"Chronische Prostatitis", CPPS
Chronische Prostatitis heißt chronische Prostata-Entzündung. Man geht in Urologenkreisen allgemein davon aus, dass es bei Chronischer Prostatitis um eine Erkrankung der Prostata und zwar um eine Entzündung handelt, wobei man sich vorstellt, dass diese Entzündung durch bestimmte Erreger hervorgerufen wird und durch Gabe von Antibiotika zu heilen ist. Bei der so genannten Chronischen Prostatitis handelt es sich in aller Regel jedoch um eine Fehldiagnose bzw. eine falsche Bezeichnung. Es wurde mehrfach nachgewiesen, dass sich bei dem so bezeichneten Krankheitsbild insbesondere keine Erreger in nennenswerter Anzahl finden.
Zwar gibt es eine akute Prostatitis, bei der tatsächlich die Prostata von Erregern befallen und entzündet ist und bei der Antibiotika helfen. Chronische Beschwerden im Bereich Unterbauch, Beckenboden, Gesäß sind aber fast nie durch eine chronische Prostataentzündung bedingt, wohl aber können sie im Anschluss an eine solche – ohne Erreger, allein durch nachfolgende Verspannungen – entstanden sein. Selbst wenn es bei den Beschwerden der so genannten Chronischen Prostatitis aktuell Entzündungsmarker gibt (so genannte chronische abakterielle Prostatitis), kann die Entzündung doch auch mechanisch und nicht durch Erreger bedingt sein. Die Prostata hat, wenn überhaupt, damit nur marginal und keinesfalls ursächlich zu tun. In den allermeisten Fällen von so genannter „chronischer Prostatitis“ ist es jedoch so, dass die Beschwerden mit der Prostata überhaupt nichts zu tun haben, sondern dass sie auf Verspannungen in Unterbauch, Beckenboden und angrenzenden Gebieten zurück zu führen sind.
Die Fehldiagnose kommt dadurch zustande, dass dem Urologen, der eine Diagnose stellen muss, für all diese Störungen, wie unterschiedlich sie auch sein mögen, nur die Diagnose „chronische Prostatitis“ zur Verfügung steht. Daher ist es in Deutschland und wohl den meisten westlichen Ländern so, dass bei fast allen länger dauernden Störungen, die bei Männern im Bereich Unterbauch, Gesäß, Beckenboden auftauchen, gewöhnlich die Prostata verantwortlich gemacht und die Diagnose „Chronische Prostatitis“ gestellt wird. Verspannungen als Krankheitsursache sind weitgehend unbekannt.
Beschwerden
Zu den Beschwerden von Männern mit der Diagnose Chronische Prostatitis können folgende Probleme gehören:
Blasenbeschwerden
- Häufiger, oft auch plötzlicher Harndrang, auch nachts
- mit oder ohne Dranginkontinenz,
- Blasenschmerzen
- Schwierigkeiten beim Wasserlassen (Miktionsstörungen) wie Harnverhalt, Startschwierigkeiten beim Urinieren, zu dünner Harnstrahl, geringer Druck, Nachträufeln
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- Restharn (Blase nicht vollständig entleert) oder Gefühl von Restharn
- Brennen in der Harnröhre
- Überempfindlichkeit auf Kälte
- oft auch Verstärkung der Beschwerden durch kalte Füße
(siehe »Blasenbeschwerden«)
Schmerzen und Missempfindungen im Unterbauch
- Schmerzen oft ziehend
- diffus
- brennend
- taubes Gefühl
- Unterleib aufgebläht
- Überempfindli chkeit auf Kälte
(siehe »Bauchbeschwerden«)
Schmerz und Missempfindungen im Beckenboden
- Schmerzen oft ziehend, diffus, brennend, am Damm oder am gesamten Beckenboden
- Schmerzen bei oder nach dem Urinieren
- Schmerzen, die tief innen (oft „an der Prostata“) empfunden werden, obgleich sie von außen kommen
- Missempfindungen, die schwer beschreibbar, nicht direkt schmerzhaft, aber äußerst unangenehm, „nervend“, ziehend, manchmal auch pulsierend sind
- Taubheitsgefühle und / oder Kribbeln
- Überempfindlichkeit auf Kälte, manchmal auch auf Hitze, Berührungsreize, Reibung oder Vibration
- ausstrahlenden Beschwerden
– in den Penis bzw.
