Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl
Sensomotorische Körpertherapie
nach Dr. Pohl®
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"Chronische Prostatitis", CPPS

Fehldiagnose, Leiden und Beschwerden

Chronische Prostatitis heißt chronische Prostata-Entzündung. Man geht in Urologenkreisen allgemein davon aus, dass es bei Chronischer Prostatitis um eine Erkrankung der Prostata und zwar um eine Entzündung handelt, wobei man sich vorstellt, dass diese Entzündung durch bestimmte Erreger hervorgerufen wird und durch Gabe von Antibiotika zu heilen ist.

Fehldiagnose "Chronische Prostatitis"

Bei der so genannten Chronischen Prostatitis handelt es sich in aller Regel jedoch um eine Fehldiagnose bzw. eine falsche Bezeichnung. Insbesondere wurde mehrfach nachgewiesen, dass sich bei dem so bezeichneten Krankheitsbild keine Erreger in nennenswerter Anzahl finden.

Chronische Prostatitis, CPPS

Zwar gibt es eine akute Prostatitis, bei der tatsächlich die Prostata von Erregern befallen und entzündet ist und bei der Antibiotika helfen. Chronische Beschwerden im Bereich Unterbauch, Beckenboden, Gesäß sind aber fast nie durch eine chronische Prostataentzündung bedingt, wohl aber können sie im Anschluss an eine solche - ohne Erreger, allein durch nachfolgende Verspannungen - entstanden sein. Selbst wenn es bei den Beschwerden der so genannten Chronischen Prostatitis aktuell Entzündungsmarker gibt (so genannte chronische abakterielle Prostatitis), kann die Entzündung doch auch mechanisch und nicht durch Erreger bedingt sein. Die Prostata hat, wenn überhaupt, damit nur marginal und keinesfalls ursächlich zu tun. In den allermeisten Fällen von so genannter "chronischer Prostatitis" ist es jedoch so, dass die Beschwerden mit der Prostata überhaupt nichts zu tun haben, sondern dass sie auf Verspannungen in Unterbauch, Beckenboden und angrenzenden Gebieten zurück zu führen sind.

Wie die Fehldiagnose zustande kommt
die BlaseDie Fehldiagnose kommt dadurch zustande, dass dem Urologen, der eine Diagnose stellen muss, für all diese Störungen, wie unterschiedlich sie auch sein mögen, nur die Diagnose "chronische Prostatitis" zur Verfügung steht. Daher ist es in Deutschland und wohl den meisten westlichen Ländern so, dass bei fast allen länger dauernden Störungen, die bei Männern im Bereich Unterbauch, Gesäß, Beckenboden auftauchen, gewöhnlich die Prostata verantwortlich gemacht und die Diagnose "Chronische Prostatitis" gestellt wird. Verspannungen als Krankheitsursache sind weitgehend unbekannt.

Das Leid der Betroffenen

Die Patienten mit der Diagnose "Chronische Prostatitis" leiden oft unendlich über Jahre und ziehen gewöhnlich von Urologe zu Urologe. Meist werden sie (erfolglos) mit Antibiotika behandelt, manchmal über Monate. Zuweilen werden sie auch (erfolglos) operiert, was durch die Narbenbildung ihr Leiden noch verschlimmern kann.

Bleibt alles ohne befriedigendes Resultat (was im Allgemeinen der Fall ist), werden Patienten mit der Diagnose "Chronische Prostatitis" oft zum Neurologen, Psychiater oder Psychologen überwiesen, wo sie aber im Allgemeinen auch keine Heilung erfahren. Tatsächlich ist nicht die Psyche die Ursache Ihrer Leiden, sondern das Leiden schlägt ihnen allmählich auch auf die Psyche. Kein chronischer Schmerzpatient ohne Depression.

