Formen der Fehlatmung
Regelmäßig kann man bei Atemstörungen eine Fehlatmung feststellen, die durch Verspannungen bedingt ist. Im Unterschied zu den Atemstörungen, die direkt als unangenehm erlebt werden, fällt einem selbst die Fehlatmung meistens gar nicht auf. Bei den einzelnen Fehlatmungsformen wirken sich die Verspannungen der einzelnen Atemmuskeln unterschiedlich aus, immer aber schränken sie die Atmung ein.
Brustatmung oder Bauchatmung?
Immer sollte sich bei der normalen Atmung der ganze Rumpf bewegen, auch wenn das Ausmaß der Atembewegung je nach Tätigkeit und Körperstellung schwankt. Immer aber ist es der ganze Rumpf, der in die Atembewegung einbezogen ist. Die Hauptatembewegung findet vorne statt, aber es gibt durchaus auch eine Rückenatmung. Die normale Atmung ist eine Vollatmung. Wer also nur mit dem Bauch atmet, ist im Atemvolumen ebenso eingeschränkt, wie jemand der nur mit dem Brustkorb atmet.
Viele Menschen atmen, ohne es zu wissen, nur mit dem Brustkorb, während sie die Baumuskeln ständig unwillkürlich angespannt halten. Sie atmen ihr ganzes Leben lang auf Sparflamme. Das Anspannen der Bauchmuskeln geschieht außer durch dumme Angewohnheiten aufgrund von Eitelkeit oder falsch verstandenem Sportideal hauptsächlich unwillkürlich bei Stress und anderen Belastungen.
Andere sind stolz auf ihre Bauchatmung, aber wenn man genauer hinschaut, Sieht man, dass sich der Bauch zwar mit der Atmung bewegt, der Brustkorb aber nicht. Auch diese Menschen bekommen zu wenig Luft.
Die Hochatmung
Sehr verbreitet ist die Hochatmung. Bei der Hochatmung geht die Atembewegung nicht nach unten in den Bauch, sondern der Brustkorb wird mit den Halsmuskeln bei jeder Einatmung nach oben gezogen. Man sieht das bei andern Menschen an den verspannten Halsmuskeln. Diese werden eingesetzt, weil die anderen Wege nicht gangbar sind. Wenn also die Lunge sich nicht im Brustkorb, Bauch, Rücken und Beckenboden ausdehnen kann, bleibt nur noch, ihr nach oben Raum zu schaffen. Das geschieht durch das Hochziehen (anstatt des Weitens) des Brustkorbs. Oft kann man bei Menschen mit dieser Art von Atemstörung eine Seufzeratmung beobachten und häufige zwischengeschaltete „tiefe“ Atemzüge, bei der sie aber nur forcierte Hochatmung betreiben.
Die paradoxe Atmung
Andere Patienten mit Atemstörungen haben eine paradoxe Atmung, d.h. sie ziehen den Bauch bei der Einatmung ein, anstatt ihn heraus zu lassen. Sie atmen sozusagen umgekehrt. Logischerweise bekommt man mit dieser Atemform nur wenig Luft, denn die Lunge kann sich beim Einatmen ja nicht nach unten in den Bauch ausdehnen. Auch diese Fehlatemform ist den Patienten überhaupt nicht bewusst. Oft sieht man sie am liegenden Patienten nicht, wohl aber im Stehen und Sitzen.
Fixierte Ausatmung
Zu Atemstörungen kommt es, wenn ein Teil der Atemmuskeln verspannt ist, sich also in Dauerkontraktion befindet und nicht entspannen kann, wenn er an der Reihe ist.
Meist sind hauptsächlich die Ausatemmuskeln bzw. das Bindegewebe auf ihnen verspannt (am allerhäufigsten der große, gerade Bauchmuskel). Bei solchen Menschen befinden sich die Atemmuskeln also ständig im Zustand der Ausatmung, so dass kaum Einatmung stattfinden kann. Das ist zum Beispiel bei allen Menschen mit vorgebeugter Haltung der Fall. Sie bekommen definitiv zu wenig Luft
Fixierte Einatmung
Es gibt aber auch Menschen, bei denen hauptsächlich die Einatemmuskulatur verspannt ist. Diese Menschen können vor allem schlecht ausatmen (z.B. viele Asthmatiker). Man erkennt Menschen mit fixierter Einatmung daran, dass der Brustkorb wie aufgebläht wirkt, sich aber gleichzeitig bei der Einatmung nur wenig bewegt. Auch diese Menschen bekommen zu wenig Luft, denn um voll einatmen zu können, muss man vor allem zuerst ausatmen können.
