Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl - Atemstörungen durch Verspannung der Atemmuskulatur bzw. des Bindegewebes


Atemstörungen

Anders als bei den verschiedenen Formen der Fehlatmung, die weitgehend unbemerkt ablaufen, sind Atemstörungen Missempfindungen bei der Atmung, die sich unangenehm bemerkbar machen. Atemstörungen basieren allerdings fast immer auf irgendeiner Art der Fehlatmung.

Zu den Atemstörungen gehören:

AtemstörungenAll diese Missempfindungen bei der Atmung sind auf Einschränkungen der Atembewegung zurück zu führen. Viele Menschen (auch Ärzte und Heilpraktiker!) denken bei Atemstörungen zunächst an die Lunge. Sie gehen nämlich davon aus, die Atembewegung komme dadurch zustande, dass die Lunge sich ausdehnt und zusammen zieht und dass man das an der Bewegung außen sieht. Diese Vorstellung ist aber erwiesenermaßen falsch. Die Lunge wird geatmet. Das heißt, sie wird von den außen befindlichen Muskeln auseinander gezogen und zusammen gedrückt. Da jedoch die „Lungenvorstellung“ führend ist, wird bei den oben erwähnten Störungen meist nur die Lunge untersucht. Findet man an dieser nichts, wird oft diagnostiziert, dass die Beschwerden psychisch verursacht seien.

Siehe auch

Natürlich gibt es tatsächlich Atemstörungen, die auf Lungenerkrankungen zurückgehen (zum Beispiel Lungenkrebs, Wasser in den Lungen, Lungenemphysem usw.), aber die Tatsache, dass man häufig keine Lungenerkrankung bei Atemstörungen findet, heißt noch lange nicht, dass kein körperlicher Befund vorliegt. Vielmehr lassen sich Verspannungen in der Atemmuskulatur (meist Bauch- und Brustmuskulatur) bzw. im Bindegewebe auf diesen Muskeln finden. Diese sind zwar bisher mit keinem Gerät feststellbar, aber mit geschulter Hand leicht ertastbar. Diese Dauerkontraktionen verhindern die normale Atmung und das normale Atmungsempfinden.

Ein Teil der organischen Lungenerkrankungen wie das Lungenemphysem sind durch solche lang dauernde funktionelle Störung der Atemfunktion entstanden. Sie lassen sich durch Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl® zwar nicht mehr vollständig beseitigen, aber doch noch wesentlich bessern.

Bei allen Atemmissempfindungen werden die Patienten genau befragt, wo sie die Beschwerden wahrnehmen.

Im Einzelnen trifft man hauptsächliche folgende Atemstörungen:

Kurzatmigkeit und mühsames Atmen

kann man oft schon von weitem hören. Die Betroffenen müssen sich beim Atmen und Bewegen sehr anstrengen. Das kommt daher, dass ihre „normale“ Atembewegung nicht ausreicht, um ihre Muskeln in der Bewegung, und sei es nur im langsamen Gehen, ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Manchmal tritt die Kurzatmigkeit auch erst bei etwas größeren Anforderungen an die Muskulatur auf. Dann bleiben die betreffenden Menschen zum Beispiel nach erklimmen der Treppe in einem Einfamilienhaus schwer atmend stehen und können sich erst mal nicht weiter bewegen. Häufig herrscht bei Kurzatmigkeit Hochatmung vor, weil durch muskuläre Verspannungen nicht nach unten geatmet werden kann. Der Teil der Lunge, den man mit der Hochatmung füllen kann, ist sehr klein, so dass man mit dieser Atemform sehr wenig Luft bekommt. Daher kommt man in Atemnot, sobald eine Aufgabe ansteht, bei der die Muskeln mehr Sauerstoff bräuchten (zum Beispiel beim Treppensteigen). Auf die Frage, wo die Atemblockade sitzt, die sie nicht weiter nach unten atmen lässt, zeigen Patienten häufig zum Beispiel den Brustkorb vorn oder den Oberbauch. Hier finden sich dann die Verspannungen. Atemnot (oft verbunden mit Angst) wird oft auch im Hals empfunden.

siehe

Mit der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandelt man Muskulatur und Bindegewebe an genau den Stellen, an denen die Atemblockade empfunden wird, bzw. da, wo der Therapeut sieht, dass beim Atmen keine Bewegung stattfindet. Außerdem lernt der Patient mittels Übungen und Körperbewusstseinstraining freies und tiefes Atmen.

Asthma

Hier tritt eine anfallsartige, hochgradige Atemnot ein. Meist führen die Betroffenen ein Spray mit sich, dass sie im Falle eines Anfalls einsetzen. Im Extremfall kann ein Asthmaanfall unbehandelt tödlich enden. Manchmal bildet sich Asthma nach frühen Lungenentzündungen oder Vergiftungen mit Lösungsmitteln, d.h. es kommt unter diesen schweren Erkrankungen zu Verspannungen der Atemmuskulatur.