Erschwert wird das Leiden dadurch, dass die Betroffenen über ihre Beschwerden kaum sprechen, weil die betroffene Gegend schambesetzt ist

Der chronischen Prostatitis werden folgende Beschwerden zugeordnet:

Die Beschwerden

Zu den Beschwerden von Männern mit der Diagnose Chronische Prostatitis können folgende Probleme gehören:

Blasenbeschwerden

  • Häufiger, oft auch plötzlicher Harndrang, auch nachts
  • mit oder ohne Dranginkontinenz,
  • Blasenschmerzen
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen (Miktionsstörungen) wie Harnverhalt, Startschwierigkeiten beim Urinieren, zu dünner Harnstrahl, geringer Druck, Nachträufeln
  • Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
  • Restharn (Blase nicht vollständig entleert) oder Gefühl von Restharn
  • Brennen in der Harnröhre
  • Überempfindlichkeit auf Kälte

(nähere Infos dazu finden Sie unter r Blasenbeschwerden)

Schmerzen und Missempfindungen im Unterbauch

  • Schmerzen oft ziehend
  • diffus
  • brennend
  • taubes Gefühl
  • Unterleib aufgebläht
  • Überempfindlichkeit auf Kälte

(Dazu steht mehr unter Bauchbeschwerden)

Schmerz und Missempfindungen im Beckenboden

  • Schmerzen oft ziehend, diffus, brennend, am Damm oder am gesamten Beckenboden
  • Schmerzen bei oder nach dem Urinieren
  • Schmerzen, die tief innen (oft "an der Prostata") empfunden werden, obgleich sie von außen kommen
  • Missempfindungen, die schwer beschreibbar, nicht direkt schmerzhaft, aber äußerst unangenehm, "nervend", ziehend, manchmal auch pulsierend sind
  • Taubheitsgefühle und / oder Kribbeln
  • Überempfindlichkeit auf Kälte, manchmal auch auf Hitze, Berührungsreize, Reibung oder Vibration
  • ausstrahlenden Beschwerden
    - in den Penis bzw.
    - in die Harnröhre (z.B. Brennen an der Penisspitze)
  • Sitzbeschwerden

(Diese Störungen werden unter Beckenbodenbeschwerden näher beschrieben)

Schmerz und Missempfindungen im unteren Gesäß

  • Schmerz oft brennend und "nervend"
  • Taubheitsgefühle und/oder Kribbeln
  • Sitzbeschwerden
  • Sitzbein- und/oder Steißbeinschmerz
  • Überempfindlichkeit auf Kälte und/oder Berührungsreize

(unter Gesäßschmerzen und Steißbeinschmerzen finden Sie mehr zu diesen Beschwerden)

Schmerz und Missempfindungen am After und / oder Enddarm

  • Afterschmerzen
  • Afterkrämpfe
  • Fremdkörpergefühl im After oder im Enddarm (wie ein Golfball, eine Nuss o.ä.)
  • Schmerzhafte Defäkation (Stuhlentleerung)
  • Taubheitsgefühle und/oder Kribbeln um den After
  • Jucken des Afters
  • Afterekzem

(Ergänzende Infos unter Beckenbodenbeschwerden und Andere Missempfindungen)

Schmerz und Missempfindungen am Hoden

  • Hodenschmerzen, oft brennend oder bohrend
  • manchmal mit Zuckungen verbunden (Cremasterreflex)
  • Taubheitsgefühle an den Hoden
  • Kribbeln der Hoden
  • Überempfindlichkeit auf Kälte, Wärme, Berührungsreize, Reibung oder Vibration

(über die Art der Beschwerden und die Missempfindungen steht einiges unter Sexuelle Störungen und Andere Missempfindungen)

Sexuelle Funktionsstörungen

  • Erektionsstörungen
  • Libidoverlust, sexuelle Inappetenz bei jungen Männern

(siehe »Sexuelle Störungen«

Leistenschmerzen

  • Zur Beinseite
  • oder zur Bauchseite hin

(ausführlichere Informationen unter »Leistenschmerzen«)

Adduktorenschmerzen

  • Schmerzen auf der Innenseite der Oberschenkel, zuweilen auch an anderen Stellen der Oberschenkel

(siehe Ischias und Beinschmerzen, Oberschenkelschmerzen)

Hinzu kommen oft noch:

Rückenschmerzen

  • meist im unteren Rücken
  • Kreuzschmerzen
  • Kreuzbeinschmerzen
  • Schmerzen an den Iliosakralgelenken

(Unter der großen Rubrik »Rücken« finden Sie viele Kapitel über die unterschiedlichen Schmerzen im unteren Rücken, am Kreuzbein, an den Iliosakralgelenken).