– in die Harnröhre (z.B. Brennen an der Penisspitze) - Sitzbeschwerden
(siehe »Beckenbodenbeschwerden«)
Schmerz und Missempfindungen im unteren Gesäß
- Schmerz oft brennend und „nervend“
- Taubheitsgefühle und/oder Kribbeln
- Sitzbeschwerden
- Sitzbein- und/oder Steißbeinschmerz
- Überempfindlichkeit auf Kälte und/oder Berührungsreize
(siehe »Schmerzen Gesäß« und »Schmerzen Steißbein«)
Schmerz und Missempfindungen am After und / oder Enddarm
- Afterschmerzen
- Afterkrämpfe
- Fremdkörpergefühl im After oder im Enddarm (wie ein Golfball, eine Nuss o.ä.)
- Schmerzhafte Defäkation (Stuhlentleerung)
- Taubheitsgefühle und/oder Kribbeln um den After
- Jucken des Afters
- Afterekzem
(siehe »Beckenbodenbeschwerden« und »Andere Missempfindungen«)
Schmerz und Missempfindungen am Hoden
- Hodenschmerzen, oft brennend oder bohrend
- manchmal mit Zuckungen verbunden (Cremasterreflex)
- Taubheitsgefühle an den Hoden
- Kribbeln der Hoden
- Überempfindlichkeit auf Kälte, Wärme, Berührungsreize, Reibung oder Vibration
(siehe »Sexuelle Störungen« und »Andere Missempfindungen«)
Sexuelle Funktionsstörungen
- Erektionsstörungen
- Libidoverlust, sexuelle Inappetenz bei jungen Männern
(siehe »Sexuelle Störungen«)
Leistenschmerzen
- Zur Beinseite
- oder zur Bauchseite hin
(siehe »Leistenschmerzen«)
Adduktorenschmerzen
- Schmerzen auf der Innenseite der Oberschenkel, zuweilen auch an anderen Stellen der Oberschenkel
(siehe »Ischias und Beinschmerzen«)
Hinzu kommen oft noch:
Rückenschmerzen
- meist im unteren Rücken
- Kreuzschmerzen
- Kreuzbeinschmerzen
- Schmerzen an den Iliosakralgelenken
(siehe »Rücken«)
Schlafstörungen
- meist durch den nächtlichen Harndrang
(siehe »Schlafstörungen«)
Depressionen und / oder Ängste
- Depressionen wie bei allen chronischen Schmerzzuständen, (siehe »Depression«).
- Ängste durch das unerklärliche des Zustands, das Zusammengezogensein auf der Vorderseite, das Ausgeliefertsein bei ständigem Harndrang und das oft Peinliche der Beschwerden insgesamt (siehe »Angst«).
- Auch wenn keine manifeste Depression oder Angst vorliegt, so ist auf jeden Fall nach einer gewissen Zeit die Stimmung eher schlecht und der Antrieb reduziert.
Konzentrationsstörungen
- dadurch dass die Beschwerden alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen
(siehe »Konzentrationsstörungen« und »Chronische Schmerzen«), kann es zu einer mentalen Präokkupation mit den Beschwerden kommen, d.h. sie beherrschen alles Denken, Fühlen und Handeln.
Soziale Folgeschäden
- Rückzugsreaktionen, Isolation
- Minderung der beruflichen Leistungsfähigkeit
- Partnerschaftsprobleme
- Sucht (Alkohol oder Tabletten, meist als Selbstmedikation begonnen)
Wie man sieht, handelt es sich um ein breites Spektrum von Beschwerden, wobei die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Es handelt sich bei dieser Liste nicht um eine Aufzählung der Beschwerden bei chronischer Prostatitis, sondern um eine Sammlung der Beschwerden von denjenigen Männern, denen allen – bei unterschiedlichsten Beschwerden – die Diagnose „Chronische Prostatitis“ gestellt wurde. Bei ein und demselben Patienten ist gewöhnlich nur ein Teil der Beschwerden vorhanden, d.h. Männer mit der gleichen Diagnose können unter ganz unterschiedlichen Beschwerden leiden. Fast keiner hat alles. Natürlich können die einzelnen Beschwerden auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
„Chronische Prostatitis“ als Folge von Muskelverspannung
Die Patienten mit der Diagnose „Chronische Prostatitis“ leiden oft unendlich über Jahre und ziehen gewöhnlich von Urologe zu Urologe. Meist werden sie (erfolglos) mit Antibiotika behandelt, manchmal über Monate. Bleibt alles ohne befriedigendes Resultat, werden sie oft zum Neurologen, Psychiater oder Psychologen überwiesen, wo sie aber im Allgemeinen auch keine Heilung erfahren.
