Wadenschmerzen aus Dauerkontraktionen der verschiedenen Wadenmuskeln, -faszien und Bindegewebspartien. Ursachen unterschiedlicher Wadenschmerzen und Wadenverspannungen.

Chronische Wadenschmerzen gehen von verspannten Wadenmuskeln bzw. deren Faszien und/oder vom Bindegewebe / Faszien auf diesen Muskeln aus.

Funktionen (und Störungsmöglichkeiten) der Wadenmuskeln
Funktionen (und Störungsmöglichkeiten) der Wadenmuskeln
Alle Wadenmuskeln zusammen heben beim Gehen die Ferse des hinteren Fußes mitsamt dem Körpergewicht hoch und leiten damit die Abrollbewegung ein. Von der Kraft her tragen die großen Wadenmuskeln (Gastrocnemius und Soleus) am meisten zum Transport des Körpergewichts beim Gehen bei.

Einzelne Wadenmuskeln haben außerdem noch andere Aufgaben:
  • Die Gastrocnemius-Muskeln beugen auch die Knie.
  • Die Zehenbeuger krümmen auch die Zehen.
  • Die Tibialis-posterior-Muskeln ziehen auch die Innenseite der Füße hoch und stabilisieren damit den Fuß beim Abrollen.

Wadenschmerzen aus Muskeln, Faszien und Bindegewebe

Myofasziale Wadenschmerzen sind meist ziehend oder bohrend und verstärken sich oft nach starker Beanspruchung (z.B. bei längerem Joggen, Heben von Gewichten, nach einer Bergwanderung). Die Schmerzen können so stark werden, dass man sich ein paar Tage kaum bewegen kann.

Schmerzen aus dem Bindegebe der Haut und Unterhaut sind häufig brennend und können auch im Ruhezustand besonders "nervend" sein. Je nachdem, was genau in Dauerkontraktion ist, gibt es gibt es unterschiedliche Schmerzen und Bewegungseinschränkungen an unterschiedlichen Stellen der Waden, Kniekehlen und Füße.

Ursachen

Schmerzhafte Waden-Verspannungen sind je nach betroffenen Muskeln und Bindegewebsparten auf unterschiedliche Ursachen zurück zu führen. Welche Ursachen genau in Frage kommen, steht auf dieser Seite unter


Schmerzen aus den großen Wadenmuskeln-

Fehlhaltungen, falsches Sitzen und Stehen, falscher Sport, falsche Schuhe

Die großen Wadenmuskeln (Gastrocnemius- und die Soleus-Muskeln) verleihen der Wade ihre charakteristische Form und münden in die Achillessehnen.
Wadenschmerzen aus den großen Wadenmuskeln sind meist großflächig, häufig erstrecken sie sich auf die ganze Wade - einseitig oder beidseitig.

Gehen die Schmerzen vom Gastrocnemius-Muskel aus, schmerzen häufig auch die Kniekehle und der oberste Teil der Wade, da dieser Muskel am Oberschenkel-Knochen unten ansetzt (siehe auch Knieschmerzen). Bei Dauerkontraktion dieses Muskels kann man oft das Knie nicht mehr ganz strecken.

Die Soleus-Muskeln befinden sich auf jeder Seite unter den Gastrocnemius-Muskeln und schmerzen jeweils nur an der Wade (nicht bis in die Kniekehle).

Wadenschmerzen aus den großen Wadenmuskeln treten häufig zusammen oder alternierend mit Schmerzen an den Achillessehnen auf (siehe auch Achillessehnenschmerzen).
Bei Wadenkrämpfen krampft und schmerzt oft nur ein einzelner Strang der großen Wadenmuskeln.

Schmerzen in den großen Wadenmuskeln können beidseitig oder einseitig auftreten. Je nachdem haben sie unterschiedliche Ursachen.

Beidseitige Wadenschmerzen - Ursachen

Hohlkreuzhaltung

Überaufgerichtet mit zurück gebeugtem Oberkörper zu stehen und zu gehen, ist die häufigste Ursache von beidseitigen Wadenschmerzen (mehr zu dieser Fehlhaltung unter Startmuster). Die Knie sind dabei durchgedrückt. Das Gehen findet ohne Becken- und Rumpfbeteiligung statt, was zur Überlastung der Beinmuskeln führt. Durch die Gewichtsverlagerung nach hinten kommen die Waden beim Stehen und Gehen in eine Dauerspannung, was mit der Zeit zu Wadenschmerzen führt.