Schlafstörungen

  • meist durch den nächtlichen Harndrang

(das wird unter »Schlafstörungen« näher beschrieben)

Depressionen und / oder Ängste

  • Depressionen wie bei allen chronischen Schmerzzuständen, (siehe »Depressionen«).
  • Ängste durch das unerklärliche des Zustands, das Zusammengezogensein auf der Vorderseite, das Ausgeliefertsein bei ständigem Harndrang und das oft Peinliche der Beschwerden insgesamt (siehe »Angst«).
  • Auch wenn keine manifeste Depression oder Angst vorliegt, so ist auf jeden Fall nach einer gewissen Zeit die Stimmung eher schlecht und der Antrieb reduziert.

Konzentrationsstörungen

Soziale Folgeschäden

  • Rückzugsreaktionen, Isolation
  • Minderung der beruflichen Leistungsfähigkeit bis zur
  • Berufsunfähigkeit
  • Partnerschaftsprobleme
  • Sucht (Alkohol oder Tabletten, meist als Selbstmedikation begonnen)

Wie man sieht, handelt es sich um ein breites Spektrum von Beschwerden, wobei die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Es handelt sich bei dieser Liste nicht um eine Aufzählung der Beschwerden bei chronischer Prostatitis, sondern um eine Sammlung der Beschwerden von denjenigen Männern, denen allen - bei unterschiedlichsten Beschwerden - die Diagnose "Chronische Prostatitis" gestellt wurde. Bei ein und demselben Patienten ist gewöhnlich nur ein Teil der Beschwerden vorhanden, d.h. Männer mit der gleichen Diagnose können unter ganz unterschiedlichen Beschwerden leiden. Fast keiner hat alles. Natürlich können die einzelnen Beschwerden auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

"Chronische Prostatitis", CPPS - Folge von Muskelverspannung

Neue Denkansätze - neue Therapien

In den letzten Jahren hat man vor allem in USA in Bezug auf die "chronische Prostatitis" angefangen umzudenken. Dort ist das Buch "A Headache in the Pelvis" von Wise und Anderson erschienen (National Center of Pelvic Pain Research, 2004). Anderson und Wise erkannten, dass es sich bei den Beschwerden nicht um ein Problem der Prostata handelt. Sie vertreten daher klar die Meinung, dass es sich um kein im engeren Sinn urologisches Problem handelt sondern um ein Problem der Muskelverspannung. Konsequenterweise nennen sie die Störung nicht mehr "chronische Prostatitis", sondern "chronic pelvic pain syndrom" oder "CPPS".

Unabhängig von Anderson und Wise wurde in Deutschland von Günthert (Urologe) und Pohl (Psychotherapeutin und Körpertherapeutin) in den letzten 20 Jahren ein ähnlicher Ansatz entwickelt. Beide arbeiteten über viele Jahre äußerst fruchtbar zusammen - sowohl theoretisch wie praktisch an gemeinsamen Patienten. Dr. Günthert verdanke ich(H.P.) viel von meinem Wissen auf urologischem Gebiet.

Lesen Sie zu den Grundlagen der körpertherapeutischen Sichtweise und Behandlung den Artikel von Helga Pohl
pdfFunktionelle Unterbauch- und Beckenbeschwerden von 1996

2003 erschien in Deutschland das Buch von E. A. Günthert "Psychosomatische Urologie" (Schattauer 2003), in dem der Autor klar einen Muskelspannungsansatz vertritt, die Beziehung von Muskelspannung und psychischen Problemen herausarbeitet und die Notwendigkeit einer körpertherapeutischen Behandlung betont.