Erst in jüngster Zeit hat man vor allem in USA angefangen umzudenken. Dort ist das Buch „A Headache in the Pelvis“ von Wise und Anderson erschienen (National Center of Pelvic Pain Research, 2004), das die Störung nunmehr „chronic pelvic pain syndrom“ oder „CPPS“ nennt und klar die Meinung vertritt, dass es sich dabei um ein Muskelverspannungsproblem handelt. Die Autoren empfehlen zur Behandlung rektale Triggerpunkt-Massagen des Beckenbodens (was auch ein Teil der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® ist), Stretching-Übungen, sowie ein mentales Verfahren, das sie Paradoxe Entspannungstechnik nennen, bei dem man bewusst die eigenen Verspannungen akzeptiert, um sie dadurch aufzulösen.
In Deutschland ist das Buch von E. A. Günthert „Psychosomatische Urologie“ (Schattauer 2003) erschienen, in dem der Autor ebenfalls klar einen Muskelspannungsansatz vertritt und die Beziehung von Muskelspannung und psychischen Problemen herausarbeitet. Mit Dr. Günthert habe ich (H.P.) lange zusammen gearbeitet und verdanke ihm viel von meinem Wissen auf urologischem Gebiet.
Es gibt in Deutschland ein reges Patientenforum zum Thema „Chronische Prostatitis“ (www.medizin-forum.de/prostatitis), in dem das Thema Muskelverspannung und Triggerpunkte bei dieser Diagnose inzwischen breit diskutiert wird.
Interessant ist, dass die Verursachung der oben aufgelisteten Beschwerden durch chronische Muskelverspannungen früher bekannt war und dann offensichtlich wieder dem Vergessen anheim fiel. Jedenfalls liegt mir ein dickes zweibändiges „Lehrbuch der Massage“ von einem Medizinalrat Müller (Marcus und Weber’s Verlag, Bonn) in einer zweiten Auflage von 1926 (!) vor, in dem der Autor den Muskelhartspann der Beckenbodenmuskulatur beschreibt. Diesen Muskelhartspann macht er für eine Reihe der oben aufgeführten Blasen- Beckenboden- und Sexualstörungen verantwortlich. Die irreführende Bezeichnung „Chronische Prostatitis“ gab es damals offensichtlich noch nicht, wohl aber kannte man die Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung). Diese sah Müller aber keineswegs als die Ursache der anderen Beschwerden, sondern diesen gleich geordnet. Er führte sie ebenso wie die anderen Beschwerden auf den Hartspann (die Verspannung) der Beckenbodenmuskulatur zurück. Für alle diese Beschwerden empfiehlt er eine manuelle (schmerzhafte) Massagebehandlung in der „Beckenhöhle“, d.h. der Beckenbodenmuskeln von innen, indem er rektal von außen in diese Höhle eindringt. Die einzelnen Griffe sind detailliert beschrieben und illustriert.
Eigene Sichtweise
In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandle ich seit vielen Jahren und behandeln inzwischen auch einige von mir ausgebildete die Sensomotorische Körpertherapeut/Innen Männer mit der Diagnose Chronische Prostatitis und vertreten natürlich auch einen Muskelspannungsansatz. Allgemeine Ausführungen zu den Krankheitsbildern bei Beckenbodenbeschwerden finden Sie auch im Artikel
In der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® behandeln wir nicht nur den Beckenboden, sondern beziehen auch andere betroffene Muskelpartien und seit einigen Jahren auch das Unterhautbindegewebe in die Diagnose und Behandlung mit ein. Denn zum einen hat sich gezeigt, dass längst nicht alle Beschwerden der so genannten Chronischen Prostatitis vom Beckenboden ausgehen, sondern auch vom Unterbauch, dem unteren Rücken, Gesäß und den Adduktoren, und zum andern, dass ein Teil der Beschwerden nicht von der Muskulatur sondern vom Bindegewebe stammt. Manche der betroffenen Männer haben überhaupt nichts am Beckenboden und bei anderen liegen überhaupt keine Muskel- sondern nur Bindegewebsverspannungen vor, weshalb leider auch die Bezeichnung Beckenbodenmyalgie als Oberbegriff für diese Beschwerden auch unzutreffend ist. Da es sogar Männer mit der Diagnose „chronische Prostatitis“ gibt, die überhaupt keine Schmerzen verspüren, sondern schmerzfreie Beschwerden der oben aufgeführten Art haben, trifft leider auch der Ausdruck CPPS (chronic pelvic pain syndrome) nicht ganz. Am gescheitesten ist es wahrscheinlich, statt eine Sammelbezeichnung zu verwenden, die oben aufgeführten Beschwerden, unter denen jemand leidet, einfach einzeln beim Namen zu nennen. Jemand leidet dann zum Beispiel unter Harnverhalt und einem Brennen in der Harnröhre, ein anderer unter Gesäßschmerzen und Afterkrämpfen etc., die Möglichkeiten sind vielfältig.
