Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl - Beinbeschwerden und Fußschmerzen - Ursachen und Erklärungen


Ursachen

chronischer Muskelverspannungen an Beinen und Füßen

Bewegungsstörungen, chronische Schmerzen und andere Missempfindungen an Füßen und Beinen entstehen gewöhnlich durch chronische Muskelverspannungen und / oder chronische Bindegewebsverspannungen (siehe Artikel »Schmerztherapie ohne Chemie (PDF)«). Die Verspannungen wiederum entstehen durch Verletzungen, Operationen, Stilllegungen, Fehlhaltungen, „dumme Angewohnheiten“ und schlechtes Schuhwerk.

Verletzungen

Chronische Muskelverspannungen an Beinen und FüßenBeine und Füße sind diejenigen Körperteile, die im Laufe des Lebens die meisten Verletzungen erfahren – gefolgt von den Armen und Händen. Rumpf und Kopf sind biologisch geschützter, da es viele Reflexe gibt, durch die wir mit Armen und Beinen Verletzungen von Rumpf und Kopf abfangen. Bei Verletzungen kann der Verlauf so sein, dass ein Bein nach einer Verletzung keine Ruhe mehr gibt und sich von Anfang an unangenehm zum Beispiel durch Schmerzen bemerkbar macht. Dann wissen die Betroffenen den Zusammenhang mit der Verletzung sehr gut. Häufig finden sich an Beinen und Füßen aber auch Spuren uralter Verletzungen, die sich lange unauffällig verhalten haben, sich aber im Laufe der Zeit immer mehr verfestigt haben, bis es schließlich zum Schmerz oder anderen Beschwerden gekommen ist. Man kommt auf die Vermutung alter Verletzungen, wenn das Schmerzmuster in keinerlei Fehlhaltungsschema oder dumme Angewohnheit passt.

Alte Brüche

Beispiel: ein 80 jähriger alter Herr möchte gerne noch in die Berge gehen, kann das aber nicht, weil ihm der rechte Oberschenkel außen in der Mitte quer unendlich weh tut. Dafür gibt es keine bestimmte Fehlhaltung oder Angewohnheit als Auslöser. Fragt man die Patienten, ob sie an dieser oder jener Stelle irgendwann in ihrem Leben eine Verletzung hatten, können sie sich zunächst oft nicht erinnern. In einer der nächsten Stunden aber berichten Sie dann doch Erinnerungen an bestimmte Verletzungen vor 10, 20 oder 30 Jahren. Der besagt alte Herr erinnerte sich schließlich an einen Bruch des Oberschenkelknochens, der vor über dreißig Jahren stattgefunden hatte, und zwar genau an dieser Stelle.

Oft erinnern Patienten mit dem Schmerz der Behandlung genau die Schmerzqualität, die sie ursprünglich gefühlt hatten. „Ja, genau, so war das damals, so hat es sich angefühlt“, sagte der alte Herr.

Prellungen und Zerrungen

Bei den Spätschäden muss es sich nicht um vergangene Brüche oder offene Wunden mit späteren Narben handeln. Häufiger sind Spätschäden von Prellungen und Zerrungen.  Man muss bedenken, dass es auch bei Brüchen nicht nur zu Knochenverletzungen kommt, sondern immer auch die Weichteile, also Muskeln und Bindegewebe verletzt werden. Diese erfahren jedoch gewöhnlich keinerlei Behandlung, da die Knochen immer im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Aber auch wenn Prellungen und Zerrungen allein auftreten, werden sie kaum ernst genommen, meist behandelt man sie einfach mit abwarten und tut nichts gegen Spätschäden.

Narben und Operationen

Auch Narben erfahren im Allgemeinen nach der Abheilung einer Wunde gewöhnlich keinerlei Interesse mehr. Oft bilden sich aber gerade an den Narben und in ihrer Umgebung Bindegewebsverspannungen, die im Laufe der Jahre sich immer mehr verfestigen und schließlich zu schmerzen beginnen der zu einer andern Art von Missempfindung führen. Daher trägt man an den Folgen von Weichteilverletzungen meist lange, oft lebenslang. Operationen zählen wir hier zu den Verletzungen mit Narben, da der Körper keinen Unterschied zu machen scheint, in welcher Absicht ihm Verletzungen zugefügt wurden. Das heißt: auch an den Folgen von Operationen an Beinen oder Füßen kann man lebenslang leiden.