2010 ist in Deutschland im Knaur-Verlag das Buch von Helga Pohl "Unerklärliche Beschwerden?" erschienen, in dem ebenfalls deutlich einen Muskelverspannungsansatz vertreten wird.

Außerdem gibt es in Deutschland ein reges Patientenforum zum Thema "Chronische Prostatitis" (www.medizin-forum.de/prostatitis), in dem das Thema Muskelverspannung und Triggerpunkte bei dieser Diagnose inzwischen breit diskutiert wird.

Ganz allmählich kommt auch in deutschen Urologenkreisen ein Umdenken in Gang.

Geschichte

Behandlung der Dann-MuskulaturInteressant ist, dass die Verursachung der auf der Hauptseite Chronische Prostatitis, CPPS aufgelisteten Beschwerden durch chronische Muskelverspannungen früher schon bekannt war und dann offensichtlich wieder dem Vergessen anheim fiel. Jedenfalls gibt es dickes zweibändiges "Lehrbuch der Massage" von einem Medizinalrat Müller (Marcus und Weber's Verlag, Bonn), das in einer zweiten Auflage 1926 (!) erschienen ist. Der Autor beschreibt dort den Muskelhartspann der Beckenbodenmuskulatur. Diesen Muskelhartspann macht er für eine Reihe von Blasen- Beckenboden- und Sexualstörungen verantwortlich. Die irreführende Bezeichnung "Chronische Prostatitis" gab es damals offensichtlich noch nicht, wohl aber kannte man die Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung). Diese sah Müller aber keineswegs als die Ursache der anderen Beschwerden, sondern diesen gleich geordnet. Er führte sie ebenso wie die anderen Beschwerden auf den Hartspann (die Verspannung) der Beckenbodenmuskulatur zurück.

Für alle diese Beschwerden empfiehlt er eine manuelle (schmerzhafte) Massagebehandlung in der "Beckenhöhle", d.h. der Beckenbodenmuskeln von innen, indem er rektal von außen in diese Höhle eindringt. Die einzelnen Griffe sind detailliert beschrieben und illustriert.

Sichtweise der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl®

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandeln wir seit vielen Jahren Männer mit der Diagnose Chronische Prostatitis und vertreten natürlich auch einen Muskelspannungsansatz.

Das therapeutische Konzept der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® zur Behandlung von CPPS ähnelt dem in USA von Anderson und Wise entwickelten Verfahren, ist aber breiter gefächert (Lesen Sie dazu auch Das Konzept der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl®).

Anderson und Wise verwenden

  • rektale Triggerpunktmassagen des Beckenbodens von innen, über den Anus,
  • Stretching-Übungen,
  • sowie ein mentales Verfahren, das sie Paradoxe Entspannungstechnik nennen, bei dem man bewusst die eigenen Verspannungen akzeptiert, um sie dadurch aufzulösen.

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® beziehen wir

  • nicht nur den Beckenboden,
  • sondern auch andere betroffene Körperpartien
  • nicht nur die Muskeln
  • sondern auch das Bindegewebe / Faszien von Haut und Unterhaut

in die Diagnose und Behandlung mit ein.

Denn zum einen hat sich gezeigt, dass längst nicht alle Beschwerden der so genannten Chronischen Prostatitis vom Beckenboden ausgehen, sondern auch vom Unterbauch, dem unteren Rücken, Gesäß und den Adduktoren, und zum andern, dass ein Teil der Beschwerden nicht von der Muskulatur sondern vom Bindegewebe / Faszien stammt.

