotorische Amnesie“ (Thomas Hanna, siehe Artikel »Schmerztherapie ohne Chemie (PDF)«) entstanden, d.h. diejenigen Hirnteile, wo wir bewusst spüren und bewegen, „wissen“ nicht mehr, wie sie die unwillkürlich verspannten Muskeln bewegen und entspannen können.

Alle Methoden der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® zielen dagegen darauf ab, die sensomotorische Amnesie zu überwinden, so dass sich die Dauerkontraktionen auch des Startmusters auflösen und die Beschwerden damit verschwinden.


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