Stilllegungen

Stilllegungen zum Beispiel durch Gips oder innerlich oder äußerlich getragene Schienen führen durch die erzwungene Unbeweglichkeit nicht nur zu vorübergehender Schwächung sondern oft auch zu anhaltenden Verspannungen in der Bein- und Fußmuskulatur und vor allem im Bindegewebe. Der Fuß / das Bein bleibt starr in der Position, in der er / es sich im Gips oder in der Schiene befand. Haben Gips oder Schiene dazu geführt, dass auch andere Gelenke als das unmittelbar betroffene nicht im üblichen Umfang bewegt werden konnten, sind auch diese anschließend von der Erstarrung betroffen.

Fehlhaltungen

Von den Fehlhaltungen wirkt sich der Stoppreflex (siehe »Stoppmuster«) in Richtung permanenter Beugerkontraktion aus. Hüftgelenke und Knie können oft nicht mehr ganz gestreckt werden, der Gang wird sehr kurzschrittig, oft werden die Füße nicht mehr abgerollt. Diese werden dadurch unbeweglich und der Vorfuß wird stark belastet, und zwar dadurch, dass das Gewicht nach vorn verlagert ist. Beidseitige Fuß- und Zehen- und Knieprobleme sind häufig, ebenso wie Leistenschmerzen.

Beim Startreflex, also der Haltung mit zurück gebeugtem Oberkörper, überwiegt dagegen eine permanente Streckung in Hüftgelenken und Knien (siehe »Startmuster«). Wenn nicht die Bananenhaltung eingenommen wird, die den Vorfuß belastet, werden die Fersen übermäßig strapaziert. Da durch die Außenrotation der Beine (durch die Dauerkontraktion der Außenrotatoren in der Hüfte) vom Hüftgelenk abwärts ein regelrechtes Abrollen der Füße in dieser Haltung nicht möglich ist, geschieht die Fußbewegung vor allem über den Außenrand der Fersen und die Großzehenballen. Beschwerden treten oft an diesen beiden Stellen sowie an der Innenseite oder Vorderseite der Knie und an der Vorderseite der Oberschenkel auf. Häufig erwischt es die Innenmenisken der Knie.

Beim Traumareflex, also der Schiefhaltung des Körpers, die häufig nach Bein- oder Fußverletzungen entsteht,  überwiegen einseitige Beschwerden (siehe »Traumamuster«). Und zwar ist das stärkere Bein, also dasjenige, das mehr mit Gewicht belastet wird, gewöhnlich steifer und in Bezug auf Schmerzen  gefährdeter als das vom Gewicht entlastete Bein, denn ersteres befindet sich ja in permanenter Anspannung aller Beinmuskeln, wobei das Knie ständig durchgedrückt und das Becken via Adduktoren zum Körper gezogen ist. Es kommt häufig zu Schmerzen am Knie, im Bereich des Quadriceps und im Bereich der Adduktoren. Das vom Gewicht entlastete Bein ist im Allgemeinen beweglicher. Stellt sich im Laufe der Behandlung die Gewichtsbelastung um, zeigen sich an diesem Bein aber häufig Schwächen, z. B. am Oberschenkel, Knie oder am Sprunggelenk. Diese Schwächen gehen vom verspannten Bindegewebe aus und finden sich meist genau an der Stelle, wo die ursprüngliche Verletzung war. Manchmal melden sich auch alte Schmerzstellen an den Füßen, denen man vorher durch Verlagerung auf das andere Bein ausgewichen ist.

Andere Fehlhaltungen bei Traumareflex haben ebenfalls ihre spezifischen  beschwerdeträchtigen Punkte. Ist jemand zum Bespiel auf dem gewichtsbelasteten Bein einseitig in der Hüfte gebeugt und mit dem Körper auf dieser Seite im Hüftgelenk nach vorn gebeugt, so entstehen Schmerzen gewöhnlich an den Ansätzen der Hüftbeuger in der Leiste dieses Beines sowie im Rectus femoris, eventuell auch im Iliopsoas-Gebiet. Natürlich ist die Hüftgelenksstreckung eingeschränkt, manchmal auch schon die Kniestreckung. In letzterem Fall gibt es auch Schmerz in der Kniekehle.

Ist jemand dagegen auf dem gewichtsbelasteten Bein einseitig im Hüftgelenk gestreckt und mit dem Körper auf dieser Seite nach hinten gebeugt, entstehen Schmerzen gewöhnlich an den Glutäusansätzen am Becken und zusätzlich oft noch am Knie vorn, am Oberschenkel vorn und am Unterschenkel hinten, eventuell auch an der Ferse.

