Ischias und Beinschmerzen
Zu den Beinschmerzen gehören
- Ischiasschmerzen
- Oberschenkelschmerzen
– am Oberschenkel vorn
– am Oberschenkel hinten
– Adduktorenschmerzen - Thromboseschmerzen
- Unterschenkelschmerzen
- Achillessehnenschmerzen
- Amputations- und Phantomschmerzen
Ischias und Beinschmerzen
Die Diagnose Ischias, Ischiasschmerzen oder Ischialgie wird häufig gestellt, wenn Patienten über Schmerzen klagen, die das Bein hinunter ziehen. Die meisten dieser Diagnosen sind allerdings falsch. Meist handelt es sich einfach um Schmerzen, die von Muskel- oder Bindegewebspartien eines oder beider Beine ausgehen. Bei den vielen Fehldiagnosen Ischialgie müssen wir bedenken, dass die vorherrschende Medizin Beschwerden, die von Muskulatur oder Bindegewebe ausgehen, praktisch nicht kennt, und dass Ischialgie daher die einzige Diagnosekategorie ist, bei der in der Medizin
„Schmerz, der das Bein hinunter zieht“, vorkommt.
Ischias ist eigentlich keine Krankheitsbezeichnung, sondern es handelt sich beim Ischias um die Bezeichnung für den größten Beinnerven, der von den Nervenwurzeln des Rückenmarks in Höhe der Lendenwirbelsäule ausgeht, von da in den Bauchraum zieht und dann hinten in der Mitte des Gesäßes wieder nach außen tritt. Von diesem Punkt aus verläuft der Ischias über die Mitte des Oberschenkels weiter das Bein herunter, wobei er sich vielfach aufteilt (siehe Abbildung).
Echte Ischiasschmerzen
Wer je solche Schmerzen hatte, sagt, dass sie von der Qualität her anders sind als normale Schmerzen. Meist werden sie eher als „elektrisch“ beschrieben oder wie ein Draht, der das Bein hinunter zieht. Man nennt diese Form von Schmerzen auch neuropathisch. Echte Ischiasbeschwerden entstehen durch Quetschung des Ischiasnervens. Das kann an zwei Stellen geschehen:
- da, wo der Ischiasnerv zusammen mit dem Piriformis-Muskel den Beckenknochen passiert.
- bei den Nervenwurzeln an der Lendenwirbelsäule
Der Piriformis-Muskel kann den Ischiasnerven insofern quetschen, als Ischias und Piriformis-Muskel zusammen aus dem Bauchraum kommen, wobei der
Ischias unter dem Piriformis-Muskel liegt. Ist der Piriformis dauernd angespannt und somit hart und verkürzt, kann er den unter ihm liegenden Ischias gegen die Knochenkante eines Foramens (Lochs) des Beckenknochens drücken. Ein Ausweichen ist an dieser Stelle nicht möglich. Man spricht bei dieser Art von Ischiasschmerzen auch von Piriformis-Syndrom oder Piriformissyndrom. Die Patienten zeigen die zugehörigen Schmerzen in der Mitte der Pobacke und von da in der Mitte des Oberschenkels nach unten ziehend.
Zu einer Kompression der Nervenwurzeln des Ischias an der Wirbelsäule kann es z.B. durch einen Bandscheibenvorfall kommen. Diese Möglichkeit wird von der Medizin gewöhnlich als einzige Bedingung für echte wie falsche Ischiasschmerzen gesehen. Insgesamt jedoch ist diese Möglichkeit bei der Verursachung von Schmerzen, die das Bein herunter ziehen, sehr selten. Sie ist wesentlich seltener als die Quetschung durch den Piriformis und noch viel seltener als Beinschmerzen, die von Myogelosen oder Triggerpunkte der Beinmuskulatur oder vom Bindegewebe auf den Beinmuskeln verursacht werden. Außerdem gibt es viele Bandscheibenvorfälle und -vorwölbungen, die zwar vorhanden, aber so gelagert sind, dass sie nicht auf die Nervenwurzeln drücken.
