Bewegungsstörungen, chronische Schmerzen und andere Missempfindungen an Füßen und Beinen entstehen gewöhnlich durch chronische Muskelverspannungen und / oder chronische Bindegewebsverspannungen, siehe Artikel:

Verspannungen wiederum entstehen durch Verletzungen, Operationen, Stilllegungen, Fehlhaltungen, „dumme Angewohnheiten“ und schlechtes Schuhwerk.

Ursache - Verletzungen

Beine und Füße sind Körperteile, die im Laufe des Lebens die meisten Verletzungen erfahren – gefolgt von den Armen und Händen. Rumpf und Kopf sind biologisch geschützter, da es viele Reflexe gibt, durch die wir Verletzungen abfangen.

Nach Verletzungen kann der Verlauf so sein, dass beispielsweise ein Bein keine Ruhe mehr gibt und sich unangenehm durch Schmerzen bemerkbar macht. Häufig finden sich an Beinen und Füßen auch Spuren uralter Verletzungen, die lange unauffällig bleiben, sich aber im Laufe der Zeit immer mehr verfestigen bis schließlich Schmerzen oder andere Beschwerden auftreten.

Ursache - Alte Brüche

Beispiel: Ein 80-jähriger Herr möchte in die Berge gehen, kann aber nicht, weil ihm der rechte Oberschenkel - außen in der Mitte quer - unendlich weh tut. Ursache dieses Schmerzes ist keine bestimmte Fehlhaltung oder "dumme Angewohnheit".

Fragt man Patienten, ob sie an dieser oder jener Stelle irgendwann in ihrem Leben eine Verletzung hatten, können sie sich zunächst nicht erinnern. In einer der nächsten Behandlungsstunden aber berichten sie dann über bestimmte Verletzungen, die vor 10, 20 oder 30 Jahren aufgetreten sind. Der besagte ältere Herr erinnerte sich schließlich an einen Bruch des Oberschenkelknochens vor über dreißig Jahren und zwar genau an der heute schmerzhaften Stelle.

Häufg fühlen Patienten bei der Behandlung den ursprünglichen Schmerz. „Ja genau, so war das damals, so hat es sich angefühlt“, sagt der ältere Herr.

Ursache - Spätschäden

Bei Spätschäden handelt es sich nicht um nur vergangene Brüche oder offene Wunden mit späteren Narben. Häufiger treten Spätschäden von Prellungen und Zerrungen auf. Bei Brüchen werden nicht nur Knochen, sondern meist auch Weichteile, also Muskeln und Bindegewebe / Faszien, verletzt. Diese erfahren jedoch gewöhnlich keinerlei Behandlung, da die Knochen immer im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Auch wenn Prellungen und Zerrungen allein auftreten, werden sie kaum ernst genommen. Häufig wird abgewartet, hinsichtlich möglicher Spätschäden wird nichts unternommen.

Ursache - Narben

Auch Narben erfahren im Allgemeinen nach Abheilung einer Wunde keinerlei Interesse mehr. Oft bilden sich aber gerade an den Narben und in ihrer Umgebung Bindegewebsverspannungen, die sich im Laufe der Jahre immer mehr verfestigen und schließlich zu schmerzen beginnen oder zu einer anderen Art von Missempfindung führen. Daher trägt man an den Folgen von Weichteilverletzungen meist lange, oft lebenslang. Operationen zählen wir hier zu den Verletzungen mit Narben. Das heißt, auch an den Folgen von Operationen an Beinen oder Füßen kann man lebenslang leiden.

Ursache - Stilllegungen

Stilllegungen zum Beispiel durch Gips oder innerlich / äußerlich getragene Schienen können auf Grund der erzwungenen Unbeweglichkeit zu anhaltenden Verspannungen in der Bein- und Fußmuskulatur und vor allem im Bindegewebe/Faszien führen. Der Fuß / das Bein bleibt starr in der Position, in der er / es sich im Gips oder in der Schiene befand. Haben Gips oder Schiene dazu geführt, dass auch andere Gelenke nicht im üblichen Umfang bewegt werden konnten, sind auch diese anschließend von der Erstarrung betroffen.