Generell führt ein Steifhalten des Beckens – auch wenn es zunächst nicht als ausgesprochene Fehlhaltung im Sinne von Stopp-, Start- oder Traumahaltung zu erkennen ist, oft zu Beschwerden in den Beinen, da diese sich nicht frei bewegen können, sondern sich an der unphysiologischen Bremsarbeit beteiligen müssen.

Fehlhaltungen von Zehen, Knien, Sprunggelenken und ihre Auswirkungen siehe unten unter den einzelnen Beschwerden.

Falsches Schuhwerk

Von den Problem verursachenden falschen Schuhen sind vor allem die Frauen betroffen. Durch falsche Schuhe haben Frauen, vor allem im Alter, viel mehr Fußprobleme als Männer. Zu erwähnen sind hier vor allem hochhackige und/ oder vorn zu enge, zu spitz zulaufende Schuhe. Durch die hohen Absätze wird das Gewicht nach vorn auf den Vorfuß verlagert und die Zehen werden zusammen geschoben, wodurch sich der ganze Fuß verkürzt, der Vorfuß sich verbreitert und die Zehen im Mittelglied gekrümmt werden. Da das Sprunggelenk sich beim Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen ständig in Plantarflexion befindet, ist ein reguläres Abrollen nicht möglich. Die Enge vorn führt häufig dazu, dass Zehen eingeklemmt, gekrümmt und nicht selten über- oder untereinander geschoben werden. Die ganze durch falsches Schuhwerk ausgelöste Stellung des Fußes und der  Zehen bleibt im Laufe der Zeit auch nach Ausziehen der Schuhe erhalten, das heißt, die Wadenmuskeln bleiben verkürzt und nicht selten kommt es zu ausgebildeten Hammerzehen (siehe unten). Auch der Hallux valgus kann auf diese Weise gefördert werden. Gemeint ist damit ein heraustretender Großzehenballen und ein zu den anderen Zehen hin geschobener Großzeh, während die anderen Zehen oft ins Gedränge geraten und über- oder untereinander geschoben werden.

Durch solche Schuhe verändern sich aber nicht nur die Füße und die Zehen, sondern der Gang wird insgesamt bis in den Rücken hinauf steifer, was Rückenschmerzen bedingen kann. Ich selbst habe  jahrzehntelang mit Vorliebe solche Schuhe getragen, alles andere erschien mir plump. Aus eigner Erfahrung weiß ich, dass man sich so an die Unbequemlichkeit solcher Schuhe so gewöhnen kann, dass man sie nicht mehr wahrnimmt. Erst, wenn man  längere Zeit  keine falschen Schuhe mehr getragen hat und Beine und Füße wieder frei sind, spürt man, wie bis zur Schmerzgrenze einengend und fehlbelastend solche Schuhe eigentlich sind und staunt, was man sich jahrelang selbst angetan hat.

Durch falsches Schuhwerk und verbogene Zehen und Füße entstehen oft auch Druckstellen an den Füßen, namentlich an den Zehen, die mit der Zeit grausam wehtun können und überhaupt keinen Druck mehr vertragen, auch nicht den leisesten.

Bei den Männern gibt es falsche Schuhe sehr viel seltener. Allerdings sind mir auch hier Fälle bekannt, in denen die Schuhe wesentlich zum Problem beitrugen und zwar handelte es sich entweder um Birkenstockschuhe (siehe unter »Krallenzehen«) oder um teure englische Schuhe. Letztere haben eine so starre Sohle, dass ein reguläres Abrollen nicht möglich ist. Das mögen Knie zum Beispiel gar nicht.

Hauptsächlich bei der älteren, der Kriegs- und Nachkriegsgeneration gibt  es sowohl bei Männer wie bei Frauen Fußdeformationen, die dadurch entstanden  sind, dass in der Kindheit oft lange Zeit zu kleine Schuhe getragen wurden, da man den Kindern nicht entsprechend ihrem Wachstum immer neue Schuhe kaufen konnte, weil es entweder keine Schuhe gab oder die erwerbbaren Schuhe für die Familie unerschwinglich waren.

Der Glaube, dass Schuhe so beschaffen sein müssen, dass sie Halt geben, ist meiner Meinung nach falsch. Wenn jemand zum Beispiel leicht in den Knöcheln umknickt, sollte man ihn mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandeln, vor allem das Bindgewebe in dieser Gegend (siehe unten). Dann wird er von allein wieder stabil und zwar stabil in der Bewegung, während im Sprunggelenk „stabilisierende“ Schuhe in Wirklichkeit im Sprunggelenk unbeweglich machen  und damit das Problem verstärken. Auch als Bergschuhe würden Halbschuhe reichen.