Diese Wadenschmerzen treten häufig zusammen mit Oberschenkelschmerzen vorn und Knieschmerzen vorn auf, aber auch mit Kreuzschmerzen, Schmerzen im unteren Rücken (Kreuzschmerzen bei Startmuster).

Stehen und Gehen mit gebeugten Knien

Manche Menschen haben die Gewohnheit, mit ständig gebeugten Knien zu stehen und zu gehen, was die Wadenmuskeln in Dauerspannung bringt. Die Gewohnheit entsteht heute manchmal durch falsch verstandenes Tai-Chi und Chi-Gong, ansonsten auch durch eine gebeugte Haltung und fehlende Beckenbewegung.

Falsches Sitzen

Häufiger noch haben ständig gebeugte Knie ihren Ursprung in einer überstarken Beugung der Beine im Sitzen: Füße und Unterschenkel hält man ständig nach hinten geklappt. Die Beine lassen sich schließlich beim besten Willen nicht mehr ganz strecken, sie bleiben auch beim Stehen und Gehen ständig gebeugt.

Manche Menschen mit Schmerzen in den Waden haben auch die Angewohnheit, die Beugemuskeln des Beins (an Wade und Oberschenkel hinten) ständig angespannt zu halten (im Büro aber auch am Gasfuß beim Autofahren). Wadenschmerzen durch gebeugte Knie treten meist zusammen oder alternierend mit Schmerzen an den Oberschenkeln hinten auf.

Andere sitzen ständig zu hoch und halten mit hochgezogenen Fersen die Zehen auf den Boden gedrückt. Die Wadenmuskeln bleiben dabei ständig angespannt. Diese Wadenschmerzen treten oft zusammen mit Zehenschmerzen auf (siehe dazu auch Fußbeschwerden).

Falsch betriebener Sport

Auch Sport kann - falsch ausgeführt - zu Wadenschmerzen führen, z.B. durch

  • Krafttraining, bei dem nur auf die Anspannung des Muskels Wert gelegt wird.
  • Fahrradfahren ohne Fußbewegung,
  • Überlastung beim Gewichtheben.

Falsche Schuhe

Harte, kaum biegsame Sohlen verhindern eine ausreichende Fußbewegung. Nicht nur die Füße auch die Waden werden starr und verspannt. Auch nach jahrelangen Tragen von hohen Absätzen verspannen und verkürzen sich die Wadenmuskeln. Wadenschmerzen sind die Folge.

Einseitige Wadenschmerzen - Ursachen

Schiefhaltungen

Steht man mit dem Gewicht auf einem Bein, ist das oft eine Folge schmerzhafter Verletzungen des anderen Beins - oder von Schwächegefühlen des anderen Beins, die von der Verletzung zurück geblieben sind (siehe unten unter Schmerzen aus dem Bindegewebe). Steht und geht man lange mit solch einer Gewichtsverlagerung, wird man auf Dauer schief - und bekommt Wadenschmerzen auf dem (zunächst) gesunden Bein.

Alltags-Gewohnheit - Falsches Stehen

Auch ohne Verletzung finden viele es einfach "cool", das Gewicht auf ein Bein zu verlagern und mit Standbein und Spielbein zu stehen. Das ist eine sehr häufige Alltagsgewohnheit. Auch dieser Einbeinstand führt jedoch zu einseitiger Gewichtsbelastung und damit zu Verspannungen der Muskeln und des Bindegewebes des Standbeins.


Wadenschmerzen aus den Zehenbeugern-

falsche Schuhe, Stress und Nervosität

Die langen Zehenbeuger-Muskeln, krümmen die Zehen. Sie befinden sich in der Wade unter den großen Wadenmuskeln und erstrecken sich mit ihren Sehnen bis in die Fußsohle und Zehen. Ihre Dauerkontraktion bewirkt ständig gekrümmte, gekrallte Zehen. Die Wadenschmerzen bei gekrümmten Zehen machen sich da bemerkbar, wo die Muskeln sich befinden (siehe Abbildungen) und oft auch in den Fußsohlen und Zehen.

Falsche Schuhe

Gekrallte Zehen entstehen häufig durch längeres Tragen falscher Schuhe. Sind die Schuhe eng und hochhackig müssen die Zehen gekrümmt, eingezogen gehalten werden und sind gleichzeitig ständig mit Gewicht belastet. Trägt man Riemenschuhe mit starren Holzsohlen (oft Birkenstock, aber auch andere), sind die Zehenbeuger ständig angespannt, weil sie die Sohlen halten müssen, während der Fuß nicht richtig abrollen kann. In milder Form passiert das gleiche bei allen Pantoffeln.