Ursache - Stoppmuster-Fehlhaltung

Von Fehlhaltungen wirkt sich der Stoppreflex Das Stoppmuster in Richtung permanenter Beugerkontraktion aus. Hüftgelenke und Knie können oft nicht mehr ganz gestreckt werden, der Gang wird sehr kurzschrittig, oft werden die Füße nicht mehr abgerollt. Diese werden dadurch unbeweglich und der Vorfuß wird stark belastet, da das Gewicht nach vorn verlagert ist. Beidseitige Fuß-, Zehen- und Knieprobleme sind häufig, ebenso wie Leistenschmerzen.

 

Ursache - Startmuster-Fehlhaltung

Beim Startreflex Das Startmuster, also der Haltung mit zurück gebeugtem Oberkörper, überwiegt dagegen eine permanente Streckung in Hüftgelenken und Knien. Wenn nicht die "Bananenhaltung" eingenommen wird, die den Vorfuß belastet, werden die Fersen übermäßig strapaziert. Da durch die Außenrotation der Beine (durch die Dauerkontraktion der Außenrotatoren in der Hüfte) vom Hüftgelenk abwärts ein regelrechtes Abrollen der Füße in dieser Haltung nicht möglich ist, geschieht die Fußbewegung vor allem über den Außenrand der Fersen und die Großzehenballen. Beschwerden treten oft an diesen beiden Stellen sowie an der Innenseite oder Vorderseite der Knie und an der Vorderseite der Oberschenkel auf. Häufig erwischt es die Innenmenisken der Knie.

Ursache - Traumamuster-Fehlhaltung


schief von oben

Beim Traumareflex Das Traumamuster, also der Schiefhaltung des Körpers, die häufig nach Bein- oder Fußverletzungen entsteht, überwiegen einseitige Beschwerden. Das stärkere Bein, das mehr mit Gewicht belastet wird, ist gewöhnlich steifer und schmerzempfindlicher als das vom Gewicht entlastete Bein. Ersteres befindet sich in permanenter Anspannung aller Beinmuskeln, wobei das Knie ständig durchgedrückt und das Becken via Adduktoren zum Körper gezogen ist. Es kommt häufig zu Schmerzen am Knie, im Bereich des Quadriceps und der Adduktoren. Das vom Gewicht entlastete Bein ist im Allgemeinen beweglicher. Stellt sich im Laufe der Behandlung die Gewichtsbelastung um, zeigen sich an diesem Bein aber häufig Schwächen, z. B. am Oberschenkel, Knie oder am Sprunggelenk. Diese Schwächen gehen vom verspannten Bindegewebe / Faszien aus und finden sich meist genau an der Stelle, wo die ursprüngliche Verletzung war. Manchmal melden sich auch alte Schmerzstellen an den Füßen, denen man vorher durch Verlagerung auf das andere Bein ausgewichen ist.

schief von unten

Andere Fehlhaltungen beim Traumareflex haben ebenfalls ihre spezifischen beschwerdeträchtigen Punkte. Ist jemand zum Beispiel auf dem gewichtsbelasteten Bein einseitig in der Hüfte gebeugt und mit dem Körper auf dieser Seite im Hüftgelenk nach vorn gebeugt, so entstehen Schmerzen gewöhnlich an den Ansätzen der Hüftbeuger in der Leiste des Beines sowie im Rectus femoris, eventuell auch im Iliopsoas-Gebiet. Natürlich ist die Hüftgelenksstreckung eingeschränkt, manchmal auch schon die Kniestreckung. In letzterem Fall gibt es auch Schmerzen in der Kniekehle.

Ist jemand dagegen auf dem gewichtsbelasteten Bein einseitig im Hüftgelenk gestreckt und mit dem Körper auf dieser Seite nach hinten gebeugt, entstehen Schmerzen meist an den Glutäusansätzen am Becken und zusätzlich oft noch am Knie vorn, am Oberschenkel vorn und am Unterschenkel hinten, eventuell auch an der Ferse.