Manchmal ist auch ein Teil der Einatemmuskeln verspannt und ein Teil der Ausatemmuskeln. Immer aber gilt natürlich: Egal ob Ein- oder Ausatemmuskeln verspannt sind, die jeweiligen Antagonisten (Gegenspieler) können sich auch wenig rühren, die gesamte Atmung ist also eingeschränkt. Das kann man selbst probieren: Atmet man forciert aus und hält die Muskeln in dieser Position, ist sowohl Ein- wie Ausatmung nur noch sehr reduziert möglich. Atmet man forciert ein, indem man zum Beispiel den Brustkorb aufbläst und ihn dann so lässt, ist das Atemvolumen wiederum sehr eingeschränkt. Das heißt: auch wenn der Brustkorb ständig in Einatemstellung fixiert ist, also aufgebläht ist, bekommt man zu wenig Luft.
Leider kann man solche Atemänderungen und Atemexperimente nur dann wirklich durchführen, wen man nicht selbst eine der Atemstörungen hat.
Hyperventilation
Die Hyperventilation ist weit verbreitet, wenn sie auch den meisten Betroffenen selbst nicht bewusst ist. Es wird dabei im Verhältnis zur ausgeübten muskulären Tätigkeit zu schnell geatmet und dadurch zu viel Sauerstoff eingeatmet, bzw. zu viel Kohlensäure abgeatmet. Wenn jemand sich ungeheuer anstrengt und dabei schnell und viel atmet, ist das natürlich keine Hyperventilation, sondern eine adäquate Anpassung der Atembewegung. Häufig ist Hyperventilation mit Mundatmung verbunden, denn durch den offenen Mund kann man schneller nach Luft schnappen als durch die Nase. Das Signal für die Hyperventilation erfolgt gewöhnlich dadurch, dass die Betroffenen - meist ohne dass ihnen das recht bewusst wird – an bestimmten Stellen eine Einengung der Atembewegung spüren (zum Beispiel durch eine Hochatmung). Das verschafft ihnen das Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen, was gewöhnlich mit einem Angstgefühl verbunden ist. Diese mehr oder weniger unbewussten Empfindungen veranlassen sie mehr (im Sinne von schneller) zu atmen.
Die Folgen der Hyperventilation bei den Betroffenen sind mannigfach:
- sie spüren ein Kribbeln in den Händen, oft auch in den Füßen (das ist oft das erste Symptom, das bemerkt wird)
- sie haben das Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen, was als sehr bedrohlich erlebt wird (in Wirklichkeit haben sie sich so voll gepumpt mit Luft, dass aus diesem Grunde kaum mehr etwas hinein geht)
- Die Menschen fühlen sich aufgeregt, unruhig bis hin zu panischer Angst, ja Todesangst.
- Sie leiden unter Herzklopfen und -rasen, weil das Herz ja den zu viel eingeatmeten Sauerstoff verarbeiten muss.
- Sie haben im Kopf eine “Mattscheibe“, d.h. Im Extremfall erinnern sie plötzlich die einfachsten Dinge nicht mehr: normale Wörter des täglichen Gebrauchs, die eigene Telefonnummer, ja manchmal sogar den eigenen Namen. Sie wirken verwirrt und fühlen sich auch so.
- Es wird ihnen schwarz vor Augen.
- Sie fühlen sich schwach und schwindlig, müssen sich hinlegen, weil sie meinen, sich nicht mehr auf den Beinen halten oder sitzen zu können
- Es kann bis zur Ohnmacht kommen.
- Die Muskeln krampfen, es kann zur „Pfötchenstellung“ der Hände kommen.
Das alles kann sehr dramatische Ausmaße annehmen. Manche werden mit dem Notarztwagen in die nächste Klinik gebracht. Die Patienten leiden extrem und glauben meist, irgendeine furchtbare akute Krankheit zu haben und gleich sterben zu müssen.
Natürlich gibt es auch harmlosere Versionen, bei denen die Betroffenen sich zum Beispiel nur kurz schwindlig fühlen oder ständig überwach und aufgeregt sind und sich wie getrieben fühlen.
So dramatisch das Ganze sein kann, so ist die Lösung doch meist recht einfach: man muss dafür sorgen, dass der Betreffende weniger Sauerstoff bekommt relativ zu dem, was er tut.. Eine uralte Lösung ist die Tütenmethode: man lässt den Hyperventilierer eine Tüte vor den Mund halten und in die Tüte atmen. Damit atmet er seine verbrauchte Luft wieder ein. Eine elegantere Lösung ist: langsames Ausatmen mit einer Pause am Ende der Ausatmung.
Am allerbesten ist es, mit Sensomotorischer Körpertherapie diejenigen Muskeln bzw. das Bindegewebe auf ihnen zu bearbeiten, durch die die Atmung eingeengt ist, was sonst den Reiz zur Hyperventilation liefert.
Therapeuten, die mit »Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl®« behandeln, finden Sie auf der Therapeutenliste.