Schuhe sind insgesamt dann am besten, wenn sie so viel Bewegungsfreiheit wie nur möglich lassen. Oder, um mit Thomas Hanna zu sprechen: “Best shoes are no shoes“.

Behandlung

Bei der Behandlung von Missempfindungen und Bewegungsstörungen an Füßen und Beinen ist es gut zu wissen, was die Ursache der Beschwerden war. Wenn es sich um reine Verletzungsfolgen handelt, reicht es oft, nur die betroffene Stelle zu behandeln. Ist die Störung dagegen primär oder sekundär eher auf eine Fehlhaltung zurück zu führen, muss man natürlich außer der lokalen Stelle auch die Fehlhaltung behandeln, weil die Beschwerden sonst wiederkehren. Spielen die Schuhe als Ursache aktuell noch eine Rolle, muss man diese natürlich durch andere ersetzen lassen.

Sitzt die Seele auch in den Beinen und Füßen?

Bevor wir zu spezifischen Missempfindungen wie Schmerzen an bestimmten Stellen von Beinen und / oder Füßen und deren Behandlung kommen, möchte ich zunächst noch darstellen, dass die Beweglichkeit unserer Beine und zwar insbesondere der Füße auch einen Beitrag zu unserer gesamten Stimmungslage leistet. Dies wird in Fällen extremer Angst, Depression, Schreck, Schock und Trauma deutlich. Nicht selten sind die Beine in solchen Fällen wie gelähmt und lassen sich – zumindest vorübergehend – tatsächlich willkürlich nicht mehr bewegen. Man nennt das dann eine psychogene Lähmung. Aber auch weniger extreme Fälle von Depression führen via Stoppreflex-Haltung zu einem kleinschrittigen, lustlosen, mühsamen, schlurfenden Gang, bei dem die Füße kaum mehr abgerollt, die Zehen ständig gekrümmt und auch Becken und Beine kaum mehr bewegt werden und die Stimmung entsprechend ist. Auch bei Angst überwiegt ein Zurückhalten der Fuß- und Beinbewegung (wenn man nicht vor Angst davon läuft), der Gang wird steif, unsicher und die Knie werden schlottrig.

Selbst psychisch unverdächtig wirkende Beinbrüche können zu leichten bis massiven psychischen Beeinträchtigungen führen. Wer je ein Bein gebrochen hatte, wird bestätigen können, dass man sich zum Beispiel durch einen Gips, auch wenn man gar keine Schmerzen hat, im ganzen Antrieb, in der Intentionalität gebremst fühlt und zwar nicht nur, weil das Gipsbein bei vielem einfach lästig ist. Es fehlt die Leichtigkeit des Seins. Oliver Sacks beschreibt in seinem Buch „Der Tag, an dem mein Bein wegging“ (englischer Originaltitel: A leg to stand on) sehr anschaulich die weit reichenden Folgen eines Risses der Quadrizeps-Sehne (mit anschließendem Gips), den er selbst erlitten hatte. Es schlug ihm nicht nur massiv auf die Stimmung, sondern führte bei ihm schließlich auch zu Entfremdungs- und Derealisationsgefühlen, Störungen, von denen er als Neurologe vorher hätte schwören können, dass sie nur zentral niemals aber durch Veränderungen in der Peripherie ausgelöst werden können.

Ich glaube, dass ein Teil unserer Vitalität, unseres Lebensgrundgefühls vom Abrollen der Füße abhängt. Man kann das ausprobiert, wenn man einmal ohne Abrollen vor sich hin tappt und wenn man im Vergleich dazu, die Füße eher übertrieben abrollt. In letzterem Fall sieht nicht nur der ganze Gang beschwingter aus, sondern der ganze Mensch fühlt sich auch so. Er wird springlebendig und  bekommt wieder Auftrieb und Unternehmungslust. Kein Wunder, dass uns Tanzmusik in die Beine fährt. Auch ein Teil des Wohlgefühls bei und nach dem Joggen dürfte auf diesem Phänomen beruhen. Auch der Freudensprung weist auf dieses Phänomen. Dabei dürfte eine starke Streckung (richtiger Plantarflexion) im Sprunggelenk der ausschlaggebende Faktor für Wohlbefinden und Unternehmungslust sein.

All diese Freuden sind mit den nachfolgenden Leiden leider nicht mehr möglich:


Therapeuten, die mit »Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl®« behandeln, finden Sie auf der Therapeutenliste.