Alltagsgewohnheit: Zehen krallen

Manche Menschen neigen dazu, ständig ihre Zehen zu krümmen. Oft wissen sie gar nicht, dass andere Menschen gerade Zehen haben und dass das bei ihnen auch möglich wäre, denn sie können ihre Zehen schon lange nicht mehr strecken. Die Alltagsgewohnheit des Zehenkrümmens verstärkt sich oft bei Stress, Aufregung, Leistungsdruck und Angst. Bei vielen geschieht das unbemerkt während des Sitzens im Büro.


Wadenschmerzen aus den Tibialis-posterior Muskeln

Hohlfüße, O-Beine Körperschiefhaltung

Wadenschmerzen, die längs in der Wadenmitte empfunden werden, gehen meist von den Tibialis-posterior-Muskeln aus, die unten an den Fußsohlen ansetzen und bei Kontraktion die Innenkanten der Füße hochziehen. Dementsprechend steht und geht man bei dauerkontrahierten Tibialis-Muskeln betont auf der Außenkante der Füße. (siehe auch: Schmerzen an den Unterschenkeln innen). Oft schmerzt zusätzlich der Fuß in der Längswölbung.

Fußfehlstellungen: nur auf der Fußaußenseite gehen und stehen

Beidseitige Wadenschmerzen dieser Art findet man oft zusammen mit Hohlfüßen und O-Beinen. Das heißt man steht, geht und sitzt gewöhnlich hohlfüßig und o-beinig. Das ist jedoch nicht angeboren, sondern durch ein erworbenes Spannungsmuster bedingt. Bei Fußballern finden sich O-Beine oft zusammen mit Adduktorenschmerzen (siehe auch Beinfehlstellungen und Adduktorenschmerzen bei Fußballern). Einseitige Wadenschmerzen dieser Art treten bei gewohnheitsmäßiger Schiefhaltung auf, bei der man das Becken zu einer Seite geschoben hat. Auf der gewichtsbelasteten Seite hat man bei dieser Fehlhaltung die Fußinnenkante chronisch hochgezogen - und bekommt Wadenschmerzen am Tibialis-posterior-Muskel dieser Seite.


Wadenschmerzen aus dem Bindegewebe

Die Wadenschmerzen aus Bindegewebsverspannungen sind meist eher diffus, nicht genau lokalisierbar, aber quälend und "nervend". Sie sind oft begleitet von unangenehmen Empfindungen an den Waden wie

  • Brennen, brennenden Schmerzen,
  • Kribbeln, Bitzeln,
  • Jucken,
  • Spannungsgefühlen
  • Schwächegefühlen oder
  • kaum beschreibbare Missempfindungen

Der Ursprung dieser Schmerzen und Missempfindungen aus dem Bindegewebe / Faszien der Haut und Unterhaut wird oft lange nicht erkannt (siehe auch Andere Missempfindungen). Schmerzen und Missempfindungen aus dem Bindegewebe / Faszien treten häufig in Ruhestellung auf (z. B. nachts beim Liegen) und können zu unruhigen Beinen beitragen (näheres unter Restless legs). Bindegewebige Wadenverspannungen und Wadenschmerzen sind oft Relikte alter Verletzungen, an die man sich kaum mehr erinnert. Sie haben oft ihren Ursprung genommen an Stellen von

  • Narben durch Verletzungen,
  • Narben durch Operationen, z.B. Venenoperationen
  • alten Brüchen
  • stumpfen Verletzungen
  • alten Prellungen und Zerrungen

und sich von da weiter ausgebreitet.


Wadenschmerzen - was kann man dagegen tun?

Leider kann man Ursachen wie Fehlhaltungen und Alltags-Gewohnheiten nicht einfach abstellen - so sehr man sich auch Mühe gibt. Auch vom weit verbreiteten Dehnen der Wadenmuskeln wird abgeraten, da es auf Dauer die Muskel-Verkürzung verstärkt und damit die Schmerzen oft noch verschlimmert. Wie man Wadenschmerzen wirkungsvoll und nachhaltig behandelt, steht unter Therapie der Unterschenkelschmerzen.

Therapeuten, die Wadenschmerzen professionell und nachhaltig behandeln, finden Sie auf der Therapeutenliste.