Unechte Ischiasschmerzen
Dazu zählen die allermeisten Beinschmerzen. Sie haben mit einer direkten Beeinflussung des Ischiasnerven nichts zu tun, sondern haben die gleiche Qualität und Entstehungsbedingungen von Schmerzen, wie sie auch an allen anderen Körperteilen auftreten können. Sie entstehen nicht durch Druck auf einen Nervenast sondern auf die winzigen Schmerzrezeptoren an den Nervenendpunkten in Muskulatur und / oder Bindegewebe (siehe »Chronische Schmerzen« und den Artikel »Schmerztherapie ohne Chemie (PDF)«). Diese Beinschmerzen sind die weitaus häufigsten.
Behandlung
In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl lassen wir uns als erstes vom Patienten genau zeigen und beschreiben, wie und wo er seine Beinschmerzen empfindet und untersuchen seine Körperhaltung und Beweglichkeit. Dann behandeln wir entsprechend dem Befund.
Echte Ischiasschmerzen
Kommt der (echte) Ischiasschmerz durch eine Quetschung der Nervenwurzel durch den Piriformis-Muskel zustande, behandeln wir in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® zunächst diesen Muskel und alle weiteren Außenrotatoren des Beins, denn diese befinden sich gewöhnlich alle in Dauerkontraktion und das Bein eines solchen Patienten befindet sich immer in Außenrotation. Anschließend behandeln wir die zugehörige Fehlhaltung.
Gehen die (echten) Ischiasschmerzen von einer Quetschung der Nervenwurzeln aus, behandeln wir in der Sensomotorischen Körpertherapie die Muskeln des unteren Rückens. Anschließend geht es wieder um die Beseitigung des gesamten Fehlhaltungs-Musters.
Außer auf die manuellen Techniken zur Behandlung von Muskulatur und Bindegewebe kommt es dabei darauf an, mittels Körperbewusstseinstraining, Pandiculations und Übungen auch das gesamte Fehlhaltungsmuster zu beseitigen, das zu den Ischiasbeschwerden geführt hat. Meist handelt es sich um eine Mischung von Start- und Trauma-Muster (siehe unter »Fehlhaltungen«).
Unechte Ischiasschmerzen
Zeigt der Patient bei ziehenden Beinschmerzen einen anderen Verlauf als den des Ischias, streicht er also zur Demonstration seiner Beschwerden zum Beispiel den Oberschenkel vorn entlang, oder innen oder außen hinunter, so gehen wir davon aus, dass es sich um einfache Beinschmerzen handelt, die von Muskulatur und / oder dem Bindegewebe der schmerzenden Stelle ausgehen. Wir behandeln sie am Ort des Geschehens und dazu die zugrunde liegende Fehlhaltung.
Oberschenkelschmerzen
Schmerz am Oberschenkel vorn
Tritt der Schmerz am Oberschenkel vorn auf, untersucht man am besten gleich, ob der Betreffende mit gebeugtem/n Hüftgelenk/en steht und geht oder mit gestreckten Kniegelenken. Am häufigsten treten Schmerzen am Oberschenkel vorn bei Startreflex (Hohlkreuzhaltung, siehe unter »Fehlhaltungen«) auf, also bei ständig gestreckten Kniegelenken. Beugt man nämlich den Oberkörper zurück, spannen sich automatisch die Muskeln am Oberschenkel vorn an, um die Person gegen die Schwerkraft zu halten, d.h. um zu verhindern, dass man nach hinten umfällt.
Mit der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® bearbeitet man mittels Pandiculations, Muskel- und Bindegewebsbehandlung die Quadrizepsmuskeln und das Bindegewebe darauf, aber auch alles, was zur rückwärts gebeugten Hohlkreuzhaltung gehört. Mittels Körperbewusstseinstraining und somatischen Übungen lernt der Patient außerdem, nicht mehr in dieser Haltung zu stehen und zu gehen.