Im Laufe der köpertherapeutischen Behandlungen hat sich herausgestellt, dass insbesondere alle diffusen und seltsamen Missempfindungen, fast alle brennenden Schmerzen, alle Taubheitsgefühle, alles Kribbeln und die meisten Überempfindlichkeiten (Hypersensibilisierungen) auf Kälte, Reibungen etc. aus den Nervenendigungen im Bindegewebe kommen (siehe auch »Sensomotorische Störungen«) und nicht von einer Schädigung an den Nervensträngen, wie die Neurologie vermutet, die diese Beschwerden Parästhesien und/oder neuropathische Schmerzen nennt. Für unseren Ansatz spricht, dass sich die Beschwerden mit der speziellen Bindegewebsbehandlung der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® sehr gut beseitigen lassen, während sie sonst therapeutisch als die allerschwierigsten gelten.
Oft sind natürlich sowohl Muskulatur wie Bindegewebe betroffen und behandlungsbedürftig.
Wir halten die Beschwerden der so genannten Chronischen Prostatitis nur insofern für psychosomatisch, als manche (nicht alle!) Männer feststellen, dass ihre Beschwerden sich in Stress- und in Belastungssituationen entwickelt haben und /oder verstärken. Das liegt daran, dass man wie bei vielen Beschwerden aufgrund von Muskel- und Bindegewebsverspannungen in negativ erlebten Situationen unwillkürlich die betroffenen Muskel- und Bindegewebspartien noch stärker als gewöhnlich anspannt. Das Gleiche gilt bei Leistungsdruck, unter den man sich bei gegebenen Anforderungen unwillkürlich setzt, indem man die ohnehin verspannten Muskeln noch stärker anspannt. Muskeln und Bindegewebe werden im Laufe diese Prozesses immer empfindlicher, nicht nur auf diese Reize hin, sondern oft auch auf Kälte, Druck, Berührungen usw.
Es geht in der Körpertherapie nicht darum, dass dem Betroffenen bewusst wird, auf welches Ereignis hin (womöglich in der frühen Kindheit) seine Beschwerden zurück zu führen sind, sondern dass er in seinem Alltag jetzt die Verspannungen bewusst spüren lernt, und zwar nicht als etwas, was er hat, sondern was er (unwillkürlich) tut. Damit kann ihm klar werden, worunter er eigentlich leidet und er kann die bewusste, sensorische Steuerung seiner Muskulatur wiedererlangen.
Zunächst aber leiden die Betroffenen unter einer „Sensomotorischen Amnesie“ (Ausdruck von Thomas Hanna) für die betroffenen Körperteile, d.h. sie spüren ihre Verspannungen gewöhnlich nicht und merken auch nicht die Bewegungseinschränkung, die mit den Dauerkontraktionen verbunden ist. So ist den meisten Männern mit einer Prostatitisdiagnose zunächst nicht bewusst, dass die Atembewegung bei ihnen eingeschränkt ist, weil Bauch- und Beckenbodenmuskulatur fest sind, ja schon die Vorstellung, in den Beckenboden zu atmen, scheint ihnen zunächst absurd.
Sowohl die Sensomotorische Amnesie wie die Übersensibilisierung verliert man durch die Behandlung mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl®, so dass man in Stress- und Belastungssituationen gelassener bleibt (siehe Artikel »Alles psychosomatisch? (PDF)« und »Psychosomatik – eine neue Sichtweise (PDF)«). Das Gleiche gilt für die mentale Präokkupation mit den Beschwerden und damit für die Konzentrationsstörungen: sie verschwinden bei der körpertherapeutischen Behandlung.