Manchmal ist das Asthma auch allergisch, tritt zum Beispiel beim herumfliegen bestimmter Blütenpollen oder auch bestimmte leichter Giftstoffe (z.B. in Lack- und Farbdünsten) oder auf Stäube auf. Das heißt, der Körper reagiert hier mit der Atemmuskulatur überempfindlich auf alles, was an Schadstoffen oder vermeintlichen Schadstoffen in der Atemluft enthalten ist. Er drosselt dann die Zufuhr von Atemluft ab.

Selbst Kälte- und / oder Hitzereize können zu Asthmaauslösern werden, d.h. die Atemmuskulatur reagiert auch auf diese Reize überstark mit Drosseln der der Zufuhr von zu kalt oder zu heiß empfundener Luft.

Findet sich kein solcher Auslöser, keine Entzündung und kein Allergen, gilt Asthma häufig als psychisch bedingt oder psychosomatisch, was insofern richtig ist, als die Atemmuskulatur schnell auf alle möglichen Belastungen reagiert und bei jedem Gefühl beteiligt ist.

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® finden wir bei allen Asthmaformen massive Verspannungen in Atemmuskulatur bzw. im Bindegewebe auf diesen Muskeln. Meist die gesamte Atemmuskulatur verspannt, besonders aber der Brustkorb vorn. Manchmal ist auch der Brustkorb hinten starr wie ein Brett. All das ist auch außerhalb des eigentlichen Asthmaanfalls wahrnehmbar. Die Atmung ist also auch im anfallfreien Intervall gestört. Erschwert ist meist die Ausatmung, aber es kommen auch Fälle von erschwerter Einatmung vor.

In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandeln wir die betroffenen Atemmuskeln bzw. das Unterhautbindegewebe auf diesen Muskeln, zeigen den Patienten bestimmte Atemübungen zur Befreiung der Atemmuskulatur und führen ein Körperbewusstseintraining zur Atemwahrnehmung durch.

Durch diese Maßnahmen lösen sich die Atemblockaden, die Atemnot und die Überempfindlichkeit. Gleichzeitig bessert sich die Stimmung.

Druck- und Engegefühle beim Atmen

Druck- und Engegefühle am Brustkorb entstehen dadurch, dass diejenigen Muskeln, die für die Ausatmung zuständig sind, sich in Dauerkontraktion befinden und daher bei der Einatmung nicht nachgeben, das heißt, nicht so lang werden, wie das normalerweise der Fall wäre. Daher kann sich der Brustkorb bei der Einatmung nicht genügend weiten und die Lunge sich nicht entsprechend ausdehnen. Das wird als Beengung, Beklemmung oder als Druck auf der Brust empfunden. Diese Druck- und Engegefühle treten vor allem am Brustkorb vorn in der Mitte, also am Brustbein und daneben auf, wo sich nur (in diesem Fall verspannte) Ausatem- und keine Einatemmuskeln befinden. Auch die Ansätze verspannter Brustmuskeln können zu den Beklemmungsgefühlen beitragen, da auch sie verhindern können, dass sich der Brustkorb vorn ausreichend ausdehnen kann. Bei manchen Menschen sind auch die Zwischenrippenmuskeln an den Rippenbögen von der Verspannung betroffen.

Die Betroffenen schildern die Beengungsgefühle oft als: “Wie ein zentnerschwerer Stein auf der Brust“ „Als ob jemand auf dem Brustkorb vorne drauf sitzt“ „Wie eine Eisenring um die Brust“, „Das drückt mir die Luft zum Atmen ab“.

Druck- und Enge werden oft als „psychisch“ unangenehm, als beklemmend und bedrückend erlebt. Daher sind diese Empfindungen oft Teil des depressiven Erlebens (siehe »Depression«). Ist zusätzlich die Bauchatmung eingeschränkt, wird die Enge des Brustkorbs oft als bedrohlich erlebt, da man dann insgesamt zu wenig atmen kann, was Angstempfindungen hervor rufen kann (siehe unter »Angst«). Treten die Beschwerden nachts auf, wurden sie vor allem früher als nächtliches Albdrücken bezeichnet. Auf alten Stichen, die dieses Albdrücken darstellen, sieht man das Fabelwesen Alb immer vorn auf der Brust sitzen, also genau da, wo auch heute noch der unangenehme Druck empfunden wird.

Druck- und Engegefühle können natürlich auch bei allen anderen Atemstörungen, inklusive derjenigen mit organischen Veränderungen, auftreten, denn bei allen diesen Störungen ist ja die Atmung auf irgendeine Weise eingeschränkt.