Geht der Patient mit Schmerzen am Oberschenkel vorn dagegen mit ständig gebeugten Hüftgelenken, gilt die körpertherapeutische Behandlung natürlich in erster Linie den Muskeln, die als Hüftbeuger fungieren und der zugehörigen Fehlhaltung.
Schmerzen am Oberschenkel von können auch bei chronisch gebeugten Kniegelenken auftreten. Dann sind zwar vor allem die Beugemuskeln auf der Beinrückseite dauernd angespannt, aber wegen der Bewegung in der Schwerkraft auch die Quadrizepsmuskeln am Oberschenkel vorn, denn diese Muskeln müssen den Betreffenden halten, damit er mit gebeugten Kniegelenken nicht zusammen sinkt. In diesem Fall muss man mit der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® natürlich außer den Kniestreckern auch die Kniebeuger behandeln und außerdem die Hüftgelenksbeuger, da die Hüftgelenke bei gebeugten Kniegelenken ebenfalls gebeugt sein müssen. Als Fehlhaltung kommt vor allem das Stoppmuster, also die vorgebeugte Haltung in Betracht. Diese gilt es mit zu behandeln.
Schmerzen am Oberschenkel hinten
Schmerzen am Oberschenkel hinten sind nicht selten darauf zurück zu führen, dass der betreffende den Po einzieht und damit die Hüftgelenke ständig gestreckt hält. Er kann dann schlecht in die Knie gehen, weil sich die Hüftgelenke nicht ausreichend beugen lassen. Man behandelt mittels Pandiculations, Muskel- und Bindegewebsbehandlung der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® die Muskeln und das Bindegewebe an den Oberschenkeln hinten und am Gesäß, sodass sich die Beine in den Hüftgelenken wieder besser beugen und in den Knien eher strecken lassen. Mittels Körperbewusstseinstraining arbeitet man mit den Patienten darauf hin, im Alltag nicht mehr mit durchgestreckten Hüftgelenken zu stehen und zu gehen.
Adduktorenschmerzen
Mit Adduktoren werden gewöhnlich die Muskeln am Oberschenkel innen
bezeichnet. Sie heißen so, weil sie das Bein, wenn es seitlich abgespreizt ist, zum Körper heranführen (lat. adducere) können. Sie können aber auch das Becken näher zu einem der Oberschenkel bringen. Halten sie das Becken ständig dort, hat man einen Beckenschiefstand (siehe unten).
Adduktorenschmerzen sind Schmerzen auf der Innenseite der Oberschenkel. Sie sind auf Verspannungen in den Adduktorenmuskeln auf der Innenseite der Oberschenkel zurück zu führen, bzw. auf Verspannungen des Bindegewebes auf diesen Muskeln.
Beidseitige Adduktorenschmerzen finden sich relativ häufig bei Stoppreflex-Patienten (d.h. bei solchen mit Verspannungen auf der Vorderseite des Körpers, siehe »Stoppmuster«).
Die Anspannung in den Adduktoren sieht man bei diesen Patienten häufig schon daran, dass im Stehen die Beine bei ihnen eng beieinander stehen. Manchmal reiben dadurch beim Gehen die Beine so aneinander, dass es den Stoff der Hosenbeine innen aufarbeitet. Jedes Spreizen der Beine wie zum Beispiel zum Schneidersitz ist für sie durch die Adduktorenverspannung und damit -verkürzung gewöhnlich schlecht möglich. Der Besuch beim Frauenarzt kann zum schwierigen Unterfangen werden. Relativ häufig treten beidseitige Adduktorenschmerzen bei Reitern auf, vor allem, wenn sie mit Hilfe dieser Muskeln die Beine ständig an den Pferd gepresst halten. Manchmal wir das Reiten durch die Adduktorenschmerzen schließlich zur Qual, bzw. kann gar nicht mehr ausgeübt werden.
Durch die Verbindung zum Stoppmuster, also der Dauerspannung von Brust-, Bauch-, Beckenboden- und Hüftbeugemuskeln finden sich Adduktorenschmerzen auch häufig bei Patienten mit Blasenproblemen (siehe »Blasenbeschwerden«), Beckenbodenproblemen (siehe »Beschwerden Beckenboden«) oder so genannter chronischer Prostatitis (siehe »Chronische Prostatitis«).