Die Depressionen und Ängste, die bei manchen Männern mit CPPS auftreten, werden ebenfalls als Folgen von Verspannungen gesehen, die sich in diesen Fällen durch den ganzen Körper ziehen. Mehr oder weniger starke Depressionen sind bei allen ausgeprägten chronischen Schmerzzuständen anzutreffen. Sie sind nicht Ursache, sondern Folge der anderen Beschwerden und werden in der Sensomotorischen Körpertherapie gleich mitbehandelt, und zwar wiederum nicht durch Deutungen, sondern durch körpertherapeutische Verfahren, die natürlich in Gespräche eingebunden sind. Siehe »Angst«, »Depression« und den Artikel
Behandlung
In der Behandlung der Beschwerden der so genannten »Chronischen Prostatitis« oder des CPPS gehen wir in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® unterschiedlich vor, je nach dem, welche Beschwerden im Vordergrund stehen. Denn da bei der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® nicht davon ausgegangen wird, dass es sich bei der Chronischen Prostatitis um ein einheitliches Beschwerdebild handelt, gibt es auch keine einheitliche, sondern vielmehr eine höchst individuelle Behandlung.
In Frage kommen
- eine Myogelosen- oder Triggerpunktbehandlung der Muskulatur
– des gesamten Beckenbodens
– und / oder des Afterschließmuskels
– und / oder des äußeren Blasenschließmuskels - und / oder eine Bindegewebsbehandlung
– des Beckenbodens von außen - und / oder eine Muskel- und / der Bindegewebsbehandlung
– des Unterbauchs, inklusive der Iliopsoas-Muskeln und / oder
– der Leiste
– des unteren Gesäßes
– des Cremastermuskels (bei Hodenschmerzen)
– der Adduktoren und anderer Oberschenkelmuskeln
– des unteren Rückens - Pandiculations (aus Hanna Somatics) der verspannten Muskeln von
– Unterbauch und / oder
– Iliopsoas
– Leiste
– Adduktoren
– Rücken
– Gesäß
– (an Beckenbodenmuskeln und Cremaster nicht möglich) - ein Körperbewusstseintraining
- Somatische Übungen
Zu den einzelnen Verfahren siehe auch »Die Behandlung«.
Bei jedem Patienten werden genau diejenigen Muskeln und / oder Bindegewebspartien behandelt, die in seinem individuellen Fall Probleme machen. Im Zentrum der Behandlung mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® stehen dabei meist die manuellen Myogelosen- oder Triggerpunktbehandlungen der Muskeln und die Bindegewebsbehandlungen. Bei diesen Behandlungen übt man verlagernden Druck auf die betroffenen Körperpartien aus. Dieser Druck ist zunächst schmerzhaft, was im Laufe einiger Behandlungen nachlässt. Wiederholt man die Behandlungen oft genug, sind die betroffenen Gebiete schließlich nicht mehr druckschmerzhaft, sondern verhalten sich wie andere, gesunde Körperteile. Damit verschwindet auch die Überempfindlichkeit auf Reize. Mit normalen Massagen, auch den normalen Bindegewebsmassagen haben diese Verfahren nichts zu tun.
Sind durch die manuellen Muskel- und Bindegewebsbehandlungen die hauptsächlichen akuten Schmerz- und Missempfindungspunkte bereits einigermaßen aufgelöst, setzt man, um das Spüren des eigenen Körpers und damit die bewusste Steuerung der Muskulatur wieder zu erlangen, in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® die Pandiculations von Hanna Somatics, die somatischen Übungen und das Körperbewusstseinstraining ein. Diese Verfahren beinhalten gleichzeitig eine Aufmerksamkeitsschulung, d.h. man lernt, exakt zu spüren, was man mit seinen Muskeln tut. Das ist ein natürliches Biofeedback. Da man die unwillkürlich verspannten Muskeln zunächst bewusst nicht entspannen kann (wenn man das könnte, wäre alles sehr leicht!), beginnt man bei den Pandiculations damit, diese Muskeln gegen den manuellen Widerstand des Therapeuten willkürlich noch stärker anzuspannen und dann langsam bewusst aus dieser Spannung heraus zu gehen, wobei sich die betreffenden Muskeln entspannen können.