Als Behandler kann man die Stellen, an denen die Druck- und Engegefühle empfunden werden, deutlich erkennen. Es sind genau diejenigen Stellen, die sich bei der Atmung nicht bewegen.

Behandelt man diese Stellen mittels der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® (siehe »Die Behandlung«), werden die betroffenen Muskeln wieder frei beweglich und automatisch in die natürliche unwillkürliche Atmung mit einbezogen. Damit verschwinden auch die unangenehmen Druck- und Engegefühle.

Schmerzen beim Atmen

treten hauptsächlich am Brustkorb auf, und zwar gleich oft vorn, seitlich oder hinten. Hinten schmerzen vor allem die Muskeln Serratus posterior inferior und Serratus posterior superior, aber auch alle anderen Stellen des Rückens kommen in Betracht. Seitlich und vorn kommen vor allem die Interkostal- (also die Zwischenrippen-) Muskeln in Betracht. Sehr schnell wird die Atmung infolge der Schmerzen eingeschränkt.

Die Stellen der eingeschränkten Atmung kann man von außen sehen. Außerdem kann natürlich auch der Patient zeigen, wo es ihm beim Atmen weh tut. Die Bearbeitung der entsprechenden Muskeln sowie des Bindegewebes auf diesen Muskeln reicht oft zur Beseitigung der Schmerzen beim Atmen. Manchmal muss man noch die gesamte Körperhaltung und eine Fehlatmung behandeln.

Chronische Bronchitis

Obwohl bei chronischer Bronchitis die Störung ja wirklich innen, nämlich in den Bronchien, liegt, ist sie doch von außen behandelbar. Dies ist vermutlich dadurch zu erklären, dass, wenn die Atemmuskulatur außen sich lockert, die ganze Bronchiengegend besser bewegt, belüftet und durchblutet wird, wodurch die lokale Abwehr sich bessert.

Bei chronischer Bronchitis ist vor allem die Intercostal- und Brustmuskulatur verspannt und zwar genau an der Stelle, wo innen die Bronchien liegen. Auch in diesem Fall werden die Patienten in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® gefragt, was sie spüren, von wo genau Ihr Husten kommt. An diesen Stellen finden sich von außen gut tastbare Verspannungen in Muskulatur und / oder Bindegewebe. Diese Verspannungen werden via Myogelosen- und Bindgewebsbehandlung in der Sensomotorischen Körpertherapie als erstes behandelt. Im Anschluss daran fahndet man nach weiteren Atemeinschränkungen, die sich dadurch verraten, als die betroffenen Stellen sich bei der Atmung nicht bewegen, und behandelt auch diese Stellen. Anschließen erhält der Patient noch bestimmte Übungen, um die Atemmuskulatur beweglich zu halten.

Bei chronischem Husten ohne Auswurf siehe auch unter

Die Missempfindungen bei der Atmung geben sich meist von alleine, sobald die entsprechenden Muskeln befreit sind. Ein Körperbewussteinstraining speziell für die Atmung kann helfen „dumme Angewohnheiten“, die immer in inadäquaten Kontraktionen bestehen, wieder bleiben zu lassen.

Stimmstörungen

Stimmstörungen liegt ebenfalls eine Verspannung der Atemmuskulatur bzw. des Bindegewebes auf ihnen zugrunde.

So ist zum Beispiel die bei Lehrern und anderen Menschen, die in ihrem Beruf stimmlich sehr gefordert sind, häufig anzutreffende „Kehlkopfentzündung“ meist auf falsche Atemtechnik infolge von Verspannung zurück zu führen. Die Betroffenen sprechen nicht, indem sie bei der Ausatmung den Unterbauch langsam hinein gehen lassen, sondern halten in aller Regel den Bauch steif und strengen sich oben im Hals gewaltig an. Ähnliches gilt für Sänger, die eine falsche Atemtechnik gelernt haben oder von Anfang an verspannt waren.

Zu beachten ist, dass viele Atemstörungen mit Beeinträchtigungen der Stimmung und des Allgemeinbefindens einhergehen, bzw. dass Angst und Depression immer und allgemeine Schwächegefühle oft mit eingeschränkter Atmung verbunden sind. Diese Atemeinschränkung wird meist nicht bemerkt, ist aber auch ohne Geräte leicht feststellbar.

Zu beachten ist ferner, dass auf reflektorischem Wege auch verspannte Gesichtsmuskulatur Atemeinschränkungen bewirken kann. Daher werden bei Atemstörungen oft auch diese Gesichtsmuskeln mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandelt.

Siehe auch unter


Therapeuten, die mit »Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl®« behandeln, finden Sie auf der Therapeutenliste.