Einseitige Adduktorenschmerzen können auf eine Traumareflex-Haltung, also auf eine Schiefhaltung (siehe unter »Traumamuster«) hinweisen, ebenso wie Schmerzen auf Hüft- und Beinaußenseite. Meist ist dabei das Gewicht mehr auf ein Bein verlagert und das Becken auf dieser Seite nach außen hin herausgestreckt. Es besteht gleichzeitig ein Beckenschiefstand und eine Skoliose.
Häufig sind einseitige Adduktorenschmerzen bei Fußballern, da hier oft eine Zerrung durch plötzliche, starke Bewegung auftritt, denn der Ball wird hauptsächlich mittels der Oberschenkel-Adduktoren bewegt.
Behandlung
In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandeln wir bei Adduktorenschmerzen mittels der manuellen Methoden und der Pandiculations zum einen die Adduktoren selbst, zum anderen auch das ganze damit verbundene Spannungsmuster, das sich als Fehlhaltung durch den ganzen Körper zieht. Das anschließende Körperbewusstseinstraining und die somatischen Übungen zielen darauf, die Adduktoren nicht mehr dauernd angespannt, sondern locker zu halten.
Thromboseschmerzen
Vor allem akut auftretende Beinschmerzen können auch auf Thrombosen in den Beinvenen zurückzuführen sein. Dabei handelt es sich Blutverklumpungen, die sich in Venen festsetzen. Sie treten vor allem im Rahmen einer Thrombophlebitis auf, das heißt einer Venen-Entzündung auf. Dann findet sich im betroffenen Gebiet auch eine Rötung, Schwellung und es ist heiß. Auch eine längere Ruhigstellung des Beins durch Gips oder Bettlägerigkeit kann zu Thrombosen führen. Thrombosen sind gefährlich, da sich solch ein Blutpfropf leicht als Embolus lösen, in den Blutkreislauf gelangen und damit eine Blockierung wichtiger Gefäße auslösen kann. Eine so verursachte Lungen- oder Herz-Embolie kann tödlich enden. Daher sollten Patienten mit akut auftretenden Beinschmerzen als erstes diese Möglichkeit abklären lassen. Allerdings suchen Patienten mit solchen Beschwerden praktisch nie als erstes einen Körpertherapeuten auf. Dennoch sollte man als verantwortungsbewusster Körpertherapeut auch an diese Möglichkeit denken und die Patienten zur Untersuchung an einen Arzt, am besten an einen Phlebologen überweisen. Zwar können Thrombosen durch Verspannungen in der Beinmuskulatur zustande kommen, die Behandlung ist im akuten Zustand jedoch eine andere.
Die meist gleichzeitig vorhandenen Krampfadern sind dagegen harmlos. Es sind Aussackungen der Venen, die sich gebildet haben, weil der Abfluss zum Körper hin durch Verspannungen gestört ist. Leider bilden sie sich kaum zurück, auch wenn man die ursprünglich bedingenden Verspannungen löst. Man kann durch die körpertherapeutische Behandlung aber eine weitere Ausbreitung von Krampfadern verhindern.
Unterschenkelschmerzen, Wadenschmerzen, Wadenkrämpfe
Unterschenkelschmerzen treten am häufigsten im Bereich der Gastrocnemius- und der Soleus-Muskeln, also als Wadenschmerzen, auf. Hier ist auch die Krampfneigung am stärksten. Wadenkrämpfe treten bevorzugt nachts auf, was vermutlich durch die Unbeweglichkeit während des Schlafs bedingt ist. Schmerzen wie Wadenkrämpfe resultieren aus verspannten Wadenmuskeln. Da die schmerzhafte Daueranspannung der Wadenmuskulatur durch Fehlhaltung und Fehlgebrauch der Muskulatur bedingt ist, helfen die oft empfohlenen Magnesiumgaben meist wenig oder gar nicht.