Nach dem gleichen Prinzip funktionieren die Somatischen Übungen (zum Teil aus Hanna Somatics), die individuell ausgesucht und eingesetzt werden zur Aufrechterhaltung des Behandlungserfolgeserfolges. Die Übungen gelten nicht nur dem Beckenboden, sondern dem gesamten Verspannungsmuster. Man lernt mit ihnen allmählich wieder eine willkürliche Steuerung der betroffenen Muskeln und verliert damit die Sensomotorische Amnesie. Das hat mit den üblichen Kräftigungsübungen nichts zu tun. Die Übungen können die Patienten zwischen den Behandlungen zu Hause ausführen.
Das Körperbewusstseinstraining der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® dient neben der bewussten Entspannung der jeweils verspannten Muskulatur im Alltag (siehe »Die Behandlung«) auch zur Bewusstmachung und Ausmerzung von „dummen Angewohnheiten“ (z.B. Unterbauch und Beckenboden immer dann stärker anzuspannen, wenn man sich auf etwas konzentriert; oder immer mit angespanntem Beckenboden herum zu laufen; oder bei der Arbeit immer vorgebeugt zu stehen oder mit abgeklapptem Becken zu sitzen etc.). Ändern soll sich damit die Alltagsbewegung und Haltung, denn da wird das ganze Problem mit der so genannten Prostatitis gewöhnlich aufrecht erhalten und die beste manuelle Behandlung nützt nichts, wenn man im Alltag wieder seine alten Angewohnheiten einschleifen lässt. Auch das Körperbewusstseintraining ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich angelegt.
Immer mit betroffen ist bei allen Männern mit so genannter chronischer Prostatitis die Atmung, denn wenn Unterbauch, Beckenboden und eventuell auch die Iliopsoas-Muskeln und der untere Rücken fest sind, heißt das, dass die Atmung nach unten nicht oder nicht in vollem Umfang möglich ist, was aber – wie oben erwähnt – den Betroffenen am Anfang nicht bewusst ist. Die Behandlung mit Sensomotorischer Körpertherapie nach Dr. Pohl® schließt daher bei so genannter chronischer Prostatitis immer eine manuelle Behandlung der Atemmuskulatur und ein entsprechendes Körperbewusstseinstraining ein (siehe »Fehlatmung«). Fließt dadurch die Atmung wieder frei durch, werden Unterbauch, Beckenboden, Blase und unterer Rücken im Alltag durch die Atmung anstatt in Dauerkontraktion ständig in Bewegung gehalten (was der normale Zustand ist). Das beugt Rückfällen vor.
Die Behandlung von Fehlhaltungen, d.h. von Verspannungsmustern, die sich durch den ganzen Körper ziehen und die die Beschwerden möglicherweise aufrechterhalten, ist wieder je nach Beschwerdebild unterschiedlich (siehe »Fehlhaltungen«). Bei vielen Männern mit Beckenbodenbeschwerden ist zum Beispiel der Bauch ständig angespannt, was eine eher vorgebeugte Haltung ergibt, und auch die Adduktoren befinden sich in Dauerspannung (siehe »Stoppmuster«). Andere Männer mit Beckenbodenbeschwerden stehen und gehen so, dass sie immer die Gesäßbacken angezogen halten. Dabei ist gewöhnlich unbemerkt auch der hintere Beckenboden mitsamt dem Afterschließmuskel angespannt und der Oberkörper zurück gebeugt. Sie gehen mit außenrotierten Beinen (siehe »Startmuster«). Manche stehen, gehen, sitzen und bewegen sich schief, womit gewöhnlich einseitige oder einseitig betonte Beschwerden verbunden sind (siehe »Traumamuster«).
Insgesamt lässt sich mit diesem breit gefächerten Angebot so ziemlich jeder individuelle Fall erfolgreich verstehen und behandeln. Die Länge der Behandlung ist allerdings von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, was auch vom Umfang und dem Grad der Chronifizierung der Beschwerden abhängt. Zwischen einer und fünfzig Behandlungen ist alles schon da gewesen. Die meisten Fälle mit so genannter „chronischer Prostatitis“ brauchen in der Sensomotorischen Körpertherapie nach Dr. Pohl® etwa 10 bis 20 Stunden, wobei man eine merkliche Besserung der Beschwerden aber gewöhnlich schon nach den ersten Behandlungsstunden spürt.
Therapeuten, die mit »Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl®« behandeln, finden Sie auf der Therapeutenliste.