Generell führt ein Steifhalten des Beckens oft zu Beschwerden in den Beinen. Diese können sich nicht frei bewegen und beteiligen sich an der unphysiologischen Bremsarbeit.

Fehlhaltungen von Zehen, Knien, Sprunggelenken und ihre Auswirkungen sind unten aufgeführt.

Ursache - Falsche Schuhe bei Frauen

Von Problemen verursachenden "falschen" Schuhen sind meist Frauen betroffen. Sie haben, vor allem im Alter, viel mehr Fußprobleme als Männer. Zu erwähnen sind hier hochhackige und/oder vorn zu enge, zu spitz zulaufende Schuhe.

Hohe Absätze

Durch hohe Absätze wird das Gewicht nach vorn auf den Vorfuß verlagert und die Zehen werden zusammen geschoben. Hierdurch verkürzt sich der ganze Fuß, der Vorfuß verbreitert sich und die Zehen im Mittelglied werden gekrümmt. Da sich das Sprunggelenk ständig in Plantarflexion befindet, ist ein reguläres Abrollen nicht möglich. Schuhe mit hohem Absatz verändern nicht nur die Füße und Zehen, sondern auch den Gang, der bis in den Rücken hinauf steifer wird. Dies kann zu Rückenschmerzen führen.

Enge, spitz zulaufende Schuhe

Die Enge vorn führt häufig dazu, dass Zehen eingeklemmt, gekrümmt und nicht selten über- oder untereinander geschoben werden. Die dadurch ausgelöste Stellung des Fußes und der Zehen bleibt im Laufe der Zeit auch nach Ausziehen der Schuhe erhalten. Das heißt, die Wadenmuskeln sind verkürzt und nicht selten kommt es zu ausgebildeten Hammerzehen Zehenbeschwerden. Auch der Hallux valgus kann auf diese Weise gefördert werden. Gemeint ist damit ein heraustretender Großzehenballen und ein zu den anderen Zehen hin geschobener Großzeh. Zudem können verbogene Zehen häufig Druckstellen an den Füßen verursachen.

Erst wenn man längere Zeit keine "falschen" Schuhe mehr getragen hat, und Beine und Füße wieder frei sind, spürt man, wie bis zur Schmerzgrenze einengend und fehlbelastend diese Schuhe sein können.

Ursache - Falsche Schuhe bei Männern

Bei Männern gibt es "falsche" Schuhe sehr viel seltener. Allerdings sind auch hier Fälle bekannt, bei denen die Schuhe wesentlich zum Problem beitragen. Es handelt sich um Birkenstockschuhe (siehe "Krallenzehen" Zehenbeschwerden) und um teure englische Schuhe. Letztere haben eine so starre Sohle, dass ein reguläres Abrollen nicht möglich ist. Das mögen Knie zum Beispiel gar nicht.

Ursache - Falsche Schuhe allgemein

Hauptsächlich bei älteren Männern und Frauen der Kriegs- und Nachkriegs-Generation gibt es Fußdeformationen. Diese sind meist in deren Kindheit durch das Tragen zu kleiner Schuhe entstanden. Schuhe, die dem Wachstum des Kindes nicht angepasst wurden.

Die Meinung, dass Schuhe so beschaffen sein sollten, um Halt zu geben, tirfft meist nicht zu. Wenn jemand zum Beispiel leicht in den Knöcheln umknickt, sollte hier das Bindegewebe nach der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandelt werden: Der Patient wird dann wieder in der Bewegung stabil. „Stabilisierende“ Schuhe machen in Wirklichkeit das Sprunggelenk unbeweglich und verstärken damit das Problem. Auch als Bergschuhe würden Halbschuhe reichen.

Schuhe sind am besten, wenn sie so viel Bewegungsfreiheit wie nur möglich lassen. Oder, um mit Thomas Hanna zu sprechen: “Best shoes are no shoes“.

Sitzt die Seele auch in den Beinen und Füßen?