Die Bedeutung des Bindegewebes

Im Laufe von 20 Jahren Erfahrung mit köpertherapeutischen Behandlungen hat sich herausgestellt, dass insbesondere

  • alle diffusen und seltsamen Missempfindungen,
  • fast alle brennenden Schmerzen,
  • alle Taubheitsgefühle,
  • alles Kribbeln,
  • die meisten Parästhesien
  • die meisten Überempfindlichkeiten (Hypersensibilisierungen) auf Kälte, Reibungen etc.

nicht - wie die Neurologie vermutet - von einer Schädigung an den Nervensträngen ausgehen, sondern aus den Nervenendigungen im Bindegewebe / Faszien der Haut und Unterhaut kommen (siehe auch Andere Missempfindungen). Für diesen Ansatz spricht, dass sich die Beschwerden mit der speziellen Bindegewebs- / Faszienbehandlung der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® sehr gut beseitigen lassen, während sie sonst therapeutisch als die allerschwierigsten gelten.

Oft sind natürlich sowohl Muskulatur wie Bindegewebe / Faszien betroffen und behandlungsbedürftig.

Vielfalt der Beschwerden

Manche der betroffenen Männer haben überhaupt nichts am Beckenboden und bei anderen liegen überhaupt keine Muskel- sondern nur Bindegewebsverspannungen vor, weshalb leider die Bezeichnung Beckenbodenmyalgie als Oberbegriff für diese Beschwerden auch unzutreffend ist. Da es sogar Männer mit der Diagnose "chronische Prostatitis" gibt, die überhaupt keine Schmerzen verspüren, sondern schmerzfreie (nichts desto weniger quälende) Beschwerden haben (siehe "Chronische Prostatitis", CPPS), trifft leider auch der Ausdruck CPPS (chronic pelvic pain syndrome) nicht ganz.

Am gescheitesten ist es wahrscheinlich, statt eine Sammelbezeichnung zu verwenden, die Beschwerden, unter denen jemand leidet, einfach einzeln beim Namen zu nennen. Jemand leidet dann zum Beispiel unter Harnverhalt und einem Brennen in der Harnröhre, ein anderer unter Gesäßschmerzen und Afterkrämpfen etc., die Möglichkeiten sind vielfältig.

Alles psychisch?

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® halten wir die Beschwerden der so genannten Chronischen Prostatitis nur insofern für psychosomatisch, als manche (nicht alle!) Männer feststellen, dass ihre Beschwerden sich in Stress- und in Belastungssituationen entwickelt haben und /oder verstärken. Das liegt daran, dass man wie bei vielen Beschwerden aufgrund von Muskel- und Bindegewebsverspannungen in negativ erlebten Situationen unwillkürlich die betroffenen Muskel- und Bindegewebspartien noch stärker als gewöhnlich anspannt. Das Gleiche gilt bei Leistungsdruck, unter den man sich bei gegebenen Anforderungen unwillkürlich setzt, indem man die ohnehin verspannten Muskeln noch stärker anspannt. Muskeln und Bindegewebe / Faszien werden im Laufe diese Prozesses immer empfindlicher, nicht nur auf diese Reize hin, sondern oft auch auf Kälte, Druck, Berührungen usw.

Depressionen und Ängste

Die Depressionen und Ängste, die bei manchen Männern mit CPPS auftreten, werden ebenfalls als Folgen von Verspannungen gesehen, die sich in diesen Fällen durch den ganzen Körper ziehen. Mehr oder weniger starke Depressionen sind bei allen ausgeprägten chronischen Schmerzzuständen anzutreffen. Sie sind nicht Ursache, sondern Folge der anderen Beschwerden und werden in der Sensomotorischen Körpertherapie gleich mitbehandelt, und zwar wiederum nicht durch Deutungen, sondern durch körpertherapeutische Verfahren, die natürlich in Gespräche eingebunden sind. Lesen Sie unter Angst, und unter Depression
Näheres dazu und den längeren Artikel Sensomotorische Körpertherapie bei Angst und Depression.