Wadenschmerzen treten häufig zusammen oder alternierend mit Achillessehnenschmerzen (siehe weiter unten) auf, denn die Achillessehne ist auf jeder Seite sozusagen die Fortsetzung der Wadenmuskeln, mit denen diese am Fersenbein ansetzen. Man betätigt diese Muskeln (und damit auch die Sehnen) bei jedem Schritt, um das Gewicht des Körpers nach vorn und oben zu transportieren. Wegen des Gewichtstransports die sind Wadenmuskeln bei Bergwanderern und bei schwergewichtigen Personen, auch wenn diese nicht besonders viel gehen, meist stark ausgeprägt (jemand hat „stramme Wadeln“, wie man in Bayern sagt).
Waden- und Achillessehnenschmerzen sind jedoch kein einfaches Überlastungssymptom. Das heißt, es gilt nicht: je mehr einer geht oder läuft oder bergwandert oder je dicker er ist, umso mehr Wadenschmerzen oder Wadenkrämpfe hat er. Vielmehr treten die Beschwerden nur auf, wenn jemand sich auf falsche Weise auf seinen Beinen bewegt bzw. nicht bewegt. Die Waden schmerzen am häufigsten, wenn man sich – gewöhnlich ohne es zu merken – in einer Fehlhaltung bewegt.
Häufigste Fehlhaltung ist das Startmuster (siehe auch unten unter »Achillessehnenschmerzen«), das heißt im Stehen und Gehen ist der Oberkörper zurück gelegt und die Knie sind durchgedrückt und beugen sich kaum. Setzt man beim Gehen einen Fuß nach vorn, haut man ihn mit der Ferse auf, was oft von weitem zu hören ist.
Manche Menschen mit Schmerzen in den Waden haben auch die Angewohnheit, die Beugemuskeln des Beins an Wade und Oberschenkel hinten im Sitzen (zum Beispiel den Gasfuß beim Autofahren) ständig angespannt zu halten. In diesen Fällen treten die Wadenschmerzen meist zusammen oder alternierend mit Schmerzen an den Oberschenkeln hinten auf.
Auch das jahrelange Tragen von hohen Absätzen kommt als Ursache von Wadenschmerzen in Betracht.
Manchmal schmerzt bei Unterschenkelschmerzen auch der Unterschenkel vorn, meist außen vom Schienbein, dann ist der der Fußhebermuskel betroffen, zuweilen sind auch die Zehenheber beteiligt. Diese Schmerzen treten besonders häufig bei Menschen auf, die die Angewohnheit haben, Fuß und Zehen beim Gehen, in der Phase des Aufsetzens des Fußes, in die Höhe zu ziehen, bzw. mit ständig hochgezogenen Zehen zu gehen.
Achillessehnenschmerzen
Gewöhnlich steckt hinter Achillessehnenschmerzen bzw. Schmerzen im Gebiet der Achillessehnen, auch Achillodynie genannt, eine Verspannung in der Muskulatur der Wade und vor allem im Bindegewebe um die Achillessehne herum. Häufig zeigen die Patienten ihren Schmerz daher auch innen oder außen von der Achillessehne. Bei den so genannten Achillessehnenentzündungen handelt es sich meist um Fehldiagnosen, denn es gibt keinerlei Entzündungszeichen. Die Achillessehne ist weder dick, noch rot noch heiß. Zeigen sich tatsächlich Entzündungszeichen und es liegt keine infizierte Verletzung vor, so ist die Entzündung gewöhnlich mechanisch bedingt, das heißt wiederum auf Verspannungen in Muskulatur und Bindegewebe zurück zu führen.
Achillessehnenbeschwerden sollten nicht isoliert gesehen und behandelt werden, da sie sonst immer wieder kehren. Am häufigsten treten Achillessehnenschmerzen bei Fehlhaltungen nach dem Startmuster auf. Dabei lehnt man mit dem Oberkörper zurück, so dass sich das Körpergewicht auf den Fersen befindet und Gastrocnemius und Soleus, die Muskeln, die in die Achillessehne münden, ständig angespannt sein müssen. Oft bestehen außer schmerzenden Achillessehnen zusätzlich oder alternativ Wadenschmerzen (siehe oben) und Fersenschmerzen (siehe »Füße«). Bei einseitigen Achillessehnenschmerzen lehnt man sich mit dem Oberkörper gewöhnlich stärker zu einer Seite zurück, hat also das Gewicht bevorzugt auf einer, der betroffenen Ferse.