Die Beweglichkeit unserer Beine und insbesondere der Füße leisten einen Beitrag zu unserer gesamten Stimmungslage. Dies wird in Fällen extremer Angst, Depression, Schreck, Schock und Trauma deutlich. Nicht selten sind die Beine in solchen Fällen wie gelähmt und lassen sich – zumindest vorübergehend – willkürlich nicht mehr bewegen. Man nennt das dann eine psychogene Lähmung. Aber auch weniger extreme Fälle von Depression führen via Stoppreflex-Haltung Das Stoppmuster zu einem kleinschrittigen, lustlosen, mühsamen, schlurfenden Gang, bei dem die Füße kaum mehr abgerollt, die Zehen ständig gekrümmt und auch Becken und Beine kaum mehr bewegt werden. Die Stimmung ist entsprechend. Auch bei Angst überwiegt ein Zurückhalten der Fuß- und Beinbewegung (wenn man nicht vor Angst davon läuft), der Gang wird steif, unsicher und die Knie werden schlottrig.

So wie wir uns fühlen, gehen wir. Und so wie wir gehen, fühlen wir uns.

A leg to stand on

Selbst psychisch unverdächtig wirkende Beinbrüche können zu leichten bis massiven, psychischen Beeinträchtigungen führen. Wer je ein Bein gebrochen hat, kann bestätigen, dass man sich beispielsweise durch einen Gips im ganzen Antrieb, in der Intentionalität gebremst fühlt - und zwar nicht nur, weil das Gipsbein bei vielem einfach lästig ist. Es fehlt die Leichtigkeit des Seins. Oliver Sacks beschreibt in seinem Buch „Der Tag, an dem mein Bein wegging“ (englischer Originaltitel: A leg to stand on) sehr anschaulich die weit reichenden Folgen eines Risses der Quadrizeps-Sehne (mit anschließendem Gips), den er selbst erlitten hatte. Es schlug ihm nicht nur massiv auf die Stimmung, sondern führte bei ihm schließlich auch zu Entfremdungs- und Derealisationsgefühlen. Störungen, von denen er als Neurologe vorher hätte schwören können, dass sie nur zentral, niemals aber durch Veränderungen in der Peripherie ausgelöst werden können.

Vitalität und Wohlgefühl

Ein Teil unserer Vitalität und unseres Lebensgrundgefühls hängt gewiss vom Abrollen der Füße ab. Dies kann man ausprobieren, indem man ohne Abrollen vor sich hin tappt oder im Vergleich dazu, die Füße übertrieben abrollt. In letzterem Fall sieht nicht nur der Gang beschwingter aus, der ganze Mensch fühlt sich auch so. Er wirkt springlebendig und bekommt Auftrieb und Unternehmungslust. Kein Wunder, dass uns Tanzmusik in die Beine fährt. Ein Teil des Wohlgefühls bei und nach dem Joggen dürfte auf dieser Erkenntnis beruhen. Auch der Freudensprung weist auf dieses Phänomen. Dabei dürfte eine starke Streckung (richtiger Plantarflexion Fehlstellungen der Füße) im Sprunggelenk der ausschlaggebende Faktor für Wohlbefinden und Unternehmungslust sein.

Behandlung

Bei Behandlung von Bewegungsstörungen und Schmerzen sowie Missempfindungen an Füßen und Beinen ist es hilfreich, die Ursache von Beschwerden zu kennen. Wenn es sich um reine Verletzungsfolgen handelt, reicht es oft, nur die betroffene Stelle zu behandeln. Ist die Störung dagegen primär oder sekundär auf eine Fehlhaltung zurück zu führen, muss sowohl die lokale Stelle als auch die Fehlhaltung behandelt werden. Spielt das Tragen "falscher" Schuhe als Ursache eine Rolle, müssten diese als Erstes ersetzt werde - bevor eine Behandlung begonnen wird.

Ursache und Behandlung verschiedener Beinbeschwerden

Ischias und Beinschmerzen

Fehlstellungen der Beine

Knieschmerzen, Schmerzen im Knie

Bewegungsstörungen der Beine

Sonstige Beinbeschwerden

Therapeuten, die die Ursachen von Beinbeschwerden behandeln, finden Sie auf der Therapeutenliste.