Sensomotorische Amnesie

Es geht in der Körpertherapie nicht darum, dass dem Betroffenen bewusst wird, auf welches Ereignis hin (womöglich in der frühen Kindheit) seine Beschwerden zurück zu führen sind, sondern dass er in seinem Alltag jetzt die Verspannungen bewusst spüren lernt, und zwar nicht als etwas, was er hat, sondern was er (unwillkürlich) tut. Damit kann ihm klar werden, worunter er eigentlich leidet und er kann die bewusste, sensorische Steuerung seiner Muskulatur wiedererlangen.

Zunächst aber leiden die Betroffenen unter einer "Sensomotorischen Amnesie" (Ausdruck von Thomas Hanna) für die betroffenen Körperteile, d.h. sie spüren ihre Verspannungen gewöhnlich nicht und merken auch nicht die Bewegungseinschränkung, die mit den Dauerkontraktionen verbunden ist. So ist den meisten Männern mit einer Prostatitisdiagnose zunächst nicht bewusst, dass die Atembewegung bei ihnen eingeschränkt ist, weil Bauch- und Beckenbodenmuskulatur fest sind, ja schon die Vorstellung, in den Beckenboden zu atmen, scheint ihnen zunächst absurd. Durch die körpertherapeutische Behandlung findet ein körperlich geerdeter Bewusstmachungsprozess statt. Man lernt zu spüren, was man (unwillkürlich) tut.

Durch die Behandlung mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® verliert man sowohl die Sensomotorische Amnesie wie die Übersensibilisierung, so dass man in Stress- und Belastungssituationen gelassener bleibt (siehe Artikel "Alles psychosomatisch?" und "Psychosomatik - eine neue Sichtweise"). Das Gleiche gilt für die mentale Präokkupation mit den Beschwerden und damit für die Konzentrationsstörungen: sie verschwinden bei der körpertherapeutischen Behandlung.

Die Behandlung

Wie man in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® sowohl die unterschiedlichen körperlichen Beschwerden wie auch gegebenenfalls die psychischen Beschwerden behandelt, erfahren Sie unter Die Behandlung von "chronischer Prostatitis", CPPS

Therapeuten, die urogenitale Beschwerden mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandeln, finden Sie auf der Therapeutenliste.

Behandlung von "chronischer Prostatitis", CPPS

Behandlung der "chronischen Prostatitis", CPPS mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl®, Behandlung von Triggerpunkten und Bindegewebe, Körperbewusstseinstraining, Übungen.

In der Behandlung der Beschwerden der so genannten "Chronischen Prostatitis" oder des CPPS gehen wir in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® unterschiedlich vor, je nach dem, welche Beschwerden im Vordergrund stehen. Denn da wir nicht davon ausgehen, dass es sich bei der Chronischen Prostatitis um ein einheitliches Beschwerdebild handelt, behandeln wir nicht einheitlich, sondern höchst individuell.

In Frage kommen

  • eine aktive Triggerpunktbehandlung der MuskulaturBeckenboden
    • des gesamten Beckenbodens
      • von innen
      • wie von außen
    • und / oder des Afterschließmuskels
    • und / oder des äußeren Blasenschließmuskels
  • und / oder eine Bindegewebsbehandlung
    • des Beckenbodens von außen
  • und / oder eine Muskel- und / der Bindegewebsbehandlung
    • des Unterbauchs, inklusive der Iliopsoas-Muskeln und / oder
    • der Leiste
    • des unteren Gesäßes
    • des Cremastermuskels (bei Hodenschmerzen)
    • der Adduktoren und anderer Oberschenkelmuskeln
    • des unteren Rückens
  • Pandiculations (aus Hanna Somatics) der verspannten Muskeln von
    • Unterbauch und / oder
    • Iliopsoas
    • Leiste
    • Adduktoren
    • Rücken
    • Gesäß
    • (an Beckenbodenmuskeln und Cremaster nicht möglich)
  • ein Körperbewusstseintraining
  • Sensomotorische Übungen

Zu den einzelnen Verfahren siehe auch "Die Behandlung".