Sehr häufig sind Wadenschmerzen und Achillessehnenschmerzen bei Joggern anzutreffen, die nicht locker und mit dem ganzen Körper laufen.
Behandlung
Man behandelt mit der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® natürlich die jeweils verspannte Unterschenkelmuskulatur und das Bindegewebe in der betroffenen Gegend. Man kann auch die Achillessehne selbst mit einem Zangengriff behandeln, außerdem natürlich das Bindegewebe auf und um die Achillessehne. Und natürlich kann man auch pandikulieren (siehe »Die Behandlung«) und dem Patienten entsprechende Übungen für Unterschenkelmuskulatur und Achillessehne zeigen.
Wie bei allen Beinschmerzen, die rein muskulär oder bindegewebsmäßig bedingt sind, ist natürlich wieder zu bedenken, ob sie durch eine Fehlhaltung oder „dumme Angewohnheiten“ aufrechterhalten werden. Da sich Unterschenkelverspannungen, Wadenschmerzen und Achillessehnenschmerzen am häufigsten bei Startreflex-Haltung finden (siehe unter »Startmuster«), prüft man bei Schmerzen in den Waden und „Achillessehnenschmerzen“, ob der Betreffende sein Körpergewicht ständig nach hinten verlagert hat. In diesem Fall behandelt man mittels Pandiculations, Muskel- und Bindegewebsbehandlung der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® nicht nur die Wade sondern die gesamte Körperhaltung und sorgt auch dafür, dass der Patient via Körperbewusstseinstraining lernt, diese Fehlhaltung zu vermeiden. Auch bei anderen „dummen Angewohnheiten“ arbeitet man mit dem Patienten zusammen darauf hin, dass dieser seine motorischen Gewohnheiten im Alltag erkennen lernt, so dass er sie schließlich wieder bleiben lassen kann. Dieses Körperbewusstseinstraining ist allerdings erst möglich, nachdem man die unwillkürlich ständig angespannte Muskulatur, die zu dieser eingefleischten Gewohnheit gehört, manuell gelockert hat.
Amputations- und Phantomschmerzen
Nach Amputationen kommt es häufig zu chronischen Schmerzen. Diese betreffen oft nicht nur den Stumpf, an dem die Operation stattgefunden hat, sondern auch das nicht mehr vorhandene Körperteil. Das nennt man Phantomschmerzen. Es gibt auch gespürte Phantombewegungen und andere Phantommissempfindungen. Moderne Schmerzforscher, z.B. Ziegelgänsberger, meinen heute, dass ich durch die der Amputation vorausgehende Erkrankung oder Verletzung vor allem aber durch die zur Amputation notwendige Operation ein Schmerzgedächtnis gebildet hat, das die Phantomschmerzen bewirkt. Sie empfehlen, bei der Operation zusätzlich zur Vollnarkose eine Lokalanästhesie durchzuführen, um die Entwicklung eines solchen Schmerzgedächtnisses zu verhindern.
Anders als diese Forscher, denke ich, dass sich dieses Schmerzgedächtnis nicht nur im Gehirn ausbildet, sondern dass es dort durch die eingehend Reize aus der Peripherie, die aus dem Stumpf kommen aufrechterhalten wird. Daher lassen sich diese Schmerzen auch am Stumpf behandeln. Bei Amputations- und Phantomschmerzen behandelt man mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® am besten den Stumpf des amputierten Beines unten und zwar das Bindegewebe. Dadurch können sich sowohl die Schmerzen am Stumpf selbst wie im Phantomglied geben.
Therapeuten, die mit »Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl®« behandeln, finden Sie auf der Therapeutenliste.