Bei jedem Patienten werden genau diejenigen Muskeln und / oder Bindegewebspartien behandelt, die in seinem individuellen Fall Probleme machen. Im Zentrum der Behandlung mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® stehen dabei zuerst die manuelle Aktive Triggerpunktbehandlung der Muskeln und die Bindegewebs- / Faszienbehandlung.

Aktive Triggerpunkt- Behandlung

Bei der aktiven Triggerpunktbehandlung sucht man zunächst mit der Hand die - oft extrem - druck schmerzhaften Punkte in Muskulatur, Sehnen und Faszien und zwar sowohl in dem Gebiet, wo der Patient seine Beschwerden zeigt, wie auch im zugehörigen Spannungsmuster. Dann behandelt man diese Punkt mit wohl dosiertem Druck, während der Patient gleichzeitig die betroffenen Muskeln bewegt. Durch das Bewegen ist die Behandlung weniger schmerzhaft, der Patient spannt nicht dagegen, und die Triggerpunkte lösen sich eher.

Bindegewebsbehandlung

Bei dieser Behandlung übt man verlagernden Druck auf die betroffenen Körperpartien der Haut und Unterhaut aus. Dieser Druck ist zunächst schmerzhaft, was im Laufe einiger Behandlungen nachlässt. Wiederholt man die Behandlungen oft genug, sind die betroffenen Gebiete schließlich nicht mehr druckschmerzhaft, sondern verhalten sich wie andere, gesunde Körperteile. Damit verschwindet auch die Überempfindlichkeit auf Kälte oder Berührung. Mit normalen Massagen, auch den normalen Bindegewebsmassagen haben diese Verfahren nichts zu tun.

Pandiculations

Sind durch die manuellen Muskel- und Bindegewebsbehandlungen die hauptsächlichen akuten Schmerz- und Missempfindungspunkte bereits einigermaßen aufgelöst, setzt man, um das Spüren des eigenen Körpers und damit die bewusste Steuerung der Muskulatur wieder zu erlangen, in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® die Pandiculations von Hanna Somatics, die somatischen Übungen und das Körperbewusstseinstraining ein.

Diese Verfahren beinhalten gleichzeitig eine Aufmerksamkeitsschulung, d.h. man lernt, exakt zu spüren, was man mit seinen Muskeln tut. Das ist ein natürliches Biofeedback. Da man die unwillkürlich verspannten Muskeln zunächst bewusst nicht entspannen kann (wenn man das könnte, wäre die Behandlung nicht nötig!), beginnt man bei den Pandiculations damit, diese Muskeln gegen den manuellen Widerstand des Therapeuten willkürlich noch stärker anzuspannen und dann langsam mit Unterstützung des Therapeuten bewusst aus dieser Spannung heraus zu gehen, wobei sich die betreffenden Muskeln entspannen können.

Sensomotorische Übungen

Sensomotorische ÜbungenNach dem gleichen Prinzip funktionieren die Sensomotorischen Übungen, die individuell ausgesucht und eingesetzt werden zur Aufrechterhaltung des Behandlungserfolgeserfolges. Die Übungen gelten nicht nur dem Beckenboden, sondern dem gesamten Verspannungsmuster. Man lernt mit ihnen allmählich wieder eine willkürliche Steuerung der betroffenen Muskeln und verliert damit die Sensomotorische Amnesie. Das hat mit den üblichen Kräftigungsübungen nichts zu tun. Die Übungen können die Patienten zwischen den Behandlungen zu Hause ausführen.

Das Körperbewusstseinstraining

Das Körperbewusstseinstraining der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® dient neben der bewussten Entspannung der jeweils verspannten Muskulatur im Alltag (siehe Die Behandlung") auch zur Bewusstmachung und Ausmerzung von "dummen Angewohnheiten".

Eine "dumme Angewohnheit" ist es zum Beispiel,

  • Unterbauch und Beckenboden immer dann stärker anzuspannen, wenn man
    • Unter Druck steht
    • sich auf etwas konzentriert
  • immer mit angespanntem Beckenboden herum zu laufen
  • bei der Arbeit immer vorgebeugt zu stehen oder
  • mit abgeklapptem Becken zu sitzen, was die Atmung nach unten verhindert
  • etc.

Ändern soll sich mit dem Körperbewusstseinstraining die Alltagsbewegung und Haltung, denn da wird das ganze Problem mit der so genannten "Prostatitis" gewöhnlich aufrecht erhalten und die beste manuelle Behandlung nützt nichts, wenn man im Alltag wieder seine alten Angewohnheiten einschleifen lässt. Auch das Körperbewusstseintraining ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich angelegt.

Atembehandlung

Immer mit betroffen ist bei allen Männern mit so genannter chronischer Prostatitis die Atmung, denn wenn Unterbauch, Beckenboden und eventuell auch die Iliopsoas-Muskeln und der untere Rücken fest sind, heißt das, dass die Atmung nach unten nicht oder nicht in vollem Umfang möglich ist, was aber - wie oben erwähnt - den Betroffenen am Anfang nicht bewusst ist (siehe Fehlatmung).

Die Behandlung mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® schließt daher bei so genannter chronischer Prostatitis immer eine Behandlung der Atemmuskulatur und ein entsprechendes Körperbewusstseinstraining ein. Fließt dadurch die Atmung wieder frei, werden Unterbauch, Beckenboden, Blase und unterer Rücken im Alltag durch die Atmung anstatt in Dauerkontraktion ständig in Bewegung gehalten - was der normale, gesunde Zustand ist (Näheres dazu unter Die normale Atmung). Das beugt Rückfällen vor.

Behandlung der Fehlhaltung

Die Behandlung von Fehlhaltungen, d.h. von Verspannungsmustern, die sich durch den ganzen Körper ziehen und die die Beschwerden möglicherweise aufrechterhalten, ist wieder je nach Beschwerdebild unterschiedlich (siehe Zustand ist (Näheres dazu unter "Fehlhaltungen").

Bei vielen Männern mit Beckenbodenbeschwerden ist zum Beispiel der Bauch ständig angespannt, was eine eher vorgebeugte Haltung ergibt, und auch die Adduktoren befinden sich in Dauerspannung (siehe "Stoppmuster"). Andere Männer mit Beckenbodenbeschwerden stehen und gehen so, dass sie immer die Gesäßbacken angezogen halten. Dabei ist gewöhnlich unbemerkt auch der hintere Beckenboden mitsamt dem Afterschließmuskel und die Gesäßmuskulatur angespannt. Der Oberkörper ist bei diesem Spannungsmuster zurück gebeugt und die Betroffenen gehen, sitzen und stehen mit außenrotierten Beinen (Näheres zu dieser Haltung finden Sie unter Startmuster). Manche stehen, gehen, sitzen und bewegen sich schief, womit gewöhnlich einseitige oder einseitig betonte Beschwerden verbunden sind (Näheres dazu unter Traumamuster).

Dauer der Behandlung

Insgesamt lässt sich mit diesem breit gefächerten Angebot so ziemlich jeder individuelle Fall erfolgreich verstehen und behandeln. Die Länge der Behandlung ist allerdings von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, was auch vom Umfang und dem Grad der Chronifizierung der Beschwerden abhängt. Zwischen einer und fünfzig Behandlungen ist alles schon da gewesen. Die meisten Fälle mit so genannter "chronischer Prostatitis" brauchen in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® etwa 10 bis 20 Stunden, wobei man eine merkliche Besserung der Beschwerden aber gewöhnlich schon nach den ersten Behandlungsstunden spürt.

Chronische "Prostatitis", CPPS behandeln professionell die Ärzte, Psychotherapeuten und Heilpraktiker, die auf der Therapeutenliste stehen.

Das Buch von Dr. Pohl

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